Auf der Landebahn Nordwest geparkte Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Einigung auf Rettungspaket Lufthansa-Aktie stark gefragt

Stand: 25.05.2020, 17:39 Uhr

Der Poker um die Lufthansa-Rettung scheint vorbei. Die Bundesregierung und der Vorstand der Kranich-Airline haben sich geeinigt. Die Aktie hatte schon im Vorfeld zugelegt. Unklar ist aber, wie Brüssel reagiert.

Seit Wochen hatten Bund und Lufthansa schon verhandelt. Dabei wurde die Zeit von Tag zu Tag knapper, auch wenn inzwischen wieder mehr Maschinen starten als noch im April. Laut früheren Berichten verliert die Lufthansa stündlich rund eine Million Euro.

Nachdem eine Einigung am Mittwochabend wegen einer Airbus-Order offenbar gescheitert war, ist nun der Durchbruch endlich gelungen. Am Nachmittag billigte der Lenkungsausschuss des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) das vorliegende Konzept.

Aufsichtsrat muss noch zustimmen

Nun steht noch das offizielle Ja des Aufsichtsrats der Lufthansa aus, der am Dienstag zusammentritt. Die letzte Hürde ist die EU-Kommission, die bei Staatshilfen prüft, ob es dadurch zu Verzerrungen des Wettbewerbs in Europa kommt.

Aktien und Anleihen der Lufthansa reagierten mit Kursanstiegen auf die Nachrichten. Die Lufthansa-Aktie gewann zum Schluss des Xetra-Handel 7,5 Prozent. Mit 8,64 Euro notiert der Dax-Titel nun wieder in etwa auf dem Niveau von Ende April. Die Airline-Aktie profitierte zudem von der verbesserten Stimmung in der Reisebranche. Tui-Chef Fritz Joussen machte in der "Rheinischen Post" Hoffnung auf ein anziehendes Sommergeschäft. "Ab Ende Juni wollen wir pünktlich zu den Sommerferien wieder fliegen", sagte der Tui-Chef. Mallorca soll demnach schon bald angesteuert werden, Österreich, Griechenland, Zypern, Kroatien und Bulgarien seien ebenfalls sehr gut vorbereitet.

Bund soll sich mit 20 Prozent beteiligen

Am Gesamtvolumen von neun Milliarden Euro, das die Lufthansa schon in der vergangenen Woche bestätigt hatte, hat sich nichts mehr geändert. Demnach soll der Staat für rund 300 Millionen Euro 20 Prozent an der Lufthansa übernehmen. Der Löwenanteil der Hilfen besteht aus einer stillen Einlage in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Hinzu kommt eine
Wandelanleihe von fünf Prozent plus eine Aktie. Die Anleihe soll nur in Aktien umgetauscht werden, wenn ein Dritter versuchen sollte, die Lufthansa zu übernehmen.

Die Lufthansa muss zunächst vier Prozent Zinsen darauf zahlen, später steigt die Verzinsung auf bis zu 9,5 Prozent. Die Staatsbank KfW steuert einen Kredit über drei Milliarden Euro bei. Der Bund soll zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat der Fluggesellschaft besetzen können - nicht mit Politikern, sondern mit Wirtschaftsvertretern.

Hoher Stellenwert für die Umwelt

Der Bund stellt für seinen Einstieg Bedingungen unter anderem zum Umweltschutz. Die Lufthansa verpflichtet sich nach Angaben des Finanzministeriums zur Erneuerung ihrer Flotte, um Emissionen zu reduzieren. In das operative Geschäft der Airline will sich der Bund nicht einmischen, aber Übernahmen aus dem Ausland verhindern. Durch die geforderten Investitionen in neue, effizientere Flugzeuge soll die Klimabilanz der Lufthansa verbessert werden.

Außerdem muss die Airline ihre Kooperationen für umweltfreundlichere Flugzeugkraftstoffe ausweiten. Bedingungen für die Staatshilfe sind zudem, dass kein Staatsgeld in Steueroasen abfließen darf und Vorstandsmitglieder bis Ende September auf ein Fünftel ihrer Grundvergütung verzichten. Während der Stabilisierungsmaßnahmen dürfen keine Boni und Dividenden ausgezahlt werden.

Airbus-Paket weichgeklopft?

Offenbar wurde ein Hindernis aus dem Weg geräumt. Die Bundesregierung pocht nun wohl nicht mehr vollständig darauf, dass die Lufthansa alle Flugzeuge abnehmen soll, die sie beim europäischen Flugzeugbauer Airbus bestellt habe. Dies hätte für den Konzern eine enorme finanzielle Belastung dargestellt. Das Volumen der Order beläuft sich laut "Handelsblatt" auf fünf Milliarden Euro. Damit wäre ein Großteil der Milliardenhilfen schon verplant gewesen.

Was sagt die EU?

Sollte der Aufsichtsrat der Lufthansa das Konzept billigen, steht noch das grüne Licht aus Brüssel aus. Wie das "Handelsblatt" am Montag berichtete, plant die EU-Kommission hohe Auflagen. Sie will der Lufthansa wertvolle Start- und Landerechte an den Hauptstandorten Frankfurt und München nehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfte sich nach einem Zeitungsbericht gegen mögliche Pläne der EU-Kommission stellen. Merkel habe gesagt, sie wolle sich von der EU-Kommission nicht "zu sehr" hereinreden lassen. Die Kanzlerin soll demnach gesagt haben: "Das wird ein harter Kampf."

Ein kleiner Gewinn

Der Bund will nach der Corona-Krise erst dann wieder bei der Lufthansa aussteigen, wenn es sich wirtschaftlich lohnt. Ziel sei mindestens ein kleiner Gewinn, der dem Staat auch helfen solle, die Corona-Hilfsmaßnahmen zu refinanzieren. "Wenn das Unternehmen wieder flott ist, dann wird der Staat seine Anteile veräußern", kündigte Finanzminister Scholz an. Ob sich die Lufthansa-Aktie nach dem Einstieg des Bundes wieder dauerhaft erholt, muss sich aber erst weisen. Kritiker einer Staatsbeteiligung verweisen häufig auf das Schicksal der Commerzbank.

nb/la/dpa