Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Kommt jetzt Staatshilfe? Lufthansa: Die Anleger sind in Sorge

Stand: 24.04.2020, 09:12 Uhr

Die negativen Reaktionen auf die frischen Quartalsahlen der Lufthansa reißen nicht ab. Ohne Staatshilfe scheint es nicht mehr zu gehen, die Aktie gerät weiter unter Druck. Und der Ryanair-Boss Michael O'Leary schießt scharf gegen die Konkurrenz.

In einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" sagte O'Leary recht unverblümt seine Meinung zum Thema Fluglinien und Staatshilfen. "Wir sind nicht der Meinung, dass irgendeine Fluggesellschaft staatliche Unterstützung bekommen sollte." Es leuchte ihm nicht ein, warum eine Airline noch Staatshilfen benötige, wenn man Kurzarbeit nutzen könne.

"Ich denke, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France die Covid-Krise nutzen, um sich mit unglaublich hohen Summen vom Staat zu bereichern", so der Manager. Zugleich schloss O'Leary aus, Staatshilfe zu beantragen. Man habe genug Geld für die Krise. Zugleich kündigte O'Leary Stellenstreichungen an: "Ich denke, ein Stellenabbau im Winter von zehn bis 20 Prozent ist fast unvermeidlich." Die Löhne hatte O'Leary bereits um 50 Prozent gekürzt.

Michael O'Leary

Michael O'Leary. | Bildquelle: Imago

Hoher Kapitalbedarf bei der Lufthansa

Gestern hatte der Konkurrent Lufthansa überraschend Quartalszahlen präsentiert. Demnach kann sich die Fluglinie wohl nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Diese Einschätzung veröffentlichte der Dax-Konzern, nachdem er für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet hatte. Für das laufende zweite Quartal werde ein noch deutlich höheres Minus erwartet. Es sei momentan nicht absehbar, wann der Flugbetrieb wieder ausgeweitet werden könne.

Aktuell verfüge Lufthansa nach erneuten Kreditaufnahmen insgesamt über 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel, die allerdings in den "nächsten Wochen" deutlich zurückgehen werden, hieß es weiter. "Der Konzern rechnet nicht damit, den entstehenden Kapitalbedarf mit weiteren Mittelaufnahmen am Markt decken zu können."

Hilfspaket über zehn Milliarden Euro?

Unterdessen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Lufthansa Anfang nächster Woche ein staatliches Hilfspaket von bis zu zehn Milliarden Euro schnüren wolle. Dann dürfte auch klar sein, wie die Aufteilung zwischen Eigenkapital und Krediten aussieht, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen.

Den Insidern zufolge geht es dabei um Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes, aus staatlich besicherten KfW-Krediten und von den Regierungen Österreichs, Belgiens und der Schweiz. Die Lufthansa, die staatliche Förderbank KfW und die Bundesregierung kommentierten das bislang nicht.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa-Boss Carsten Spohr: Bereichern mit Staatshilfe?. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Die genauen Anteile der einzelnen Finanztöpfe sind aber noch im Fluss", zitierte Reuters einen Eingeweihten. An anderer Stelle hieß es, generell könne man auch erwarten, dass die Altaktionäre bluten müssten, etwa durch Verwässerung ihrer Aktienpakete. Denn politisch sei es nicht durchsetzbar, Lufthansa nur Kredite zu geben, ohne am Eigenkapital beteiligt zu sein. "Staatshilfe muss bitter schmecken."

Analysten reagieren - sehr unterschiedlich

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung der Lufthansa-Aktie auf "Outperform" mit einem Kursziel von 13,60 Euro belassen. Angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Krise sei der Quartalsbericht schlecht, aber nicht überraschend gewesen, schrieb Analyst Daniel Roeska. Interessanter sei gewesen, dass die Fluggesellschaft mitgeteilt habe, dass sie einen herben Liquiditätsschwund erwarte und sich daraus nicht aus eigener Kraft retten könne.

Die französische Großbank Société Générale senkt das Kursziel drastisch von 11,00 auf 3,00 Euro und rät, die Aktie zu verkaufen. Auch die Experten von Goldman Sachs raten zum Verkauf. Viele Anleger folgen der Empfehlung, die Aktie bewegt sich weiter in Richtung ihres Rekordtiefs vom März 2003 bei 6,80 Euro.

ts/rtr/dpa