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Ende der Hängepartie in Sicht Merkel: Entscheidung über Lufthansa-Hilfen in Kürze

Stand: 20.05.2020, 19:04 Uhr

Schon seit Wochen wird über den Einstieg des Bundes bei der wegen der Corona-Krise schwer angeschlagenen Lufthansa verhandelt. Jetzt deutet sich eine Entscheidung an.

Denn Bundeskanzlerin Merkel erklärte am Abend, die Regierung und der Dax-Konzern stünden kurz vor einer Einigung. "Die Bundesregierung ist in intensiven Gespräche mit dem Unternehmen und der EU-Kommission", fügte sie hinzu. Sie könne aus laufenden Gesprächen aber keine Details berichten.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,64
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+7,49%

Zuvor hatte bereits der "Spiegel" über die bevorstehende Einigung berichtet. Die Einigung soll danach vorsehen, dass der Bund sich mit 25 Prozent plus einer Aktie an der wirtschaftlich schwer angeschlagenen Airline beteiligt und ihr darüber hinaus weiteres Kapital bereitstellt, hieß es in dem Bericht ohne Angabe von Quellen. Zwei Aufsichtsratsposten sollen demnach von der Bundesregierung besetzt werden. Insgesamt dürfte sich die Beteiligung auf neun Milliarden Euro addieren, wie der Dax-Konzern kürzlich schon selbst erklärt hatte.

Lufthansa-Aktien legten nachbörslich zu. Während der Xetra-Handelszeit hatte das Papier 1,3 Prozent verloren auf 7,92 Euro.

Es ist eilig

Der Vorstand der Fluggesellschaft um Firmenchef Spohr hofft auf eine baldige Lösung. Die staatliche Unterstützung werde immer dringlicher, hieß es in einer Information des Managements an die Beschäftigten, die Reuters am Dienstag vorlag.

Carsten Spohr, Vorstand Deutsche Lufthansa

Carsten Spohr, Vorstand Deutsche Lufthansa. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Seit Wochen wird in der Bundesregierung über ein Paket aus Krediten und Beteiligungen an der Lufthansa im Volumen von neun Milliarden Euro verhandelt. In der Regierung ist umstritten, ob der Staat mit einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie bei der Lufthansa einsteigen soll. Wegen des Corona-Schocks hatte die Lufthansa 700 ihrer insgesamt etwa 760 Flugzeuge auf dem Boden lassen müssen. Davon sollen 100 Flugzeuge ganz stillgelegt oder abgeschafft werden.

Dax-Abstieg droht

Die Anleger mussten heute zudem einige schlechte Nachrichten zur Lufthansa verkraften. Bei der außerordentlichen Überprüfung der Index-Zusammensetzung durch die Deutsche Börse Anfang Juni werde die Fluggesellschaft im Rahmen der "Fast Exit"-Regel in den Nebenwerte-Index MDax rutschen, prognostizieren die Experten der Commerzbank.

Und als ob das nicht genug wäre, senkte die Ratingagentur S&P am Nachmittag ihre Bonitätseinschätzung in den "Non-Investmentgrade-Bereich" - in der Umgangssprache der Börse auch "Ramsch-Bereich" genannt. Zuvor hatte das Unternehmen noch mitgeteilt, dass durch die beschlossene Schließung des Berliner Flughafens Tegel weitere Kosten entstehen würden.

rm/rtr/dpa