Linde Praxair
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Schmerzgrenze überschritten Linde-Praxair-Fusion vor dem Aus?

Stand: 22.08.2018, 08:27 Uhr

Die Fusion des Industriegasekonzerns Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Anbieter von Sauerstoff und Helium steht wieder in Frage. Die Zugeständnisse, die die Kartellbehörden für den Deal verlangen, könnten die selbstgesteckte "Schmerzgrenze" der Unternehmen überschreiten.

Diese Grenze liegt bei 3,7 Milliarden Euro beim Umsatz und 1,1 Milliarden beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Offenbar fordern die Kartellwächter nun Verkäufe von Unternehmensteilen als Voraussetzung der Fusion, deren Umsatz- und Ergebnisbeiträge höher liegen könnte. Das teilte Linde am Mittwochmorgen mit.

Nachverhandlungen nötig

Stefan Wolff
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Dickes Fragezeichen hinter Lindes Mega-Fusion

Man werde die "konstruktiven Gespräche miteinander" fortführen, hieß es dazu. Bereits Anfang August hatten die Konzerne verlauten lassen, dass die US-Wettbewerbsbehörde FTC möglicherweise größere Zugeständnisse von den Unternehmen verlangen könnte. In diesem Fall müssten gemäß der Übernahmevereinbarung beide Unternehmen einer größeren Verkaufsaktion vor dem Zusammenschluss zustimmen. Laut Wertpapiergesetz müsste die Fusion bis zum 24. Oktober formal abgeschlossen sein. Bis dahin müssten dann auch Käufer für die zum Verkauf stehenden Unternehmensteile gefunden werden.

Die Aktien von Linde dürften am Morgen mit moderaten Abschlägen in den Handel starten. Experten halten einen Erfolg der Fusionsbemühungen weiterhin für möglich. "Ich würde mich wundern, wenn beide Partner nicht alles dafür täten, den Deal durchzuziehen", so etwa Fondsmanager Arne Rautenberg von Union Investment gegenüber Reuters.

Zu viel Macht bei Linde Praxair

Anfang der Woche hatte noch die Nachricht aus Brüssel, dass die EU unter Auflagen genehmigt, für Hoffnung gesorgt. Als EU-Auflage muss Praxair sein gesamtes Gasgeschäft im Europäischen Wirtschaftsraum verkaufen und seine Beteiligung an dem italienischen Gemeinschaftsunternehmen Siad abgeben. Zudem sollen Helium-Bezugsverträge veräußert werden. In der angemeldeten Form hätte die Fusion zu einer signifikanten Verringerung der Zahl der geeigneten alternativen Anbieter geführt und damit potenziell zu Preiserhöhungen.

Offen sind neben der Zustimmung in den USA auch noch die Entscheidungen der Kartellwächter in Brasilien, Argentinien, Südkorea, Indien und China. Linde und Praxair wollen sich zum größten Industriegasehersteller der Welt zusammenschließen. Mit 80 000 Mitarbeitern und 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würden sie ein Viertel des Weltmarkts beherrschen. Praxair ist Marktführer in den USA, Linde ist stark in Europa und Asien, im US-Medizingeschäft und im Anlagenbau. Das Unternehmen soll von Praxair-Chef Steve Angel aus den USA heraus geführt werden. Die Aktionäre haben bereits zugestimmt. Deswegen kann die Fusion nur noch an zu hohen Auflagen oder dem Veto der Kartellbehörden scheitern.

AB