Aufsichtsratsvorsitzender der Linde AG Wolfgang Reitzle

Unter Auflagen genehmigt Linde/Praxair: EU gibt grünes Licht

Stand: 20.08.2018, 16:28 Uhr

Die EU-Kommission hat den geplanten Zusammenschluss zwischen Linde und Praxair genehmigt. Eigentlich war die Entscheidung erst für Ende der Woche erwartet worden. Die Zustimmung der US-Behörde FTC steht aber noch aus.

Die EU-Kommission gab den Zusammenschluss am Montag unter Auflagen frei. "Mit dem Beschluss stellen wir sicher, dass der Zusammenschluss von Praxair und Linde keine weitere Konzentration in Europa bewirkt und dass die Kunden auf den einschlägigen Märkten weiterhin von den Vorteilen des Wettbewerbs profitieren können", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Andernfalls hätten Preiserhöhungen gedroht.

Praxair muss deshalb sein gesamtes Europa-Geschäft verkaufen. Einen Großteil davon soll früheren Angaben zufolge für insgesamt fünf Milliarden Euro an die japanische Taiyo Nippon Sanso gehen. Linde und Praxair dominieren neben der französischen Air Liquide und Air Products aus den USA den Weltmarkt für Industrie- und Medizingase. Als entscheidende Hürde für die Fusion gilt aber die Zustimmung der US-Behörde FTC.

Vor allem Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle gilt als treibende Kraft hinter der Fusion, die bei Betriebsräten und Gewerkschaften unbeliebt ist, weil sie um den Verlust der deutschen Mitbestimmungsrechte fürchten. Der neue Firmensitz soll in Irland liegen. Sollte der Plan scheitern, sind persönliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Die Führungsriege steht unter Druck

Reitzle stand zuletzt auch wegen der Zahl seiner Managerposten in der Kritik. Auf der Hauptversammlung im Mai warfen ihm Aktionärsvertreter Ämterhäufung vor. Reitzle will Verwaltungsratschef des künftigen Konzerns werden. Reitzle sitzt auch in den Kontrollgremien des Medienkonzerns Axel Springer, des Autozulieferers Continental und dreier weiterer Unternehmen.

Die Zeit des Vorstandschefs Aldo Belloni dürfte ebenfalls ablaufen, denn der 68-jährige Manager wurde von Reitzle aus der Rente zurückgeholt, um die Fusion durchzuziehen.

„Der Zeitdruck steigt“

Die Prüffrist der EU-Kommission lief eigentlich bis Freitag, den 24. August. Aber die gewöhnlich gut informierte „Financial Times“ berichtete bereits gestern, dass eine Entscheidung schon heute fallen werde. Der Zusammenschluss muss bis spätestens 24. Oktober über die Bühne gehen. Die Aktionäre müssen nach deutschem Recht binnen zwölf Monaten Klarheit über das Gelingen einer Fusion haben. „Der Zeitdruck steigt“, hieß es bereits in einem Marktkommentar der Equinet-Bank.

Was tut die FTC?

Nun steht noch die Entscheidung der US-Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission) aus. Linde und Praxair haben bereits umfangreiche Verkäufe von Geschäftsteilen in die Wege geleitet. Unklar ist, ob dies den Kartellwächtern ausreicht. Linde hatte kürzlich gewarnt, dass die FTC mehr fordern könne als die beiden Fusionspartner abzugeben bereit seien. Die EU-Kommission erklärte am Montag, sie habe bei ihrer Entscheidung eng mit der FTC und den Wettbewerbsbehörden in Kanada zusammengearbeitet.

Aldo Belloni

Aldo Belloni, CEO von Linde . | Bildquelle: Imago

Anfang August hatte Linde mitgeteilt, dass beide Unternehmen wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Kartell- und Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) möglicherweise mehr Unternehmensteile veräußern müssen als bislang erwartet. Das hatte die Linde-Aktie auf Talfahrt geschickt.  

ts/lg