London Stock Exchange
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Notfallplan aktiviert Londoner Börse wappnet sich für harten Brexit

Stand: 02.08.2018, 12:29 Uhr

Immer mehr Unternehmen fürchten ein Brexit-Chaos. Nach Airbus und Rolls-Royce rüstet sich nun auch die Londoner Börse mit einem Notfallplan für einen ungeordneten Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Noch vor eineinhalb Jahren wollten sich die Börsen in Frankfurt und London zusammenschließen. Der Deal platzte - auch wegen des Brexit-Votums der Briten. Nun sieht sich die London Stock Exchange (LSE), die die Börse in der britischen Hauptstadt betreibt, als großen Verlierer, sollte es zu einem harten ungeregelten Brexit kommen.

Tochtergesellschaften in der EU geplant

Da der Ausstieg Großbritanniens aus der EU immer näher rückt, haben die Londoner Börsenbetreiber nun Notfallpläne aktiviert, um sich vor den Folgen eines harten Brexit zu schützen. Das Unternehmen kündigte am Donnerstag an, neue Tochtergesellschaften in der EU zu gründen und zusätzliche Lizenzen zu beantragen.

Ein harter Brexit könne das Geschäft, die Ergebnisse, die Refinanzierungsbedingungen und andere Bereiche "negativ beeinflussen", warnte der neue Börsenchef David Schwimmer die Investoren. Die größte Gefahr für London dürfte die Verlagerung des Clearing-Geschäfts in die EU sein. Bisher hat die LSE-Tochter LCH Clearnet eine Vormachtstellung beim Clearing von Euro-Derivaten, die Marktanteile schrumpfen jedoch. Größter Rivale ist die Deutsche Börse. Über ihre Tochter Eurex kommt sie auf einen Marktanteil von rund acht Prozent.

Wandert ein Teil des Euro-Clearings nach Frankfurt ab?

Erst Anfang der Woche hatte die Deutsche Bank erklärt, dass sie das Neugeschäft künftig auch über die Systeme der Frankfurter Derivatebörse Eurex abwickeln wird. In Frankfurt hoffen nun viele auf einen Sogeffekt.

Mitte Mai hatte das Europa-Parlament beschlossen, dass Clearing-Häuser für Euro-Geschäfte nach dem EU-Ausstieg Großbritanniens nicht unbedingt in einen anderen EU-Staat umziehen müssen. Eine Hintertür ließen die Vertreter allerdings offen: Falls die Aufsichtsbehörde in einem Nicht-Mitgliedsland - also die Bank of England - nicht ausreichend mit den EU-Überwachern zusammenarbeite, könnte das Clearing für EU-Kunden zwangsweise doch in die Union verlagert werden.

In London hängen Tausende Jobs vom Euro-Clearinggeschäft ab. Branchenverbände warnen, dass eine Zersplitterung des Euro-Clearing hohe Kosten für die Kunden verursachen würde und die Banken mehrere Milliarden Euro für zusätzliche Sicherheiten beiseitelegen müssten.

Auch Rolls-Royce und Airbus fürchten harten Brexit

Neben der Londoner Börse fürchten auch andere auf der Insel aktive Konzerne, dass bis zu dem für Ende März 2019 geplanten Abschied der Briten aus der EU kein Vertrag über die künftigen Handelsbeziehungen mit der Union erzielt wird. So hat Rolls-Royce schon im April einen Notfallplan erstellt, mit dem Unterbrechungen bei der Motorenauslieferung vermieden werden sollen. Der Plan sieht unter anderem vor, einen Teil der Entwicklung nach Deutschland zu verlagern. Auch Airbus warnte kürzlich, dass im Falle eines harten Brexit die eigene Produktion im Königreich zum Erliegen kommen könnte, und drohte mit einem Rückzug aus Großbritannien. Airbus baut auf der Insel die Flügel für seine Passagiermaschinen.

nb