Daniel Křetínský

Kretinsky will Anteile erhöhen Machtkampf bei Metro

Stand: 14.09.2020, 09:33 Uhr

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky nimmt einen zweiten Anlauf, um den Einfluss beim Handelskonzern auszubauen. Er bietet den Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot, das deutlich unter dem vor einem Jahr liegt.

Was hat Kretinsky mit Metro vor? Immer wieder hatte der tschechische Großaktionär Druck auf Metro-Chef Olaf Koch gemacht, Metro schneller zum reinen Großhändler umzubauen und bessere Ergebnisse zu liefern. Nun hat Koch seinen Rücktritt angekündigt, und prompt versucht Kretinsky erneut, seinen Einfluss beim Traditionskonzern auszubauen.

8,84 Euro je Stammaktie

Den Anteilseignern werde ein freiwilliges Übernahmeangebot von wahrscheinlich 8,48 Euro je Stammaktie sowie zirka 8,87 Euro je Vorzugsaktie unterbreitet, kündigte die von Kretinsky kontrollierte EP Global Commerce GmbH (EPGC) am Sonntagabend an. Diese hielt zuletzt knapp 30 Prozent der Metro-Anteile und will mit der Offerte den Anteil über diese Marke hieven. Die absolute Mehrheit wird offenbar vorerst nicht angestrebt. EP Global Commerce gehe nicht davon aus, nach dem Vollzug des Übernahmeangebots mehr als 50 Prozent der Stimmrechte zu halten, hieß es.

Mit der freiwilligen Übernahmeofferte vermeidet EP Global ein - möglicherweise höheres - Pflichtangebot, das fällig würde, wenn die Investoren die Schwelle von 30 Prozent überschreiten würden. Der Milliardär Kretinsky und sein Geschäftspartner Patrik Tkac hätten so - unabhängig vom Erfolg der Offerte - freie Hand, ihre Beteiligung nach und nach bis auf knapp 50 Prozent aufzustocken.

Kretinsky hatte seinen Anteil an Metro zuletzt im November 2019 von 17,5 Prozent auf 29,99 Prozent erhöht. Dabei übernahm der tschechische Milliardär den überwiegenden Anteil Haniels, der davor noch bei 15,2 Prozent gelegen hatte. Die Option, auch noch die restlichen Haniel-Anteile zu erwerben, bestehe fort, erklärte EPGC damals.

Zweiter Anlauf

Für die Holding EP Global Commerce (EPGC) der Investoren Daniel Kretinsky und Patrik Tkac ist es der zweite Anlauf innerhalb von gut einem Jahr, ihren Einfluss auf den Düsseldorfer Konzern zu vergrößern. Damals war sie am Widerstand der anderen Großaktionäre Beisheim Holding und Meridian Stiftung gescheitert. Beisheim und Meridian halten zusammen 22 Prozent der Anteile an Metro. Im Sommer 2019 hatte EP Global Commerce den Aktionären 16 Euro Stamm-Aktie und 13,80 Euro pro Vorzugsaktie geboten - also fast doppelt so viel wie jetzt. Binnen eines Jahres ist der Kurs der Metro-Stammaktie bis zum Freitag auf 8,31 Euro gesunken.

Angesichts des niedrigen Angebots dürfte sich die Metro-Spitze wohl erneut gegen das Gebot zur Wehr setzen. Sie hatte schon vor einem Jahr erklärt, dass die Offerte von Kreitinsky das Unternehmen zu niedrig bewerte und nicht angemessen sei. Zugleich fürchtete sie, dass die eigene operative Flexibilität und die strategische Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden könnten, da Kretinsky die Übernahme zu einem guten Teil mit Krediten finanzieren wollte.

Metro-Aktien springen hoch

An der Börse sorgt zu Wochenbeginn der erneute Versuch des tschechischen Großaktionärs, seine Macht auszubauen, für Fantasie. Die Metro-Aktien legen um acht Prozent zu und notieren bei fast neun Euro.

nb