Robert Halver

Robert Halver, Baader Bank "Langfristige Anleger sollten nicht verkaufen!"

Stand: 09.03.2020, 16:07 Uhr

Anleger sollten jetzt nicht in Panik verfallen, rät Robert Halver, Aktienstratege der Baader Bank. Zwar seien längst noch nicht alle Negativ-Nachrichten eingepreist, aber irgendwann werde die Corona-Krise ihren Zenit überschreiten. Von der Politik und der EZB fordert er jetzt klare Signale.

boerse.ARD.de: Der Dax ist in den vergangenen drei Wochen um gut 3.000 Punkte abgesackt. Heute geht es erneut um über sieben Prozent nach unten. Ist der Crash übertrieben?

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Robert Halver: Zurzeit ist es schwer, vorhersagen, wie weit es noch nach unten geht. Wir haben es beim Coronavirus mit einem relativ unbekannten Phänomen zu tun. Es gibt keine wirkliche Vergleichsmöglichkeit. Ich glaube aber, dass sich das Ende des großen Abverkaufs nähert. Denn die führenden Vermögensverwalter sind inzwischen massiv aus den Aktien raus. Wichtig wäre nun, dass eine psychologische Entspannung kommt - von der Politik. Die Bundesregierung könnte beispielsweise mit Konsumprämien und Steuersenkungen der Konjunktureintrübung entgegenwirken. Mit den Haushaltsüberschüssen und negativen Zinsen hat sie dafür genügend Spielraum. Wir sollten aus der Finanzkrise von 2008 lernen. Wenn man nicht frühzeitig dagegenhält, wird die Situation immer schlimmer.

boerse.ARD.de: Wie sollten sich Anleger jetzt in der Crash-Phase verhalten? Abwarten? Oder eher Schnäppchen kaufen?

Halver: Langfristige Anleger sollten jetzt nicht mehr rausgehen. Warum nun verkaufen, wenn man das Geld kurzfristig nicht braucht? Auch Kleinanlegern rate ich zum Durchhalten, am liebsten mit regelmäßigen Sparplänen. Selbst bei der Coronavirus-Krise gilt: Jede Krise wird an den Börsen wieder aufgeholt.

boerse.ARD.de: Sehen Sie jetzt schon wieder günstige Einstiegsgelegenheiten an den Aktienmärkten?

Halver: Man muss den Markt jetzt erst mal austoben lassen. Wir werden zunächst noch einiges an negativen Nachrichten zu hören bekommen. Aber: Irgendwann ist auch die letzte negative Nachricht durch, zum Beispiel wenn die Anzahl der Geheilten die Zahl der Neuinfizierten übertrifft. Und dann geht es an den Börsen wieder nach oben.

boerse.ARD.de: Könnte der Dax noch unter 10.000 Punkte fallen?

Halver: Eine derartige Vorhersage ist wie eine Lotto-Prognose. Man sollte jetzt nicht in Panik verfallen, wir haben es nicht mit einem Killervirus zu tun. Bei den allermeisten Menschen verläuft die Erkrankung glimpflich.

boerse.ARD.de: Kommen die Notenbanken jetzt als Retter in der Not? Was wird die EZB tun? Sie sagten vor kurzem, dass die europäischen Währungshüter notfalls gar Aktien kaufen würden, um die Corona-Krise einzudämmen…

Halver: Die EZB könnte Aktien indirekt kaufen, indem sie mit noch mehr billigem Geld die Kaufneigung für Aktien steigert.  

boerse.ARD.de: Was erwarten Sie von der EZB in ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag?

Halver: Die EZB wird ein klares Signal senden, dass sie jede neue Finanz- Schulden- oder Bankenkrise verhindern wird. Denn das brauchen wir jetzt so wenig wie Bauchschmerzen.

boerse.ARD.de: Anleger spekulieren derzeit über mehrere Szenarien- von der V-, über die U- bis zur L-förmigen Erholung. An welches Szenario glauben Sie?

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Halver: Eher an die U-förmige Erholung. Wir brauchen gute Nachrichten von der Virenfront und Politiker, die mit viel Charisma, aber auch mit Konjunkturprogrammen jetzt der Panik entgegenwirken. Ich erwarte, dass sich Deutschlands Konjunktur ab dem dritten Quartal allmählich erholt.

Das Gespräch führte Notker Blechner.