Tipp24-Screenshot

Lottoland greift nach Tipp24 Übernahmeschlacht in der Glückspielwelt

Stand: 11.01.2019, 12:06 Uhr

Streit im Lottogeschäft: Der Anbieter Lottoland will den deutschen Rivalen Tipp24 kaufen. Damit würde er die Pläne von dessen Eigentümer Zeal Network durchkreuzen. Nun warnt Zeal seine Aktionäre vor der riskanten Wette.

Eigentlich will Zeal das Geschäft von Tipp24 einstellen und künftig nur noch als Online-Verkäufer von Lottoscheinen auftreten. Dafür möchte das Londoner Unternehmen seine frühere deutsche Tochterfirma Lotto24 übernehmen, die dieses Geschäft betreibt.

Dieses Vorhaben will Lottoland jedoch in letzter Minute verhindern. Das in Gibraltar ansässige Unternehmen machte seinen Vorschlag am Freitag in einem Brief an den Zeal-Vorstand öffentlich, nachdem dieser die Lottoland-Chefs nach deren Angaben hatte abblitzen lassen.

Für Tipp24 stellte der Konzern einen Kaufpreis von 60 bis 76 Millionen Euro in Aussicht. Das sei für die Aktionäre von Zeal attraktiver als die Übernahme von Lotto24. Das Angebot hat Ziel am Freitag offiziell bestätigt. In die Bücher schauen lässt Zeal den Rivalen allerdings bisher nicht.

Die Papiere von Lotto24 stiegen am Mittag um fast sieben Prozent. Auch Tipp24-Titel sowie die Aktien von Zeal kletterten zeitweise nach oben.

Streit um Vertagung der Aktionärsversammlung

Zur Lottoannahmestelle laufen, Gewinnzahlen vergleichen, Spielschein verlieren - alles Vergangenheit. Lottoland ist wie Tipp24 Anbieter sogenannter Zweitlotterien. Das sind Wetten auf die Gewinnzahlen traditioneller Lotterien. Tippt ein Spieler etwa auf der Internetseite von Lottoland die Zahlen des deutschen Klassikers 6 aus 49, verspricht das Unternehmen genau den gleichen Gewinn.

Die Veranstalter agieren rechtlich auch in Deutschland seit Jahren in einem Graubereich, weil die staatlichen Lotterien eigentlich ein Monopol besitzen. Ausländische Online-Lotterien schädigen außerdem laut dem rheinland-pfälzischen Lottochef Jürgen Häfner in Deutschland das Gemeinwohl, "da keine Steuern und Abgaben gezahlt werden".

Lotto24.

Deshalb will sich Zeal aus diesem lukrativen, aber risikoreichen Geschäft zurückziehen. Der Hamburger Konkurrent Lotto24 ist zugelassener Vermittler von Spielscheinen von Kunden an die Lottogesellschaften und kassiert dafür Provisionen.

Eine Hauptversammlung soll am kommenden Freitag die für die Übernahme notwendigen Beschlüsse fassen. Lottoland hat sich allerdings mit 4,01 Prozent bei Zeal eingekauft und fordert eine Verschiebung des Aktionärstreffens oder ein Nein zu den Beschlüssen. Auch andere Großaktionäre haben Bedenken geäußert.

Lotto24-Übernahme könnte scheitern

Helmut Becker, CEO Zeal

Helmut Becker, Zeal. | Bildquelle: Unternehmen

In einer Stellungnahme warnt Zeal seine Inhaber: "Falls die Aktionäre auf der Hauptversammlung einer solchen Vertagung wie vorgeschlagen zustimmen würden, würde diese aufgrund der Maßgaben des deutschen Übernahmerechts zum Scheitern der angekündigten Übernahme von Lotto24 und zu einer Sperrfrist für ein mögliches neues Übernahmeangebot von 12 Monaten führen."

Die Glücksspiel-Aktionäre erwartet also eine riskante Wette. "Unser Vorschlag zur Wiedervereinigung von Zeal und Lotto24 hat die überzeugendste strategische Logik, bietet die beste Gelegenheit für nachhaltiges Wachstum und schafft den größten Wert für die Zeal-Aktionäre", betont Zeal-Chef Helmut Becker.

tb