London Stock Exchange
Audio

"Fundamentale Schwachstellen" LSE lehnt Angebot der Börse Hongkong ab

Stand: 13.09.2019, 15:12 Uhr

Aus dem "weltweit führenden Börsenbetreiber" wird erst einmal nichts. Die Londoner Börse hat wenig überraschend die Übernahmeofferte des Betreibers der Börse in Hongkong HKEX zurückgewiesen - aus mehreren Gründen.

Der Vorstand habe grundlegende Bedenken in Bezug auf verschiedene Schlüsselaspekte des Angebots und es deswegen einstimmig abgelehnt, teilte die London Stock Exchange (LSE) am Freitag in einer Pflichtmitteilung mit. Weil es fundamentale Schwachstellen gebe, erkenne man darüber hinaus keine Vorteile in einem Engagement. Die LSE sehe daher keinen Sinn in weiteren Gesprächen.

Die gebotene Summe sei deutlich zu niedrig. Zudem erhöhe die aktuelle Situation in Hongkong die Unsicherheit für die Aktionäre. Die LSE spielte damit auf die seit Monaten andauernden Proteste in der früheren britischen Kronkolonie an. Die LSE-Aktien kletterten nach der Zurückweisung zeitweise um mehr als drei Prozent.

Proteste am Flughafen Hongkong

Proteste am Flughafen Hongkong. | Bildquelle: picture alliance / dpa / Vincent Thian / AP

"Keine große Überraschung"

Die HKEX hatte der Londoner Börse am Mittwoch ein Angebot im Gesamtvolumen von 31,6 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 35 Milliarden Euro) vorgelegt. Die Offerte aus Hongkong sollte aber nur zum Tragen kommen, wenn die LSE auf die 24 Milliarden Euro teure Übernahme des Datenanbieters Refinitiv verzichtet. Diese wurde allerdings im Sommer in großer Einigkeit beschlossen und von den Aktionären gefeiert. Analysten und Anleger waren deshalb bereits vor der offiziellen Ablehnung der LSE skeptisch, was die Chancen der Asiaten angeht.

Auch für Neil Wilson, Analyst bei Markets.com, ist die Absage "keine große Überraschung". Es gebe vier Hauptgründe für die Ablehnung: Neben der Fokussierung auf Refinitiv, einer drohenden Abhängigkeit und regulatorischen Bedenken sei Hongkong darüber hinaus langfristig nicht die beste Positionierung in Asien. Laut Wilson sei nun die Frage, "ob die Amerikaner mit einem Gegenangebot hereinkommen".

Deal wäre ein Rückschritt

Die HKEX hatte der LSE eine Übernahmeofferte aus einem Bar- und einem Aktienanteil in Aussicht gestellt. Eine Fusion würde nicht nur einen weltweit führenden Finanzmarktkonzern entstehen lassen, sondern auch beide Geschäfte stärken, hatten die Hongkonger erklärt. Eine Übernahme würde die Londoner Börse für asiatische Märkte öffnen und die Rolle der britischen Hauptstadt als Finanzzentrum unterstreichen.

Die Londoner Börse erklärte, sie treibe den Kauf von Refinitiv voran. Sie halte an der Strategie fest, in das Datengeschäft zu expandieren statt einen "Rückschritt" zu machen und durch einem Zusammenschluss mit der Hongkonger Börse ihr Handelsgeschäft auszubauen. Zudem sehen die Briten unüberwindbare regulatorische Hürden. Die Behörden in Großbritannien, den USA und Italien - wo die LSE die Mailänder Börse betreibt - würden einen Kauf durch die HKEX untersagen.

Refinitiv-Übernahme steht bevor

Mit dem Datendienstleister, an dem auch die Deutsche Börse interessiert war, wollen die Londoner unabhängiger vom schwankungsanfälligen Handelsgeschäft werden. Der Deal zwischen den bisherigen Refinitiv-Eignern Blackstone und Thomson Reuters sowie der LSE wird derzeit von den Kartellbehörden und Finanzaufsehern in den USA, der Europäischen Union und anderen Ländern geprüft.

Refinitiv ist die ehemalige Finanzmarktsparte von Thomson Reuters, dem Mutterkonzern der Nachrichtenagentur Reuters. Sie wurde erst 2018 mehrheitlich von Blackstone übernommen. Das Unternehmen bietet unter anderem Börsenkurse und Konjunkturdaten sowie Informationen zu Fusionen und Übernahmen.

tb/rtr