Smith and Wesson-Revolver 357 Magnum

Absurde Geschichten aus der Finanzwelt Lehrer-Pensionsfonds investiert in Waffen-Aktien

Stand: 21.02.2018, 11:04 Uhr

Der Amoklauf an einer Schule in Florida mit 17 Toten ist gerade eine Woche her, da wird die ethisch fragwürdige Anlagepolitik des Lehrer-Pensionsfonds in Florida publik. Er hat in Aktien der Waffen-Industrie investiert - und zwar kräftig.

Mit fast einer halben Million Dollar ist der staatliche Rentenfonds für Lehrer in Florida an American Outdoor Brands Co. beteiligt. So ist es in der letzten vierteljährlichen Mitteilung des Fonds an die Börsenaufsicht SEC zum 31. Dezember 2017 zu lesen. Outdoor Brands klingt nach Camping, bedeutet aber Waffen, was an dem früheren Namen des Konzerns "Smith & Wesson" deutlicher wird. Das Aktienpaket umfasst 41.129 Anteile.

Die Beteiligung an American Outdoor Brands wird mit einem Wert von 528.000 Dollar beziffert und enthält gemäß der vierteljährlichen Mitteilung einen unrealisierten Gewinn von 306.000 Dollar. Der Fonds ist insgesamt 154 Milliarden Dollar schwer.

Der Fonds legt die Altersvorsorge der in Florida beschäftigen Lehrer an. Bis Juni 2017 waren mehr als die Hälfte der 405.000 Teilnehmer des Pensionsfonds in Bildungseinrichtungen beschäftigt.

Sinneswandel? Wohl nicht!

Die Amerikaner hegen seit eh und je eine enge Beziehung zu Gewehren und Pistolen. Zwar flammen nach Amokläufen an Schulen oder Massenattentaten die Kritik an privatem Waffenbesitz und die Debatte über eine Verschärfung des Waffengesetze immer wieder auf. Auch ziehen sich in diesen Zeiten Investoren zurück. Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook-Grundschule 2012 im US-Bundesstaat Connecticut, bei dem 26 Schüler und Lehrer niedergeschossen wurden, verkauften etwa der Pensionsfonds der kalifornischen Lehrer und jener der öffentlichen Angestellten in Kalifornien ihre Waffen-Aktien. Sie hatten zuvor Anteile an Sturm Ruger sowie an Smith & Wesson.

Doch letztlich siegt immer wieder die mächtige Waffenlobby und die Waffengesetze bleiben bestehen. Der Pensionsfonds in Florida scheint jedenfalls keine Berührungsängste mit Waffen-Investments zu haben. Die auf seiner Website veröffentlichten Mitteilungen zeigen, dass der Pensionsplan "Florida Retirement System" auch in Aktien von Sturm & Ruger Co., Vista Outdoor Inc. und Olin Corp. investiert. Alle diese Unternehmen stellen Schusswaffen oder Munition her einschließlich Sturmgewehre.

Der Kommentar des Staatsrates von Florida (SBA): "Als Treuhänder muss die SBA ausschließlich im Interesse der Teilnehmer und Nutznießer handeln", sagte John Kuczwanski, ein Sprecher der SBA. "Als überwiegend passive Investoren besitzen wir grundsätzlich den gesamten Markt vorbehaltlich gesetzlicher Beschränkungen."

Die alte Smith & Wessen

Eher mit Image- denn mit Sinneswandel hat denn auch die Umfirmierung des Waffenherstellers Smith & Wesson zu tun. Die Firma benannte sich Anfang 2017 in "American Outdoor" um, 164 Jahre nach ihrem Gründungstag. Wegen der Erweiterung des "strategischen Fokus", wie das Unternehmen unterstrich. Man wolle sich auf "die wachsenden Märkte für Schießen, Jagd und sonstige Arten aktiver Freizeitgestaltung in der Natur“ konzentrieren, hieß es in der damaligen Pressemitteilung.

Die Umfirmierung war wohl aber eher der Versuch, sich von dem negativ besetzen Waffen-Image zu distanzieren. Zwar gab es in der Tat mehr Outdoor: Survival-Utensilien, vom wetterfesten Zünder fürs Lagerfeuer über die Handsäge bis zur Taschenlampe im Programm. Doch Waffen blieben natürlich das Hauptgeschäft. Und sie wurden auch weiterhin unter dem Traditionsnamen Smith & Wesson verkauft. Der Konzern stellte auch das halbautomatische Sturmgewehr AR-15 her, das beim Angriff auf die Marjory Stoneman Douglas Highschool am 14. Februar in Parkland, Florida, eingesetzt wurde.

Die Aktien der Waffen-Industrie

Amokläufe und Massaker mit Schusswaffen haben auch auf Aktien der Waffenindustrie Einfluss - allerdings anders als man denkt. Wenn in der Folge die Diskussion über schärfere Waffengesetze aufflammt, kaufen die Amerikaner verstärkt Waffen. Quasi auf Vorrat, aus Angst vor einer strengeren Regulierung. Das Paradoxe daran: Die Waffengegner werden so zu Unterstützern der Hersteller. Die Geschäfte der Waffen-Industrie brummen.

Die Börse spekuliert auf diesen Absatzschub bei Handfeuerwaffen, weshalb Aktien der Waffenkonzerne in der Regel nach Amokläufen steigen. Zu beobachten ist das immer wieder, ob bei Aktien der an der Nasdaq notierten American Outdoor Brands, dem Hersteller von halbautomatischen Gewehren, Sturm Ruger oder Aktien des Munitionsherstellers Olin, zu dem auch der Jagdgewehr-Fabrikant Winchester gehört.

bs