Manfred Knof

Neuer Commerzbank-Chef Letzte Chance Knof

von Lothar Gries

Stand: 28.09.2020, 08:51 Uhr

Die Berufung von Manfred Knof zum künftigen Vorstandschef der Commerzbank sendet eine klare Botschaft: Deutschlands drittgrößte Bank steht vor den wohl härtesten Einschnitten ihrer Geschichte. Und das kann am Besten ein Mann von außen.

Vom Leiter des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank zum Vorstandschef der Commerzbank: Für Manfred Knof ist die Berufung an die Spitze des Frankfurter Geldhauses ein klarer Karrieresprung, verfügt der 55-Jährige doch über gerade einmal 14 Monate Erfahrung im Management einer Bank. Zuvor war Knof für die Allianz tätig, zuletzt bis 2017 als Chef für Deutschland, die Schweiz sowie Mittel- und Osteuropa.

Dennoch war die Entscheidung des Aufsichtsrats offenbar unstrittig, Knof wurde nach Angaben der Bank einstimmig zum Nachfolger des zum Jahresende ausscheidenden Konzernchefs Martin Zielke berufen. Der Manager kann seine neue Aufgabe am 1. Januar 2021 also mit einem hohen Vertrauensvorschuss antreten.

Ruf als harter Sanierer

Das wird auch nötig sein, denn Knof wurde nicht wegen seiner Visionen der Bank von morgen ausgewählt, sondern wegen seines Rufs als harter, durchsetzungsstarker Sanierer. Tatsächlich gilt der gelernte Jurist als Spezialist für schwierige Aufgaben. Bei der Allianz trieb er die Digitalisierung voran und trat - auch mittels Stellenstreichungen - auf die Kostenbremse.

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Und bei der Deutschen Bank hat er erst vor wenigen Tagen gezeigt, dass er beim Umbau des Konzerns noch rigoroser durchgreifen will als geplant. So sollen möglichst rasch noch einmal 100 der 500 heimischen Filialen geschlossen werden. Bereits zu Beginn des von Vorstandschef Christian Sewing vorgestellten Sparprogramms für die Deutsche Bank soll Knof von sich aus seine internen Vorgaben weiter hochgesteckt haben.

Damit ist klar: der Aufsichtsrat der Commerzbank hat sich für einen Macher entschieden, der nicht zögert, alte Zöpfe abzuschneiden und auf keine internen Seilschaften Rücksicht nehmen muss. Auch deshalb sollte es wohl ein Kandidat von außen sein, statt der zuletzt immer wieder genannten Vorstände aus dem eigenen Hause.

Hartes Stück Arbeit

Auf Knof wartet ein hartes Stück Arbeit. Von 1.000 Filialen der Commerzbank könnten gerade einmal 200 übrig bleiben. Von den zuletzt knapp 40.000 Vollzeitstellen soll bis zu einem Viertel wegfallen. Doch der künftige Chef muss auch aufpassen, dass er nicht über die Stränge schlägt.

Denn Aufsichtsratschef Vetter hält die Lage der Bank nicht für aussichtslos. Allerdings: "In Sachen Effizienz und Profitabilität gibt es noch Luft nach oben. Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind." Genau dies zu ändern wird die Aufgabe des neuen Vorstands sein.

AB