Leuchtendes Ladekabel für Elektrofahrzeuge von Leoni

Aktie stürzt ab Leoni will sogar rote Zahlen nicht ausschließen

Stand: 18.03.2019, 19:47 Uhr

Alarm bei Leoni: Statt des bisher anvisierten Vorsteuerergebnisses von 130 Millionen Euro könnte der Autozuliefer in diesem Jahr in die roten Zahlen schlittern. Die Aktionäre sind entsetzt.

Die im SDax notierte Aktie verlor am Montag dramatisch um 19,69 Prozent und fiel damit auf den tiefsten Stand seit 2010. Im Sechs-Monats-Vergleich hat sich das Papier damit halbiert. Und es könnte sogar noch schlimmer kommen. Bankhaus-Lampe-Analyst Christian Ludwig vermutet, dass das Unternehmen in größeren Schwierigkeiten steckt als bisher bekannt. Der Experte hält deshalb eine sehr verwässernde Kapitalerhöhung für fast unausweichlich.

Tatsächlich bereitete Vorstandschef Aldo Kamper die Anleger darauf vor, dass das Unternehmen in diesem Jahr in die roten Zahlen rutschen könnte. "Das Ergebnis wird deutlich unter dem liegen, was wir bisher prognostiziert hatten", sagte er am Montag vor Analysten. "Es könnte auch auf einen Verlust hinauslaufen."

Kosten aus dem Ruder gelaufen

Der Bordnetz- und Kabel-Spezialist hatte am Sonntagabend das Ziel kassiert, 2019 auf ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 100 bis 130 Millionen Euro zu kommen. In den ersten zwei Monaten des Jahres 2019 habe sich die anhaltend schwierige Situation in unerwartetem Umfang fortgesetzt, hieß es in einer Mitteilung.

Vor allem die Kosten für den Anlauf des neuen Werks im mexikanischen Merida laufen aus dem Ruder: Nach einem Extra-Aufwand von 20 Millionen Euro im vergangenen Jahr rechnet Leoni 2019 mit weiteren 50 Millionen Euro. Eine neue Prognose wagt Kamper nicht.

Finanzvorstand mit sofortiger Wirkung zurückgetreten

Finanzvorstand Karl Gadesmann, der vor Kampers Amtsantritt ein halbes Jahr Vorstandssprecher war, hat am Sonntag mit sofortiger Wirkung ein Amt niedergelegt.

Wie sehr Leoni den Umbruch in der Autobranche zu spüren bekommt, zeigt ein Blick auf die Bilanz des vergangenen Jahres. 2018 ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um gut ein Drittel auf 144 Millionen Euro abgerutscht. Unter dem Strich halbierte sich der Konzernüberschuss auf 73 Millionen Euro.

2.000 Stellen sollen weg

Als Reaktion auf den Abschwung will Leoni 2.000 Stellen streichen, 500 davon in Hochlohnländern. Mit einem Sparprogramm sollen die strukturellen Kosten bis 2022 um 500 Millionen Euro im Vergleich zu 2018 gesenkt werden. Damit will Leoni wieder profitabel werden. Vom Geschäftsergebnis 2018 zeigte sich Leoni enttäuscht und sprach von dringendem Handlungsbedarf.

lg