LANXESS-Standort Leverkusen

Jahresziele bestätigt Lanxess und der Fluch der Autobauer

Stand: 13.11.2019, 08:33 Uhr

Noch im Frühjahr hatte der in Köln ansässige Chemiekonzern Lanxess auf die Belastungen aus dem Autogeschäft verwiesen, um seine schrumpfende Bilanz zu erklären. Davon ist nun weniger die Rede. Doch die Flaute bleibt.

Trotzdem sieht sich Lanxess dank der Nachfrage nach Wasseraufbereitungstechnik sowie nach Agrar- und Pharmawirkstoffen auf Kurs, sein Jahresgewinnziel zu erreichen. Danach peilt Lanxess für das laufende Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen von 1,0 bis 1,05 Milliarden Euro an, nach 1,02 Milliarden ein Jahr zuvor.

Damit können die andauernden Belastungen durch die Flaute auf dem Automarkt sowie ein schwaches Chromerzgeschäft weitgehend ausgeglichen werden. Zudem treibt Konzernchef Matthias Zachert den Umbau weiter voran, hin zur profitableren Spezialchemie mit der Neuausrichtung des Geschäfts mit sogenannten Organometallen. Ein Teil des Bereichs wird ausgebaut, ein anderer verkauft.

Umsatz und Ergebnis weiter gesunken

Die rückläufige Konjunktur hat Lanxess aber auch im dritten Quartal zu spüren bekommen. Zwischen Juli und September ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,3 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro zurück, wie der MDax-Konzern mitteilte. Das Ebitda vor Sondereinflüssen sank um 3,6 Prozent auf 267 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit noch deutlicheren Abschlägen gerechnet.

Unter dem Strich verdienten die Kölner im dritten Quartal mit 69 Millionen Euro knapp 14 Prozent weniger als vor einem Jahr, was aber insbesondere an höheren Abschreibungen lag. Für das vierte Quartal rechnet das Management mit einem Ebitda vor Sondereinflüssen etwas über dem Vorjahresniveau.

Gut laufende Geschäfte mit Kunststoffen

Gut liefen die Geschäfte im Geschäft mit chemischen Zwischenprodukten, zu der auch das Geschäft mit Organometallen gehört, dessen Wachstum nun vorangetrieben werden soll. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen leicht. So erholte sich die Feinchemikalien-Tochter Saltigo weiter, die vor allem Dienstleistungen wie Auftragsfertigungen für Kunden der Agrar- und Pharmabranche anbietet. Auch die Kunststoffsparte erwies sich als profitabel und wachstumsstark.

Im Segment Performance Chemicals machten ein kräftiges Wachstum mit Wasseraufbereitungs- und Materialschutztechnik sowie positive Wechselkurseffekte ein weiter schwaches Chromerz-Geschäft mehr als wett. Das hatte bereits im zweiten Quartal unter einem Streik in einer Mine in Südafrika gelitten, in der Lanxess Chromsalze abbaut, die bei der Lederbearbeitung eingesetzt werden.

Autoflaute hält an

Für Gegenwind sorgt derweil weiter die Autoflaute, die zu den wichtigen Kunden gehört. So leidet die Autobranche schon eine Weile unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China sowie dem rasanten Wandel hin zur Elektromobilität. Das drückt auch auf die Nachfrage nach Spezial-Kunststoffen, die Lanxess in der Sparte Engineering Materials anbietet. Hier fielen Umsatz und Ergebnis prozentual zweistellig.

Zwar bekommt auch die Sparte für Zusatzstoffe (Special Additives) etwa für Schmier- und Flammschutzmittel die Auto-Schwäche zu spüren. Die Nachfrage nach Flammschutzmitteln glich das aber aus. Dabei zahlen sich die Übernahmen der vergangenen Jahre aus, als Lanxess diesen Bereich gezielt mit den Käufen von Chemtura sowie des Phosphorchemikalien-Geschäfts von Solvay gestärkt hatte.

Die Anleger reagierten zunächst verschnupft auf die Zahlen, nachdem die Aktie in den letzten drei Monaten 25 Prozent zugelegt hatte.

lg