Linde Group-Logo an der Münchener Zentrale
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Vor der Fusion mit Praxair Linde zeigt sich von seiner besten Seite

Stand: 08.03.2018, 09:01 Uhr

Linde hat im vergangenen Jahr gezeigt, wie man trotz stagnierender Erlöse mehr Geld verdienen kann. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Sorgenfalten bereiten derweil die Fusionspläne mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair.

So gelten die Kartellbehörden in den USA und Brasilien als größte Hürden vor der Fusion. Linde und Praxair wollen insgesamt maximal 3,7 Milliarden Euro Umsatz abgeben - also Beteiligungen und Tochterunternehmen verkaufen - damit der Zusammenschluss grünes Licht erhält. Im zunehmend protektionistischen Amerika könnte sich ein transatlantisches Bündnis im Gasegeschäft eventuell als Bürde erweisen.

Die Prognosen für das laufende Jahr könnten deshalb schnell Makulatur sein, befürchten Experten. Ohne die beabsichtigten Verkäufe soll der Umsatz von Linde 2018 auf vergleichbarer Basis und ohne Wechselkurseffekte um bis zu vier Prozent steigen. Dabei werde der Umsatz aber durch die neuen Bilanzierungsregeln (IFRS 15) um 400 Millionen Euro dezimiert.

Bisher sieht sich Linde bei der Fusion mit Praxair auf Kurs. Dabei hat die EU die Prüfung des Zusammenschlusses kürzlich bis zum 18. Juli verlängert. Sie verlangt Zugeständnisse von den Fusionspartnern, um deren Marktmacht nicht zu groß werden zu lassen. Die Münchner sind bereit, Unternehmensteile abzugeben. "Linde befindet sich in konstruktiven Gesprächen mit den entsprechenden Behörden und parallel mit potenziellen Käufern", heißt es in einer Mitteilung. Die Fusion soll im zweiten Halbjahr unter Dach und Fach sein.

Ziele erreicht

Im Juni letzten Jahres hatten beide Unternehmen den Zusammenschluss zum größten Industriegasekonzern der Welt besiegelt. Als neuer Weltmarktführer für Industriegase mit 66 Milliarden Euro Börsenwert, 80.000 Mitarbeitern und 27 Milliarden Euro Umsatz erhofft sich der künftig von Praxair-Chef Steve Angel in den USA geführte neue Konzern Synergien von mehr als einer Milliarde Euro. Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten.

Im vergangenen Jahr hat Linde seine selbst gesteckten Erwartungen erfüllt. Das Ebit lag im vergangenen Jahr mit 4,21 Milliarden Euro - um Wechselkurseffekte bereinigt - um vier Prozent über dem Vorjahr, wie die Nummer zwei auf dem Weltmarkt am Morgen mitteilte.

Aktionäre bekommen mehr Geld

Der Dax-Konzern traf damit fast punktgenau die Prognosen von Analysten, Linde selbst hatte ein Wachstum von bis zu sieben Prozent in Aussicht gestellt. Der Umsatz kletterte 2017 allerdings nur um zwei Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Hier bekam das Unternehmen den Preisdruck im US-Gesundheitswesen zu spüren. Beim Nettogewinn profitierte Linde mit 250 Millionen Euro von der US-Steuerreform. Das trieb das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft um 16 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro nach oben.

Die Aktionäre können sich auf eine Dividende in Höhe von 7,00 Euro je Aktie freuen. Die vorgeschlagene Ausschüttung setzt sich zusammen aus einer Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2017 in Höhe von 3,90 Euro (Vorjahr 3,70 Euro) sowie aus einer anteiligen Ausschüttung für drei Quartale der für das Geschäftsjahr 2018 erwarteten Dividende in Höhe von 3,10 Euro.

Auch in diesem Jahr will das Unternehmen mehr verdienen. Das um Währungseffekte bereinigte operative Ergebnis soll um bis zu fünf Prozent höher ausfallen als 2017. Rund 150 Millionen Euro, die die Vorbereitung der Fusion in diesem Jahr kosten wird, sind dabei nicht eingerechnet.

lg