Gewinn stabil Linde gibt weiter Gas

Stand: 30.07.2020, 13:23 Uhr

Corona trifft den Industriegase-Konzern kaum. Linde hat im abgelaufenen Krisen-Quartal in etwa genau so viel verdient wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wird ein höherer Gewinn angepeilt.

2020 soll der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie auf 7,60 bis 7,80 US-Dollar steigen, kündigte Linde am Mittag an. Das wäre ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um vier bis sechs Prozent. Rechnet man die negativen Währungseffekte heraus, dann soll das Plus sogar sieben bis neun Prozent betragen.

Bei Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal war Linde noch von einem bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) ausgegangen, der bestenfalls währungsbereinigt im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegt. Im schlechtesten Fall hatte das Linde-Management beim Ergebnis mit einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich gerechnet.

Milliardengewinn im zweiten Quartal

Im zweiten Quartal hielt das aus der Münchner Linde AG und dem US-Rivalen Praxair entstandene Unternehmen den Gewinn konstant. Der Industriegase-Hersteller verdiente rund eine Milliarde Euro mehr - nahezu genau so viel wie im Corona-freien Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um vier Prozent auf 1,90 Dollar je Aktie zu. Positiv wirkte sich der Sparkurs aus. Die Ergebnisse zeigten, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell von Linde sei, sagte Vorstandschef Steve Angel.

Nur beim Umsatz hinterließ die Corona-Krise Bremsspuren. Die Erlöse schrumpften im Jahresvergleich um elf Prozent auf rund 6,4 Milliarden US-Dollar. Bereinigt um negative Währungseffekte betrug das Minus nur fünf Prozent. Die im Zuge des weltweiten Wirtschaftseinbruchs gesunkenen Volumina und negative Währungseffekte ließen sich nur teilweise durch höhere Preise wettmachen. Schlechter lief es vor allem in der Metallbranche und beim Einsatz von Gasen in der Produktion, während Medizingase und Anwendungen in der Elektronik stärker gefragt waren.

Anlagenbau stützt

Als Ergebnisstütze erwies sich im zweiten Quartal die bei der amerikanischen Linde-Führung lange ungeliebte Anlagenbau-Sparte Linde Engineering, die den Umsatz um acht Prozent und das operative Ergebnis sogar um 39 Prozent ausbaute. Der Auftragseingang halbierte sich allerdings im Vergleich zum Vorjahr. Im Gase-Geschäft waren alle drei Regionen gleichermaßen vom Umsatzrückgang betroffen. In Europa, Afrika und dem Nahen Osten tat sich Linde am schwersten, höhere Margen durchzusetzen.

Die Linde-Aktien behaupten sich in einem schwachen Gesamtmarkt und notieren nahezu unverändert bei 208,50 Euro. Vor kurzem wurde ein Rekordhoch von 216 Euro markiert. Seit Jahresbeginn haben die Dax-Titel gut zehn Prozent gewonnen.

"Viel besser als befürchtet"

Das zweite Jahresviertel des Industriegaseherstellers sei wesentlich besser verlaufen als befürchtet, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank in einer aktuellen Studie. Auch die neue Prognose von Linde für den diesjährigen bereinigten Gewinn je Aktie liege über den Markterwartungen.

nb