Linde Praxair
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Fusion auf der Zielgeraden? Linde und Praxair machen sich schlank

Stand: 19.09.2018, 14:15 Uhr

Aktien des Industriegase-Konzerns legen im Dax am Mittwochnachmittag sprunghaft zu. Die Fusion der Münchener mit dem US-Konzern Praxair wird nun immer wahrscheinlicher. Weitere Geschäftsbereiche der Unternehmen werden offenbar verkauft, damit werden Hürden für die Hochzeit ausgeräumt.

Papiere von Linde machen nach der Pendelbewegung der vergangenen Wochen am Mittwoch deutlich Boden gut und scheinen damit an die Jahreshöchstkurse vom Juli 2018 mit mehr als 210 Euro herankommen zu wollen. Laut Charttechnikern ist nun die Kurslücke (Gap) von Anfang August geschlossen. Das Hü und Hott der Nachrichten zur geplanten Milliardenfusion mit dem US-Konkurrenten zum weltgrößten Industriegase-Konzern hatte Anleger zuletzt zwischen Hoffen und Bangen gelassen. Am Mittwoch kletterten auch Praxair-Titel bereits im vorbörslichen US-Handel.

Weitere Zugeständnisse

Nun scheint der Markt ein Gelingen des Deals immer mehr zu unterstellen. Linde und Praxair kommen in den USA offenbar einer Genehmigung ihrer milliardenschweren Fusion durch die Regulierungsbehörden näher. Ein Konsortium aus dem deutschen Industriegasehersteller Messer und dem Finanzinvestor CVC Capital Partners stehe vor der Übernahme weiterer Geschäfte, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Kreise. Sie hätten einen Wert von rund 200 Millionen Dollar (etwa 171 Millionen Euro). Damit versuchen die Unternehmen, die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen.

Diese hatten die Verkäufe von bestimmten Geschäftsteilen gefordert, um eine marktbeherrschende Stellung des gemeinsamen Unternehmens auszuschließen. In den USA hatte die Wettbewerbsbehörde zuletzt einen Verkauf "überlappender" Geschäftsbereiche in den USA als Voraussetzung für eine Genehmigung genannt, eine Entscheidung darüber war jedoch noch nicht bekannt geworden.

"Schmerzgrenze" scheint verschoben

Ende August hatte es von Seiten der beteiligten Unternehmen noch geheißen, das Ausmaß der geforderten Verkäufe könne die selbstgesteckte "Schmerzgrenze" der Unternehmen überschreiten. Diese Grenze liegt bei 3,7 Milliarden Euro beim Umsatz und 1,1 Milliarden beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). In "konstruktiven Gesprächen miteinander" wollten die Firmen beraten, ob sie zu weitergehenden Verkäufen bereit seien. Das scheint nun der Fall zu sein.

Das Zeitfenster für den Deal schließt sich in absehbarer Zeit. Laut Wertpapiergesetz muss die Fusion spätestens am 24. Oktober abgeschlossen sein. Linde und Praxair wollen sich zum größten Industriegasehersteller der Welt zusammenschließen. Mit 80.000 Mitarbeitern und rund 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würden sie ein Viertel des Weltmarkts beherrschen.

AB