Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen
Audio

Kräftiger Gewinnschub Lufthansa auf Gipfelhöhe

Stand: 25.10.2017, 11:35 Uhr

Die Lufthansa fliegt nach einem erfolgreichen Sommerquartal weiter auf Rekordkurs. Für das Gesamtjahr erwartet das Dax-Unternehmen ein weiteres Rekordergebnis.

Zwischen Juni und September erwirtschaftete der Kranich-Konzern operativ 1,52 Milliarden Euro (bereinigtes Ebit, ein Zuwachs im Jahresvergleich von rund einem Drittel) und übertraf damit die Schätzungen der Analysten leicht. Umgesetzt wurden 9,8 Milliarden Euro, etwas weniger als erwartet. Im Neun-Monats-Zeitraum erhöhten sich die Erlöse um 12,1 Prozent 26,7 Milliarden Euro, das Ergebnis lag mit knapp 2,6 Milliarden Euro (ein Zuwachs von 883 Millionen Euro) deutlich über dem des Vorjahres. Höhere Ticketpreise, aber auch die Übernahme der belgischen Brussels Airlines sowie zahlreicher Air-Berlin-Jets trieben den Umsatz.

Das Nettoergebnis lag im Quartal bei knapp 1,2 Milliarden Euro und damit unter dem des Vorjahres von 1,42 Milliarden Euro. Allerdings erwartet der Dax-Konzern im Schlussquartal einen hohen Sondergewinn aus der Tarifeinigung mit den Piloten, so dass das Gesamtjahresergebnis über dem des Vorjahres von 1,8 Milliarden Euro erwartet wird. Diese Größe hat das Unternehmen mit 1,85 Milliarden Euro bereits nach neun Monaten erreicht.

Eurowings- und Lufthansa-Maschine

Eurowings- und Lufthansa-Maschine. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

In allen wichtigen Verkehrsgebieten lagen die Auslastung und die Durchschnittserlöse über dem Vorjahr, erklärte das Unternehmen. Finanzchef Ulrik Svensson erwartet zudem, dass die Billigtochter Eurowings bereits im laufenden Jahr profitabel werde. "Das ist ein Jahr früher als geplant", so der Manager.

Auch im Frachtgeschäft setzte sich die zuletzt positive Entwicklung fort. Lufthansa Cargo wies nach neun Monaten ein bereinigtes Ebit von 98 Millionen aus nach einem Verlust von 69 Millionen Euro im Vorjahr. Unter anderem wegen Restrukturierungskosten ging das Ergebnis der Service-Tochter LSG um 14 auf 66 Millionen Euro zurück. Lufthansa Technik wies wegen etwas höherer Kosten ein im Jahresvergleich ebenfalls geringeres Ergebnis von 333 nach 366 Millionen Euro aus.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Wir haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres erneut ein Rekordergebnis erzielt. Dadurch erlangen wir die Investitions- und Wachstumsfähigkeit, die wir benötigen, um uns aktiv an der Konsolidierung des europäischen Airlinemarktes zu beteiligen und in die Zukunft unseres Unternehmens investieren zu können", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Ausblick

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
Audio

Börse 13.00 Uhr Lufthansa ködert Anleger mit Dividenden-Aussicht

Im Ausblick bleibt Spohr trotz des guten Geschäftsverlaufs weiterhin vage. Er bestätigte das bisherige Ziel, das operative Vorjahresergebnis von 1,75 Milliarden Euro übertreffen zu wollen. Im laufenden vierten Quartal sprach er von einer guten Buchungslage, zudem rechnet er mit einer leicht positiven Entwicklung bei den währungsbereinigten Stückkosten bei einem Kapazitätswachstum von 5,5 Prozent. "Die Modernisierung der Lufthansa Group kommt gut voran. Die guten Zahlen zeigen, dass wir in allen Geschäftsfeldern unsere strategischen Initiativen mit Erfolg umsetzen."

Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin auf einem Rollfeld

Lufthansa und Air Berlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hinsichtlich der Übernahme von Air-Berlin-Teilen erklärte der Lufthansa-Chef, dass der Kranich drei Viertel der Air-Berlin-Passagiere übernehmen könnte. Den Großteil der übernommenen Maschinen des insolventen Konkurrenten sollen gekauft werden. Zudem bestätige er das Interesse an der Schaffung einer neuen Alitalia. Allerdings ist an der italienischen Fluglinie auch der Finanzinvestor Cerberus interessiert, wie die "FT" berichtet. Auch der britische Billigflieger Easyjet gehört zu den zahlreichen Bietern.

Aktie auf dem Vormarsch

Europäischer Kommission (Berlaymont-Gebäude) in Brüssel.

EU Brüssel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Lufthansa ist derzeit die erfolgreichste Dax-Aktie. Auf Zwölf-Monats-Sicht hat sich das Papier mehr als verdoppelt. Die Neuordnung des europäischen Luftfahrtmarktes, besonders nach der Pleite von Air Berlin, sorgt an der Börse für Fantasie. Marktführer Lufthansa gilt als Gewinner dieses Konsolidierungsprozesses, auch wenn kartellrechtliche Fragen nach der Übernahme von Teilen der Air Berlin noch offen sind.

Es deutet sich aber bereits an, dass die Lufthansa aus Wettbewerbsgründen Streckenrechte wird abgeben müssen. "Auf einigen Strecken gibt es jetzt einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Monopole hätten in der Regel höhere Preise und schlechteren Service zur Folge. "Das zu verhindern, ist unsere Aufgabe", so Vestager.

Nach schwachem Start drehte die Lufthansa-Aktie am Vormittag ins Plus und markierte mit Kursen über 26,30 Euro neue Jahreshöchststände.

rm

1/14

Die Geschichte der Lufthansa in Bildern Galerie

Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926

Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
In den 20er Jahren war das Fliegen nicht immer besonders bequem, aber dafür recht exklusiv. Nur besonders Vermögende konnten es sich leisten, mit dem Flugzeug zu reisen.