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Ungeachtet geschäftlicher Delle Linde-Fusion: Ganz nahe dran

Stand: 27.10.2017, 11:34 Uhr

Der Industriegase-Konzern Linde kommt der angepeilten Umtauschquote und damit der Fusion mit Praxair näher. Geschäftlich läuft es nicht ganz so rund.

Der Umsatz ging im Zeitraum Juli bis September leicht um 1,3 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zurück, wie das Dax-Unternehmen am Morgen mitteilte. Operativ lief es für Linde hingegen etwas besser. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 2,9 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Damit profitierte Linde auch von seinem Sparkurs.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 271 Millionen Euro. Das waren 11,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei belasteten Kosten für die Fusion und den Umbau. Die Zahlen sind um die zum Verkauf stehende Logistiktochter Gist mit ihren 5.000 Mitarbeitern bereinigt.

Jahresziele bestätigt

Trotzdem bestätigte die Unternehmensführung die Ziele für das Gesamtjahr. Danach strebt Linde mit seinen weltweit rund 60.000 Mitarbeitern beim währungsbereinigten Umsatz einen Anstieg um drei Prozent an. Allerdings sei das Marktumfeld herausfordernd. Deshalb könnten die Erlöse auch bis zu drei Prozent unter dem Vorjahreswert von knapp 17 Milliarden Euro liegen.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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218,90
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Praxair: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum Intraday
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166,88
Differenz relativ
+4,40%

Beim Ebitda will der im Dax notierte Konzern mindestens das Vorjahresniveau erreichen, peilt aber bis zu sieben Prozent mehr an. 2016 hatte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 4,1 Milliarden Euro betragen.

Steve Angel

Steve Angel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Etwas besser lief es beim amerikanischen Fusionspartner Praxair. Nach den bereits am Donnerstag vorgelegten Zahlen steigerte der Gasekonzern im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis stärker als von Analysten erwartet. Der Nettogewinn kletterte von 339 Millionen auf 419 Millionen Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um acht Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. Dabei profitierte der Konzern von steigenden Absatzmengen in allen Regionen. Für das Jahr zeigte sich Praxair optimistischer und erhöhte die Gewinnprognose.

Fusion mit Praxair kommt voran

Unterdessen kommt Linde bei der geplanten Fusion mit Praxair weiter voran. Bis Donnerstagabend seien 67,9 Prozent der Linde-Aktien zum Umtausch eingereicht worden, sagte Vorstandschef Aldo Belloni. Linde braucht bis 21. November eine Annahmequote von mindestens 74 Prozent, sonst könnte das Steuerrecht in den USA die Fusion für die beiden Partner unattraktiv machen.

Das Risiko, dass die Annahmequote bis zum Ende der Nachfrist nicht erreicht wird, gilt als gering. Denn rund 10 bis 15 Prozent der Linde-Aktien liegen in Indexfonds auf den Dax, aber etwa auch auf MSCI- oder EuroStoxx-Indizes. Die internationalen Indizes wollen den Wechsel um den 7. November vollziehen.

Scheitern nicht ganz ausgeschlossen

Scheitern kann die Fusion aber auch noch danach. Denn noch stehen die Genehmigungen von 20 Kartellbehörden weltweit aus. In den USA und China ist sie schon angemeldet, die Anmeldung bei der EU-Kommission wird noch vorbereitet. Die Schmerzgrenze für Auflagen zum Verkauf von Unternehmensteilen liegt für Linde und Praxair bei maximal 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.

An der Börse kommen die Nachrichten dennoch gut an. Die Linde-Aktie ist der mit Abstand größte Gewinner im Dax.

lg