Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen
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Der nächste Coup? Lufthansa bietet für Teile von Alitalia

Stand: 16.10.2017, 18:50 Uhr

Nach dem Zuschlag für einen Großteil der insolventen Air Berlin will sich die Lufthansa Teile der ebenfalls taumelnden Alitalia einverleiben. Der Dax-Konzern kündigte kurz vor Ablauf der Bieterfrist ein Angebot für die nationale italienische Fluglinie an.

Es sei ein Konzept für eine neu strukturierte Alitalia mit einem fokussierten Geschäftsmodell eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. "Damit hat sich die Lufthansa Group gegen die Abgabe eines Angebots für die gesamte Airline entschieden", hieß es weiter. Über Details der Offerte sei Stillschweigen vereinbart worden.

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Den Bericht der Tageszeitung "Corriere della Sera", nach dem der deutsche Branchenprimus 500 Millionen Euro für Flugzeuge samt Crews und Verkehrsrechte der Alitalia ausgeben will, kommentierte die Lufthansa nicht. Die Kranich-Airline erklärte, sie interessiere sich für Teile des weltweiten Netzverkehrs und Direktflüge innerhalb Europas. Wie "Corriere della Sera" weiter berichtete, wäre mit dem Plan der Lufthansa eine Halbierung der Belegschaft auf rund 6.000 Stellen verbunden.

Milliardenhohe Schulden  

Die derzeit mit dem Management der Airline betrauten Staatskommissare lehnten den Plan der Lufthansa ab. Die Regierung hatte erst vergangene Woche betont, Alitalia als Ganzes verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten trennen zu wollen. Am Freitag verlängerte die Regierung die Frist, bis zu der die bis Montag abzugebenden Gebote noch nachgebessert werden können, vom 5. November auf den 30. April.

Die immer wieder strauchelnde Alitalia, die so wie Air Berlin die arabische Fluggesellschaft Etihad als Großaktionär hat, wird seit dem Frühjahr mit einem öffentlichen Überbrückungskredit gestützt. Diesen stockte die Regierung am Freitag auf 900 von 600 Millionen Euro auf. Das Geld, das nach Medienberichten noch nicht angetastet werden musste, soll erst Ende September 2018 zurückgezahlt werden.

Die italienische Fluggesellschaft musste im Frühjahr in Insolvenz gehen, nachdem die Mitarbeiter sich gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Der Sanierungsplan sah den Abbau von 1.700 Jobs beim Bodenpersonal und die Kürzung der Gehälter beim Flugpersonal von acht Prozent vor. Die Lufthansa wurde schon vor Monaten als Käufer ins Spiel gebracht. Doch der Dax-Konzern lehnte es ab, die einstige Staats-Fluglinie mit ihren milliardenhohen Schulden zu übernehmen.

Neues Konzept

Nun habe die Lufthansa ein Konzept für eine neu strukturierte "NewAlitalia" vorgelegt. In der vergangenen Woche hatte sich die Lufthansa mit Air Berlin auf eine Übernahme von rund 80 der insgesamt gut 130 Flugzeuge der zweitgrößten deutschen Fluglinie geeinigt. Damit soll vor allem die Flotte der Billigtochter Eurowings von 160 auf 210 Flugzeuge ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren hatte der Kranich schon die Schweizer Swiss Air, die belgische Brussels Airlines und die österreichische Austrian Airlines unter seine Fittiche genommen. Italien ist für die Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA. Ihr Marktanteil ist hier noch gering.

rtr

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926

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