Dunkelblaue Lufthansafahnen mit weißem Kranich-Logo

Wann steigt der Staat ein? Lufthansa verliert eine Million Euro pro Stunde

Stand: 09.04.2020, 08:37 Uhr

Wie andere Airlines bereitet sich auch die Lufthansa auf einen Wiedereinstieg des Staates vor, gut 25 Jahre nach ihrer Privatisierung. Ohne Hilfe des Bundes wird es wohl nicht gehen, denn die Kassen leeren sich bedrohlich schnell.

"In Summe verlieren wir daher jede Stunde eine Million Euro unserer Liquiditätsreserve - Tag und Nacht, Woche für Woche und wohl auch noch Monat für Monat", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Airline befördert statt täglich 350.000 Fluggästen derzeit weniger als 3.000. Die Pandemie bedeute für den Konzern "die größte Herausforderung unserer Geschichte", sagte Spohr. Lufthansa befinde sich "im Kampf" um ihre künftige Aufstellung.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Lufthansa könne zwar der Krise mit finanziellen Reserven von mehr als vier Milliarden Euro gegenübertreten, allerdings verzeichne der Konzern nur noch einen "Bruchteil der Einnahmen". Deshalb sei absehbar, dass das Unternehmen die Krise nur mit staatlicher Unterstützung überstehen werde. Der Bedarf an Liquidität für das laufende Jahr wurde zuletzt auf neun bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Damit dürfte es der Lufthansa schon bald an dem nötigen Geld mangeln. Spohr zeigte sich aber optimistisch, dass die Gespräche positiv enden werden.

7.000 Mitarbeiter betroffen

Von den Maßnahmen, mit denen das Unternehmen seine Kosten senken will, sind laut Spohr 7.000 Mitarbeiter betroffen, davon 1.400 bei der Tochter Germanwings, die den Betrieb einstellt. Es liefen bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern, um so vielen Mitarbeitern wie möglich einen alternativen Job im Konzern anzubieten.

Dazu seien aber neue Beschäftigungsmodelle etwa bei Teilzeit unumgänglich. "Hier sind jetzt Solidarität und Flexibilität gefragt", sagte Spohr. Zu den Einsparungen soll auch beitragen, dass der Posten des Finanzvorstands nach dem Rücktritt von Finanzchef Ulrik Svensson, der das Gremium aus gesundheitlichen Gründen verließ, nicht wieder besetzt wird. Die Aufgaben würden unter den verbleibenden sechs Vorstandsmitgliedern neu verteilt, sagte Spohr.

Auch die Tochter AUA steht vor Staatshilfen

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Wie Lufthansa mitteilte, wird das Ressort IT, Digital und Innovation unter der Führung von Thorsten Dirks "um wesentliche Teile des Finanzressorts erweitert und in Digital und Finanzwesen umbenannt". Weitere Teile werden dem Ressort Personal und Recht unter Michael Niggemann sowie dem Ressort Customer & Corporate Responsibility von Christina Foerster zugeordnet.

Auch die österreichische Lufthansa-Tochter AUA verhandelt mit der Wiener Regierung über staatlich garantierte Kredite ebenso wie über Zuschüsse. Die rund 7.000 Mitarbeiter sind vorerst bis 20. April in Kurzarbeit, in der Woche davor will der Vorstand über einen Kurzarbeits-Verlängerungsantrag entscheiden, dann aber schon wissen, wie und mit welchen Summen die Republik unter die Arme greift.

Der Gedanke an eine Verstaatlichung gefällt den Beteiligten nicht. Parallel zu den Verhandlungen um Staatshilfe beschäftigen sich die Gremien der AUA auch mit der Möglichkeit einer Insolvenz. "Unser Ziel ist es aber, die AUA wieder flugfähig zu machen," sagte ein Firmensprecher.

Schweiz will Notkredite gewähren

Auch die Schweiz will den gebeutelten Fluggesellschaften unter die Arme greifen. Swiss, Easyjet und weitere flugnahe Betriebe, die für die Infrastruktur der Schweiz von Bedeutung sind, sollen künftig Staatshilfen beantragen können.

Einzelheiten gibt es noch nicht. So hat sich Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga bisher nicht zur Höhe der möglichen Notkredite geäußert. "Beträge kann ich nicht kommentieren." Gespräche auf verschiedenen Ebenen liefen. Es geht um Milliarden, so viel ist sicher.

Die Schweizer Regierung möchte insbesondere die drei Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel sowie die Fluggesellschaften Swiss und Easyjet Switzerland vor einem Aus retten. Unterstützung erhalten sollen aber auch weitere Betriebe, die für den Betrieb des Luftverkehrs unerlässlich sind.

lg/dpa