Qatar Airways
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An Einstieg interessiert Qatar Airways bandelt mit Lufthansa an

Stand: 02.12.2019, 11:15 Uhr

Mit Kampfpreisen jagten einst die Golf-Airlines den europäischen Fluggesellschaften Marktanteile ab. Nun stecken sie selbst in der Krise. Die Situation scheint so dramatisch, dass sich Qatar Airways der Lufthansa anbiedert. Diese jedoch lehnt ab.

Bei seinen öffentlichen Auftritten gibt sich Akbar Al-Baker, Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, gewöhnlich recht selbstbewusst und teilt gegenüber der Konkurrenz aus. "Wir bieten das, was kein anderer bietet", prahlte er auf der letzten ITB.

Gerne wetterte er in der Vergangenheit gegen die Lufthansa. Für die Probleme von Lufthansa sei Qatar Airways nicht verantwortlich, sagte er einst. Die seien hausgemacht. Die klassischen europäischen Airlines hätten zu hohe Kosten und würden ihre Flotten nicht effektiv genug nutzen.

Al-Baker könnte sich Partnerschaft vorstellen

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Nun plötzlich gibt sich Al-Baker kleinlaut. Qatar Airways strebt eine Beteiligung an der Lufthansa an. "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in die Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen", sagte der Qatar-Airways-Chef am Sonntag am Rande eines Besuchs von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Doha. In einem ersten Schritt könne er sich zumindest eine "Partnerschaft" vorstellen.

"Deutschland ist für uns sowohl bei Luftverkehrsdienstleistungen als auch bei der Entwicklung des Tourismus ein sehr wichtiges Land", erklärte Al-Baker diplomatisch. Qatar Airways hält bereits Anteile an verschiedenen anderen Gesellschaften. Eine weitere Möglichkeit wäre etwa eine Codeshare-Vereinbarung, bei der die Partner bestimmte Verbindungen teilen, oder eine Kooperation in der Vermarktung.

Von Oneworld zur Star Alliance?

Qatar Airways' derzeitige Mitgliedschaft im Bündnis Oneworld wäre dabei noch ein Hindernis, sagte Al-Baker. Dies könne sich aber ändern: "Ich habe mehrere Male erwähnt, dass wir Oneworld verlassen werden." Lufthansa ist Teil des konkurrierenden Bündnisses Star Alliance.

"Wir unterhalten immer gern Geschäftsbeziehungen mit nationalen Fluggesellschaften in den Ländern, in denen wir tätig sind", erklärte der Qatar-Airways-Chef. Und er würde sich freuen, wenn auch Lufthansa wieder in die katarische Hauptstadt fliegt. Zurzeit steuert sie Doha nicht an. Als Grund dafür gilt die Blockade von Katars Nachbarn gegen das Emirat seit dem Juni 2017. "Es gibt hier Geschäftschancen für jeden", meint Al-Baker.

Qatar Airways will in Hannover starten

Qatar Airways interessiert sich zudem für eine Präsenz in Hannover. Darüber habe er mit Weil gesprochen, sagte Al-Baker. Hannover sei "eine wichtige Industriestadt in Deutschland, außerdem ein wichtiger Cargo-Umschlagplatz". Weil habe ihm versichert, ein mögliches Angebot von Katars Staatslinie in der Landeshauptstadt zu unterstützen. Noch seien aber die Beschränkungen der Verkehrsrechte in der EU ein Problem.

Das Embargo gegen Katar, das die Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate im Sommer 2017 verhängten, bekommt Qatar Airways zu spüren. Im Geschäftsjahr 2017/18 rutschte die Airline in die roten Zahlen. Und auch 2018/19 gab es Verluste. "Wir haben 20 Prozent mehr operative Kosten durch die Blockade", räumte Al-Baker ein.

"Wir sind keine Mickymaus-Airline!"

Dennoch expandiere Qatar Airways weiter. Die 14 weggefallenen Ziele habe die Fluggesellschaft durch 24 neue ersetzt. "Qatar Airways ist keine Mickymaus-Airline", sagt Al-Baker. "Unsere Bilanz ist stark."

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Bisher ist Qatar Airways vor allem mit der British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG) verbandelt. Die Kataris halten 20 Prozent an IAG. Zudem ist Qatar Airways an Air Italy, Cathay Pacific, China Southern und Latam Airlines beteiligt. In Deutschland fliegt die Airline Frankfurt, München und Berlin an.

Lufthansa hat kein Interesse

Das Interesse von Qatar Airways an einem Einstieg bei der Lufthansa treibt die Aktien der Kranich-Airline an. Der Dax-Titel steigt um gut zwei Prozent.

Die Lufthansa hat jedoch kein Interesse an einem Einstieg des Konkurrenten Qatar Airways als Aktionär des Dax-Konzerns. "Wir haben die Lufthansa in Deutschland nicht privatisiert, um sie in Qatar wieder verstaatlichen zu lassen", sagte ein Sprecher am Montag.

nb