Boeing 737 der Norwegian Air auf dem Düsseldorfer Flughafen
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Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt Auch Lufthansa fliegt auf Norwegian

Stand: 18.06.2018, 15:00 Uhr

Der norwegische Billigflieger Norwegian bekommt derzeit eine Reihe von Heiratsanträgen. Nach IAG und Ryanair scheint auch die Lufthansa an den Skandinaviern interessiert zu sein. Die Aktie hebt erneut ab.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr liebäugelt mit einem Kauf der angeschlagenen Billig-Airline aus dem hohen Norden. "Es steht eine weitere Konsolidierungswelle an. Das heißt, dass wir auch mit Norwegian in Kontakt stehen", sagte Spohr im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Übernahmen seien immer eine Frage des strategischen Mehrwertes, des Preises und der wettbewerbsrechtlichen Möglichkeiten. Aktuell rede jeder mit jedem in Europa. Gerade der schwankende Ölpreis werde die Konsolidierung weiter antreiben, "denn in Zeiten hoher Kerosinkosten werden die Starken stärker und die Schwachen schwächer", ergänzte Spohr.

Kurssprung von Norwegian

War das nun ein versteckter Heiratsantrag an Norwegian? Die Anleger meinen ja. Die Aktien von Norwegian springen am Montag um 12 Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn haben die Airline-Titel rund 60 Prozent gewonnen.

Seit Wochen gibt es Übernahmegerüchte um Norwegian Air Shuttle. Den Anfang machte der britische Luftfahrtkonzern IAG, die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia und Vueling. IAG bemühte sich gleich zwei Mal um eine Übernahme der Norweger - und legte zwei Offerten vor. Vergeblich. Norwegian lehnte die Angebote als zu niedrig ab.

Auch Ryanair soll an Norwegian interessiert sein und mit dem Management in Oslo Gespräche geführt haben, sagte Norwegian-Chef Björn Kjos Ende Mai. Doch der irische Billigflieger dementierte die Spekulationen.

Hohe Verschuldung wegen aggressiver Expansion

Norwegian hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der führenden Billigfluggesellschaften Europas entwickelt, liegt aber noch deutlich hinter Ryanair und Easyjet. Ihr aggressiver Expansionskurs hat zu einer hohen Verschuldung geführt. 2017 schrieb die Airline tiefrote Zahlen.

Zugleich gilt Norwegian als Vorreiter für Billigflüge auf der Langstrecke. Von mehreren Flughäfen in Europa aus, besonders von London aus, steuert die Billig-Airline Ziele vor allem in Nordamerika an. "Norwegian hat erfolgreiche Verbindungen in Märkten geschaffen, in denen sich andere schwertun", meint Experte Gerd Pontius von der Airline-Beratungsgesellschaft Prologis. "Gemeinsam mit Easyjet als Zubringer haben sie Lowcost-Langstrecken aufgebaut, die auch für Geschäftsleute interessant sind."

Experten sind skeptisch

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Mit einem Mix aus Kurz- und Langstrecke verfolgt die Lufthansa-Tochter Eurowings ein ähnliches Geschäftsmodell wie die Norweger - nur zu deutlich höheren Kosten. Branchenexperte Pontius äußert sich denn auch skeptisch über eine Übernahme der Norwegian durch die Lufthansa. "Die Integration eines so großen Flugbetriebs mit einer völlig anderen Unternehmenskultur wäre schon sehr schwierig. Man sieht ja derzeit, welche Schmerzen das schnelle Wachstum der Eurowings und die Integration von Brussels Airlines bereitet."

Spohr hat im Moment bei der Eurowings genug Baustellen", sagte auch Airborne-Berater Gerald Wissel. Die Norwegian sei nur in ihrer ursprünglichen Form ohne die komplexe Langstrecke interessant. "Auch den Norwegern ist der Beweis nicht gelungen, dass das Lowcost-Prinzip auf der Langstrecke funktioniert."

nb