Mann schwebt an zwei Herzluftballons

Facebook im Flirt-Fieber Liebesentzug für Dating-Aktien

Stand: 02.05.2018, 12:00 Uhr

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine neue lukrative Geschäftsnische gefunden: die Online-Partnervermittlung. Das weltgrößte soziale Netzwerk führt eine Dating-App ein. Leidtragende sind die bisher führenden Partnervermittler. Deren Aktien brechen ein.

Was macht man als weltgrößtes Online-Netzwerk, wenn alle einem vorwerfen, zu viele Daten zu sammeln und zu mächtig geworden zu sein? Facebooks Antwort: Man rückt noch tiefer in den sensibelsten Bereich menschlicher Beziehungen vor - und sammelt nebenbei noch mehr Daten. Der angekündigte Einstieg ins Geschäft mit der Partnersuche ist der neueste Coup von Facebook-Chef Zuckerberg. "Auf Facebook haben 200 Millionen Menschen ihren Status als Single angegeben, also gibt es hier eindeutig etwas zu tun", sagte Zuckerberg.

Facebook setzt auf langfristige Beziehungen

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Über die neue Funktion sollten nicht nur einfache Dates, sondern langfristige Beziehungen angebahnt werden, versprach Zuckerberg auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 in San José. Facebook wolle darauf aufbauen, dass sich bereits viele Paare bei dem Online-Netzwerk kennengelernt hätten, sagte Zuckerberg. Weitere Details soll es in den kommenden Monaten geben.

Künftig sollen Nutzer an Events und Gruppen teilnehmen und dort ihre Profile für andere sichtbar machen können. Die Kommunikation zwischen zwei Personen soll über einen eigenen neuen Chatdienst laufen. Das Dating-Profil soll nicht für die Facebook-Freunde eines Nutzers sichtbar sei - und sie sollen auch nicht als potenzielle Partner vorgeschlagen werden, hieß es. Ob Facebook auf sein enormes Wissen über die Mitglieder zurückgreifen will, um Partner-Vorschläge zu machen, blieb zunächst unklar.

Anleger trauen Facebook zu, den Markt der Single-Verkupplung aufzumischen. Die Aktien des weltgrößten sozialen Netzwerks legten am Dienstag über ein Prozent zu. Nach Ansicht von Analysten dürfte es sich für Facebook bald auszahlen, Mitgliedern bei der Partnersuche zu helfen. Singles dürften künftig mehr Zeit im Netzwerk verbringen. Zudem könnte Facebook bei Jüngeren wieder beliebter werden.

Dating-App-Aktien brechen ein

Der geplante Einstieg von Facebook in die Online-Partnervermittlung schickt dagegen die Aktien etablierter Anbieter auf Talfahrt. Die Aktien von Match brachen um 23 Prozent ein. Der Konzern ist mit den Flirt-Apps Tinder und OkCupid Marktführer. Die Anteilsscheine der Match-Muttergesellschaft verbilligten sich um 17 Prozent. Der Kurs von Sparks Networks, das hinter religiös orientierten Angeboten wie JDate und ChristianMingle steht, gab mehr als sieben Prozent nach.

In Deutschland müssen Anbieter wie Parship, Elitepartner (beide ProSiebenSat.1) und Edarling vor der neuen Facebook-Konkurrenz zittern. Edarling gehört zum Rocket-Internet-Imperium.

nb