Wasserstoff-Tankstelle

Gewinnprognose nach oben geschraubt Linde setzt auf den Wasserstoff-Hype

Stand: 05.11.2020, 15:59 Uhr

Der weltgrößte Industriegase-Konzern kommt besser als erwartet durch die Pandemie. Linde hat sein Gewinnziel für das Gesamtjahr erneut angehoben. Das Geschäft mit Wasserstoff soll kräftig ausgebaut werden.

Linde-Chef sieht enormes Potenzial für den Einsatz von Wasserstoff in Transportmitteln wie Lkws, Zügen, Bussen und Fähren. Der deutsch-amerikanische Konzern, der aus der Fusion von Praxair und Linde AG entstanden ist, will beim H2-Hype kräftig mitmischen. "Angesichts der erwarteten Investitionsvorhaben von mehr als 100 Milliarden Dollar denke ich, dass sich unser Wasserstoffgeschäft in Zukunft vervierfachen könnte", prophezeite Linde-Chef Steve Angel. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet Linde schon heute mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz mit Produktion, Vertrieb, Speicherung und Anwendung von Wasserstoff.

Gewinn steigt um acht Prozent

Noch sind aber die Industriegase das Kerngeschäft des Konzerns. Damit lässt sich immer noch gut Geld verdienen. Trotz Corona steigerte Linde im dritten Quartal den Gewinn um acht Prozent auf 1,14 Milliarden Dollar. Analysten hatten Linde nur 1,05 Milliarden zugetraut. Das operative Ergebnis stieg um neun Prozent auf 1,52 Milliarden Dollar. Den Gewinnanstieg führte Linde auf Preis- und Produktivitätseffekte zurück, die die Margen verbessert hätten. Das heißt: Kostensenkungen wirkten sich positiv aus.

Der Umsatz schrumpfte unter anderem wegen der Dollar-Schwäche um zwei Prozent auf knapp 6,9 Milliarden Dollar. Den Umsatzrückgang in Amerika, dem größten Markt für Industriegase, machte Linde in Asien und mit der deutschen Anlagenbau-Sparte teilweise wett. Höhere Preise kompensierten den rückläufigen Absatz. Gase für den Gesundheitssektor - etwa Sauerstoff zur Beatmung - und für die Elektronikbranche waren stärker gefragt. Beim Rivalen Air Liquide waren die Erlöse im dritten Quartal deutlich stärker - um fast neun Prozent - gesunken.

Optimismus trotz Corona

Zum zweiten Mal in drei Monaten hob der deutsch-amerikanische Industriegase-Konzern die Gewinnprognose nach oben - auf 8,05 bis 8,10 Dollar je Aktie. Das entspräche einem Nettogewinn von rund 4,3 Milliarden Dollar. Bisher waren 7,60 bis 7,80 Dollar je Aktie angepeilt. Analysten hatten für 2020 im Schnitt mit 7,79 Dollar je Aktie gerechnet. Noch im Mai hatte Angel unter dem Eindruck der Pandemie einen Gewinnrückgang befürchtet und die Prognose zurückgeschraubt, doch schon im Sommer war Linde optimistischer geworden.

Seit dem Zusammenschluss mit Praxair trimmt Linde-Chef Angel den Konzern auf Profitabilität. Die Investitionen in diesem Jahr werden auf maximal 3,2 Milliarden Dollar gekürzt. Um noch rentabler zu werden, will Angel im deutschen Gasegeschäft 834 der rund 7.000 Stellen abbauen. Ob Linde über die in Deutschland mit der IG Metall vereinbarten Arbeitsplätze hinaus weitere Jobs streicht, hängt jüngsten Äußerungen des Konzernlenkers zufolge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Aktien auf Zwei-Monats-Hoch

An der Börse kam die Quartalsbilanz gut an. Die Linde-Aktien steigen am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Mitte September. Sie verteuern sich am Nachmittag um 4,5 Prozent auf 211,80 Euro. Damit summierte sich die Erholung seit Wochenbeginn auf mehr als zehn Prozent. In der vergangenen Woche war der Kurs im Zuge der allgemeinen Börsenschwäche noch auf den tiefsten Stand seit Ende Juni gerutscht. Mit einem Börsenwert von 105 Milliarden Euro ist Linde eines der Schwergewichte im Dax.

nb