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Autozulieferer will Kabelsparte loswerden Trennungspläne bei Leoni

Stand: 10.07.2019, 08:54 Uhr

Der Aktienkurs von Leoni hat sich seit Jahresbeginn mehr als halbiert. Nun ist die Talfahrt vorerst gebremst. Der defizitäre Autozulieferer will die Kabelsparte verkaufen oder an die Börse bringen. Ist das die Wende?

Kabel und Bordnetze - das waren bisher die zwei Kernsparten bei Leoni. Doch nach Ansicht des Vorstands passen die beiden nicht mehr zusammen. Die Synergien zwischen den beiden Divisionen seien gering, teilte der Autozulieferer in der Nacht zu Mittwoch mit.

Deshalb plant Leoni nun die Aufspaltung. Die Sparte zur Produktion von Kabeln und Verbindungslösungen (WCS) soll abgestoßen werden. Dabei werden ein Börsengang oder ein Verkauf, einschließlich der Option eines Anteilsverkaufs, vorbereitet, kündigte das SDax-Unternehmen aus Nürnberg an.

Konzentration auf Bordnetze

Leoni will sich künftig nur noch auf die Entwicklung des zuletzt defizitären Bordnetzbereichs (WSD) konzentrieren. Das unter anderem dafür im vergangenen Herbst eingeleitete Sparprogramm verlaufe nach Plan. Leoni-Chef Aldo Kamper will den Erlös aus dem Verkauf oder einem Börsengang der Kabel-Sparte in mögliche Zukäufe für das verbleibende Bordnetz-Geschäft stecken. "Wir brauchen die Mittel, um die Bordnetz-Sparte strategisch weiter zu entwickeln. Wir wollen uns mit diesem Schritt neue finanzielle Möglichkeiten erschließen", sagte der Niederländer am Mittwoch.

Eine reine Abspaltung, bei der die Leoni-Aktionäre Aktien der Kabel-Sparte ins Depot gebucht bekommen, komme nicht in Frage. Die Autohersteller, an die Leoni den Großteil der Bordnetze liefere, wünschten sich ein breiteres Produktspektrum.

Autoflaute und hausgemachte Probleme

Die schwache Autokonjunktur hat zuletzt Leoni hart getroffen. Zudem tut sich der Autozulieferer schwer mit dem Umstieg in die Elektromobilität. Hinzu kommen hausgemachte Probleme. So lief der Produktionsbeginn eines Werks im mexikanischen Merida nicht nach Plan. Auch die Auftragslage konnte lange nicht bewältigt werden. Das führte zu hohen Sonderkosten für Personal und Frachten. Zuletzt gab's hier aber Fortschritte.

Die Aktie von Leoni befindet sich seit Anfang 2018 auf Talfahrt. Seit dem Rekordhoch von 66,20 Euro hat sie rund vier Fünftel ihres Werts eingebüßt. Inzwischen pendelt sie unter 15 Euro, dem tiefsten Niveau seit gut zehn Jahren. Der Nürnberger Traditionskonzern, der im vergangenen Jahr seinen Platz im MDax räumen und in den SDax absteigen musste, wird an der Börse mit weniger als einer halben Milliarde Euro bewertet.

Ende der Kurstalfahrt?

Am Mittwoch dürfte es endlich mal wieder aufwärts gehen. Vorbörslich liegen die Papiere vier Prozent im Plus bei 14,25 Euro. Die Trennungspläne für die WCS-Sparte dürften bei den Aktionären zunächst gut ankommen, meinte ein Händler. Allerdings könnte sich rasch die Einschätzung durchsetzen, dass der Schritt nur erfolge, weil Leoni frisches Geld brauche.

nb