Landwirtschaft

KTG Agrar Mädrescher bei der Weizenernte

Ja ist denn schon Erntezeit? KTG Agrar verschiebt die Hauptversammlung

Stand: 28.06.2016, 14:29 Uhr

Bei KTG Agrar klingeln nach der ausgefallenen Zinszahlung einer Anleihe die Alarmglocken. Aktien und Anleihekurse schmieren in einem Ausmaß ab, das größeres Ungemach vermuten lässt.

Völlig überraschend ist es schon so weit bei KTG Agrar. Die für den 30. Juni terminierte Hauptversammlung steht vor der Tür. Mehr als das, zusätzlich beginnt auch noch auch die Erntesaison. Für die Agrarmanager aus Hamburg um den umtriebigen Firmenchef Siegfried Hofreiter offensichtlich die nächste faustdicke Überraschung.

Jedenfalls dient die Ernte unter anderem als Begründung, um das am Donnerstag geplante Aktionärstreffen auf den 26. August zu verschieben, wie das Unternehmen am Abend in einer Mitteilung bekannt gab. Nebulös wird darüber hinaus auch von "aktuellen herausfordernden Aufgaben" gesprochen, die einer termingerechten Zusammenkunft der Aktionäre ebenfalls entgegenstehen.

Wie geht es weiter?

Das fragen sich nicht nur Aktionäre und Gläubiger, sondern auch die Öffentlichkeit. Denn das Tauziehen um KTG Agrar um die bisher ausgefallene Zinszahlung auf die Anleihe 2011/2017 im Volumen von 200 Millionen Euro per 6. Juni (WKN A1H3VN, Kupon 7,125 Prozent) dürfte wohl die herausforderndste Aufgabe sein, an der die Firmenlenker arbeiten.

Diese Zahlung wollte das Management urspünglich in den ersten 14 Tagen, dann aber bis zum bisherigen HV-Termin am 30.6. nachholen. Neue Informationen hierzu gibt es keine. Offensichtlich haben die Manager erhebliche Mühe, die fällige Zahlung von gut 15 Millionen Euro aufzutreiben. Dies trotz Forderungen in der Bilanz von rund 218 Millionen Euro (womit nicht die bilanzüblichen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gemeint sind). Deren Herkunft und Zusammensetzung bleibt aber unklar und steht offensichtlich nicht zur Verfügung, worauf zuletzt das Magazin "Finance" hingewiesen hat. KTG Agrar selbst hat bisher zur Aufklärung wenig beigetragen. Der nächste Halbjahresbericht steht auch erst im September an, Quartalsberichte gibt es nicht.

Gemäß den Anleihebedingungen müssen die Zinsen aber innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit vollständig nachgezahlt werden, also bis spätestens 6. Juli. Ansonsten können die Inhaber der Anleihe über ein außerordentliches Kündigungsrecht ihre Forderungen unverzüglich fällig stellen. KTG hat noch eine zweite Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro ausstehen (WKN A11QGQ), die mit 7,25 Prozent ähnlich hoch verzinst wird. Der Zinstermin wäre der 15.10.

KTG-Chef Siegfried Hofreiter

KTG-Chef Siegfried Hofreiter. | Bildquelle: Unternehmen

Immerhin, Aufsichtsratschef Henning von Reden entschuldigt sich bei den Aktionären und verspricht gleichzeitig viel: "Wir entschuldigen uns für die kurzfristige Verschiebung der Hauptversammlung. Doch wir sind der festen Überzeugung, dass die Veranstaltung erst zielführend ist, wenn wir unseren Aktionärinnen und Aktionären ein aktuelles Zukunftskonzept vorstellen können. Dieses wird in den kommenden Wochen überarbeitet werden." Von Reden verweist dabei auf die notwendige Zeit, die Vorstand und Aufsichtsrat brauchten, um ein solches Konzept zu beschließen.

Die Tochtergesellschaft KTG Energie, an der KTG Agrar etwas über 52 Prozent hält, hat ihre Hauptversammlung übrigens am 22. Juni abgehalten. Beschlossen wurde neben einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln, dass die Dividende für das Geschäftsjahr 2014/15 in Aktien im Verhältnis 11:1 ausgezahlt wird. Spitzen werden in bar ausgeglichen.

Aktien und Anleihen im Keller

Die Investoren trauen dem Unternehmen jedenfalls nicht mehr viel zu. Der Anleihen- und Aktienkurs ist dramatisch abgeschmiert. Die KTG-Agrar-Aktie ist von gut 14 Euro zum Jahresanfang auf mittlerweile 3,01 Euro abgestürzt. Der heutige Tagesverlust fällt mit mehr acht Prozent deutlich aus. Die 2017 fällige Anleihe ist zuletzt unter 17 Prozent ihres Nennwertes gestürzt.

Zwar könne es bei Mittelstands-Unternehmensanleihen immer mal hohe Kurssausschläge wegen der meist geringen Liquidität in diesen Papieren geben. Bei diesem Kursniveau müsse es aber einen handfesten operativen Hintergrund geben, erklärt ein Anleihenexperte im Gespräch mit boerse.ARD.de. "Das riecht nach Insolvenzniveau", so der Experte. Der Markt habe meist einen guten Riecher und irgendetwas sickere eben immer durch.

Angesichts solcher Aussichten wird es wirklich allerhöchste Zeit für das seit dem Börsengang 2007 im Entry Standard der Frankfurter Börse notierte Unternehmen, mit einem transparenten Zukunftskonzept wieder für neues Vertrauen zu sorgen. Auch wenn das alles dummerweise mitten in die Erntezeit fällt.

rm

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