Lemonade Insurance Company

Süßes statt Saures Lemonade erfrischt die New Yorker Börse

Stand: 02.07.2020, 18:16 Uhr

Eine Police übers Internet oder über eine App - ganz ohne Makler und Vertreter. Insurtechs mischen die Versicherungsbranche auf. Heute ging das US-Startup Lemonade spektakulär an die New Yorker Börse. Der Name ist Programm.

Versicherungsangelegenheiten sind lästig und bisweilen recht aufwändig. Das wollen die neuen Insurtechs wie Lemonade ändern. Der Digitalversicherer mit dem erfrischenden Namen will den Versicherungsabschluss zu einer angenehmen Sache machen - oder bildlich ausgedrückt eine saure Zitrone in eine süße Limonade verwandeln.

"Wollen meistgeliebter Versicherer werden!"

Lemonade hat ehrgeizige Pläne. Das vom japanischen Technologieriesen Softbank unterstützte Start-up möchte zum "meistgeliebten Versicherer der Welt" werden. Das erklärte Lemonade bei der Registrierungserklärung an der Börse in New York.

In den USA hat Lemonade schon 500.000 Kunden in den USA. Nun expandiert das Insurtech nach Europa. Vor einem Jahr startete der Digitalversicherer in Deutschland. Jetzt strebt Lemonade in die Niederlande.

Superstart an der Börse

Um die Expansion in neue Märkte zu finanzieren, wagt das bestdotierte Insurtech der Welt den Sprung an die Börse. Elf Millionen Aktien sollen ausgegeben werden. Die Nachfrage war groß. Deshalb hat Lemonade den Ausgabepreis auf 29 Dollar festgelegt – und damit über der zuvor schon angehobenen Angebotsspanne von 26 bis 28 Dollar.

Lemonade Insurance Company

Lemonade Insurance Company. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Lemonade hat ein fulminantes Debüt an der New Yorker Börse gefeiert. Die Aktie des 2016 gegründeten, hochgewetteten Unternehmens sprang am Donnerstag um 72 Prozent auf 50,06 Dollar. Zum Ausgabepreis wurde die 2016 gegründete Lemonade mit rund 1,6 Milliarden Dollar bewertet. Dies ist allerdings deutlich weniger als die 2,1 Milliarden Dollar bei der Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr, an der sich neben Softbank auch die Allianz, Alphabet und der Finanzinvestor GV beteiligten. Zum ersten Kurs waren es schon 2,75 Milliarden. Der Erlös aus dem Börsengang lag bei 319 Millionen Dollar.

Digitale Police in Sekundenschnelle

Lemonade bietet Haftpflicht- und Hausratsversicherungen an – per digitaler Abschluss, ganz ohne Makler. Mittels künstlicher Intelligenz beurteilt Lemonade in Windeseile die Risikosituation des Versicherten. Auch Schadensmeldungen werden blitzschnell abgeklärt.

Das Insurtech lockt vor allem die jungen "Millennials" an. Drei Viertel der Kunden sind unter 35 Jahre alt. Das Unternehmen will die Versicherung neu erfinden. 25 Prozent der Prämieneinnahmen fließen in Werbung, Verwaltung und den Gewinn des Unternehmens. Vom Rest der Prämie, die nach Abzug verbleibt, zahlt der Versicherer die Schäden. Das Geld, das dann noch übrig bleibt, geht an eine gemeinnützige Organisation, die der Kunde selbst bestimmen kann. Damit bekommt der Kunde eines Gefühl, mit seiner Police auch etwas Sinnvolles zu tun.

nb