Fahnen mit Unternehmenslogos vor der Audi-Zentrale in Ingolstadt

Dieselskandal Kraftfahrtbundesamt droht Audi

Stand: 16.09.2019, 09:48 Uhr

Auf die VW-Tochter könnten Konsequenzen seitens der Behörden zukommen. Schafft es Audi nicht, die Umrüstung aller Modelle vorzuweisen, drohen Zwangsgelder - oder Schlimmeres. Derweil wechselt Audi mal wieder den Chef.

Weil der Autobauer immer noch nicht aus allen Modellen die Abgas-Betrugssoftware entfernt habe, hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat der in den Dieselskandal verstrickten Konzerntochter Audi nach Informationen von "Bild am Sonntag" ein Zwangsgeld angedroht. Lasse Audi eine Frist bis zum 26. September verstreichen, verlange das Amt offenbar ein Zwangsgeld in Höhe von 25.000 Euro - pro Fall.

Ignoriere Audi den Bescheid, drohe ein Entzug der Typengenehmigung. Die Freigabe für ein Software-Update fehle für einzelne V6- und V8-Modelle mit der Abgasnorm Euro 6, so das Blatt. Zudem drohen Audi wegen den Abgasmanipulationen weitere Rückrufe für ältere Dieselmodelle mit der Abgasnorm 4.

12.400 Autos betroffen

Die Rückrufe von Euro-4-Fahrzeugen der Audi AG stünden "unmittelbar bevor", hieß es vom KBA. Audi sieht sich bei der Umrüstung manipulierter Dieselfahrzeuge im Plan und wird nach eigener Aussage die Fristen einhalten. "Audi kommt in der Dieselkrise weiter voran", betonte der Hersteller. Man arbeite intensiv mit den Behörden zusammen und sehe keinen Grund für einen Entzug der Typgenehmigung.

Für die letzten acht Prozent der betroffenen Fahrzeuge in Deutschland rücke die Freigabe der technischen Abhilfe in greifbare Nähe. "Wir werden noch im September und damit innerhalb der vom Kraftfahrtbundesamt gesetzten Frist die Unterlagen für weitere 8.200 Fahrzeuge komplett haben."

Offen sind nach eigenen Angaben Lösungen für noch 12.400 Autos. Für die verbleibenden Fahrzeuge sei ebenfalls ein Software-Update erarbeitet worden, erforderliche Emissionsmessungen seien erbracht. "Somit sehen wir keinen Grund für einen Entzug der Typgenehmigung. Die Lösung steht unmittelbar bevor, wir halten die Frist ein."

Frist läuft bald ab

Das Kraftfahrtbundesamt hatte Ende 2017 in mehreren Bescheiden angeordnet, dass Audi Softwaretricks aus seinen Dieselmodellen entfernen müsse, mit denen die Fahrzeuge offiziell sauber fuhren, aber auf der Straße die Abgasgrenzwerte deutlich überschritten. Die Behörde hatte daher den Rückruf Tausender Fahrzeuge angeordnet und Fristen zu Software-Updates für die Umrüstung vorgeschrieben.

Bis zum 26. September soll Audi laut Unternehmensangaben die letzten nötigen Unterlagen im Zusammenhang mit drei von acht Rückrufbescheiden einreichen. Die drei Bescheide aus dem Jahr 2017 hätten rund 20.000 der insgesamt 151.000 Fahrzeuge in Deutschland betroffen, für die Audi Rückrufe erhalten habe.

Schon wieder ein neuer Chef

Ab dem Frühjahr 2020 darf sich ein neuer Chef mit den Behörden herumschlagen. Voraussichtlich ab dem 1. April übernimmt der ehemalige BMW-Vorstand Markus Duesmann das Kommando in Ingolstadt und löst Bram Schot ab, der offiziell erst seit Anfang des Jahres im Amt war. Duesmann hatte bereits im Juli 2018 bei BMW gekündigt und gilt als Wunschkandidat des VW-Chefs Herbert Diess.

Markus Duesmann

Markus Duesmann. | Bildquelle: Imago

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die VW-Aktie verliert unterdessen am Montagmorgen leicht an Wert. Der Volkswagen-Konzern hatte sich mit Sammelklägern in Australien grundsätzlich auf einen Vergleich geeinigt. Die 100.000 vom Dieselskandal betroffenen australischen Kunden könnten im Schnitt bei Teilnahme aller Fahrzeuge mit einer Zahlung von 1.400 australischen Dollar (870 Euro) rechnen, teilte Volkswagen am Montag in Wolfsburg mit.

tb/dpa-AFX