Chips auf Platine
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Aktien auf Talfahrt Lenovo und ZTE auf Spionagekurs?

Stand: 05.10.2018, 08:31 Uhr

Eine Agenturmeldung über installierte Spionage-Chips hat für einen Einbruch der Aktien von Lenovo und ZTE gesorgt. Für Lenovo ging es um 18 Prozent nach unten, die ZTE-Aktie sank um elf Prozent.

Chinesische Spione sollen die schadhaften Computerchips in die Technologie installiert haben, heißt es in dem Bericht der Agentur Bloomberg. Server der Lieferfirma Super Micro seien bei rund 30 US-Unternehmen und verschiedenen US-Behörden im Einsatz. Bloomberg beruft sich dabei auf 17 nicht näher genannte Insider aus Geheimdiensten und Firmen. Die Server-Boards mit den schadhaften Halbleitern sollen dem Bericht zufolge vom Hersteller geliefert worden sein. Die winzigen Bauteile sollen es den Angreifern möglich gemacht haben, die Kontrolle über die Server zu übernehmen und Informationen zu klauen.

US-Behörden ermitteln bereits seit drei Jahren

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 11.00 Uhr: Lenovo MINUS 13 Prozent

Bereits seit drei Jahren liefen geheime Ermittlungen der US-Behörden, heißt es in dem Bericht. Die Spionage-Chips sollen in Fabriken in China in die Elektronik der Server von Super Micro eingeschleust worden sein. Dabei sei es nicht um Kundendaten gegangen, sondern um den langfristigen Zugang zu Geheimnissen von Unternehmen und Behörden, habe ein Regierungsmitarbeiter erklärt. Unter anderem Banken und Anbieter von Cloud-Diensten sowie von Web-Hostern nutzen Server mit der Technik.

Auch Apple und Amazon betroffen? - Konzerne dementieren

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Als Betroffene werden ebenfalls Apple und Amazon genannt. Die Konzerne stritten jedoch ab, die Spionage-Chips aus China in ihren Servern entdeckt zu haben. "Apple hat nie bösartige Chips, 'manipulierte Hardware' oder absichtlich platzierte Schwachstellen in Servern gefunden", erklärte Apple. Der iPhone-Hersteller habe entgegen Bloombergs Behauptung das FBI nicht informiert. Lediglich einmal sei auf einem Server von Super Micro ein infizierter Treiber gefunden worden, wobei aber keine zielgerichtete Attacke gegen Apple erkannt wurde.

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Auch Amazon könne die Behauptungen über Spionage-Chips nicht bestätigen. Bloomberg hatte berichtet, der Online-Händler hätte die verdächtige Technik 2015 bei der Übernahme der Firma Elemental Technologies bemerkt.

Aktien von Lenovo und ZTE brechen ein

Anleger sorgten sich derweil um den Absatz des Computerherstellers Lenovo und des Handy- und Netzwerkbauers ZTE. Außerdem könne der Bericht Verbraucher davon abhalten, chinesische Güter zu kaufen. Die Lenovo-Aktie ging zeitweise mit 18 Prozent auf Talfahrt, bei ZTE ging es um elf Prozent nach unten.

Attacke auf Facebook?

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In einem weiteren Artikel in der Nacht zum Freitag schrieb Bloomberg, dass auch Facebook von einer anderen Art von Attacke auf Server von Super Micro betroffen gewesen sei. Dabei sei auf die Geräte präparierte Betriebssoftware geladen worden, mit der Angreifer Daten abzweigen könnten. Facebook erklärte der Agentur, Hardware von Super Micro sei nur für Tests im Labor genutzt worden und werde abgebaut.

tb