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Besseres Ergebnis als erwartet Linde ist fit für die Fusion

Stand: 25.04.2018, 16:15 Uhr

Der Industriegasekonzern Linde steuert mit steigenden Gewinnen auf die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zu. Die deutsche Linde AG soll nach dem Zusammenschluss von der Börse genommen werden. Die verbliebenen Aktionäre werden abgefunden.

Sobald die Kartellbehörden in Europa, USA und anderen Regionen grünes Licht für den Zusammenschluss geben, sollen die Linde AG und Praxair auf die neue Linde plc verschmolzen werden, die den Konzern von London aus lenken soll. Die deutsche Linde AG soll nach der geplanten Übernahme von der Börse verschwinden. 92 Prozent der bisherigen Linde-Aktionäre haben ihre Papiere bereits zum Umtausch eingereicht.

Linde-AG-Aktionären droht "Squeeze-Out"

Die übrigen Anteilseigner setzen auf ein lukratives Abfindungsangebot, damit die Linde AG vom Kurszettel gestrichen werden kann. Für diese Zwangsabfindung (Squeeze-Out) reicht nach einer Fusion ein Anteil von 90 Prozent. Die nicht eingereichten Aktien schossen am Mittwoch um acht Prozent in die Höhe. Der Linde-Vorstand setzt darauf, dass auch die neue Linde plc im deutschen Leitindex Dax gelistet wird.

Für die Fusion ist Linde gut gerüstet: Das operative Ergebnis legte um vier Prozent auf 1,08 Milliarden Euro zu. Analysten hatten einen Rückgang erwartet. "Wir sind erneut gewachsen und haben unsere Profitabilität deutlich gesteigert", sagte Vorstandschef Aldo Belloni.

Wenn nur der starke Euro nicht wäre...

Allerdings haben sich im ersten Quartal die Folgen des starken Euro bemerkbar gemacht. Dazu kamen die Effekte der neuen Bilanzierungsregeln IFRS 15, die eine andere Verbuchung des Umsatzes verlangen. Insgesamt schrumpfte der Umsatz um 7,8 Prozent auf 4,04 Milliarden Euro. Ohne die Sondereffekte wäre er um 1,4 Prozent gestiegen. Währungsbereinigt lag das Plus sogar bei zwölf Prozent.

Der Ausblick für 2018 wurde bestätigt. Für das Gesamtjahr erwartet Linde - um Währungs- und Bilanzierungseffekte bereinigt - weiterhin ein Plus von bis zu vier Prozent. Das währungsbereinigte Betriebsergebnis soll um bis zu fünf Prozent steigen.

Warten auf die Zustimmung

Linde bekräftigte, beide Fusionspartner gingen immer noch davon aus, dass die kartellrechtlichen Genehmigungen rechtzeitig vorlägen, so dass der geplante Zusammenschluss im zweiten Halbjahr vollzogen werden kann. Bis zum 24. Oktober muss die Fusion unter Dach und Fach sein. Die EU-Kommission hat sich für ihre Prüfung bis zum 9. August Zeit genommen.

Linde und Praxair haben angeboten, Unternehmensteile zu verkaufen. "Linde befindet sich in konstruktiven Gesprächen mit den entsprechenden Behörden und parallel dazu mit potenziellen Käufern." Linde und Praxair haben sich vorbehalten, einen Rückzieher zu machen, wenn sie wegen der Auflagen mehr als 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro vom Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) abgeben müssten.

Die zum Umtausch eingereichten Linde-Aktien zählten am Mittwoch zu den wenigen Dax-Gewinnern. Sie legten um gut drei Prozent zu und führten den deutschen Leitindex an.

ME/ nb