Waldbrand in Kalifornien

Energieversorger nicht für kalifornischen Waldbrand verantwortlich Kursexplosion bei PG&E

Stand: 25.01.2019, 10:50 Uhr

Die Titel des US-Energieversorgers haben an der Wall Street für Furore gesorgt - mit einem Kurssprung von 75 Prozent. Dabei steht PG&E nach dem Vorwurf fahrlässigen Verhaltens bei einem der verheerendsten Waldbrände in Kalifornien kurz vor der Pleite.

Nun haben die amerikanischen Behörden den Konzern jedoch entlastet. Die schlecht gewartete Technik des größten amerikanischen Energieversorgers ist nicht für eines der größten Lauffeuer Kaliforniens ("Tubbs Fire") im Oktober 2017 verantwortlich, ergaben die Ermittlungen der Brandexperten. Anscheinend wurde das Feuer, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen und mehr als 5.600 Gebäude zerstört wurden, durch private elektrische Geräte ausgelöst.

Die Anleger griffen am Donnerstag kräftig zu: Das PG&E-Papier stieg im US-Handel um satte 75 Prozent auf 13,95 Dollar. Auch in Frankfurt kletterte es am Freitagvormittag um fast 55 Prozent nach oben.

In der vergangenen Woche brach die Aktie noch um mehr als 50 Prozent ein und fiel daraufhin auf ein Rekordtief von 6,36 Dollar. Im November hatten PG&E in den USA noch knapp 50 Dollar gekostet.

PG&E kurz vor der Pleite

Das Management hatte mitgeteilt, dass es einen Insolvenzantrag um den 29. Januar herum stellen wird. Erst einen Tag zuvor hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass die Vorstandsvorsitzende Geisha Williams das Unternehmen verlässt. Interims-CEO John Simon wird den Posten vorerst übernehmen.

Löschflugzeug löscht einen Waldbrand in Kalifornien

Waldbrand in Kalifornien. | Bildquelle: picture alliance/Ringo H.W. Chiu/AP/dpa

Durch die Schäden der Waldbrände in Kalifornien in den vergangenen Jahren ist PG&E finanziell schwer angeschlagen. Experten hatten mögliche Schadenersatzforderungen auf bis zu 30 Milliarden Dollar beziffert. Die Entlastung durch den Staat könnte die Zahl nach Angaben der Finanzforscher von "Credit Sights" um rund acht Milliarden US-Dollar reduzieren.

Wird der Insolvenzantrag gestoppt?

Ob das Unternehmen aus San Francisco weiter Insolvenz beantragen wird, ist noch unklar. Bereits vor der Bekanntgabe der entlastenden Ermittlungen hatten einige Analysten die Gründe für die Anmeldung bezweifelt. PG&E verfüge über ausreichend Geld für die laufenden Kosten.

PG&E schrieb allerdings in einer Erklärung, der Konzern sei weiter unzähligen finanziellen Risiken ausgesetzt. "Die verheerenden und beispiellosen Waldbrände von 2017 und 2018 haben unsere Kunden, Mitarbeiter und Gemeinschaften stark beeinflusst", hieß es. Neben umfangreichen Rechtsstreitigkeiten und erheblichen potenziellen Verbindlichkeiten stehe PG&E auch eine sich verschlechternde Finanzlage gegenüber.

Schuld am "Camp Fire"?

Die kalifornischen Behörden prüfen derzeit noch, ob die teils veraltete PG&E-Ausrüstung den massiven Waldbrand in Nordkalifornien im November ("Camp Fire") ausgelöst haben könnte. Außerdem soll PG&E die Vegetation entlang der Leitungen nicht ausreichend beschnitten haben. Mindestens 86 Menschen kamen dabei ums Leben, 62.000 Hektar Land wurden vernichtet.

Albert Finney und Julia Roberts in

Albert Finney und Julia Roberts in "Erin Brockovich". | Bildquelle: picture alliance / United Archives

Schadenersatzprozesse sind in der Geschichte des Konzerns nichts Neues. Im Jahr 1996 zahlte PG&E wegen mit Chrom vergiftetem Grundwasser 333 Millionen Dollar, seinerzeit die größte Schadenersatzsumme in der Geschichte der USA. Steven Soderbergh verfilmte die Geschichte im Jahr 2000 unter dem Titel "Erin Brockovich" mit Julia Roberts in der Hauptrolle. Auch den Nachforschungen der echten Erin Brockovich, die für die Kanzlei Masry & Vititoe als Anwaltsgehilfin arbeitete, war es zu verdanken, dass dieser Erfolg für die Kläger erzielt wurde.

tb