H. J. Heinz Ketchup
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Aktien durchgeschüttelt wie Ketchup Kraft Heinz schockt mit Milliardenverlusten

Stand: 22.02.2019, 16:55 Uhr

Schöne Bescherung: Ausgerechnet zum 150. Geburtstag der Kultsauce serviert der Ketchup-Hersteller katastrophale Jahreszahlen. Wegen einer Milliarden-Abschreibung ist Kraft Heinz tief in die roten Zahlen gerutscht. Schuld sind ernährungsbewusstere Verbraucher.

Im frühen US-Handel stürzt die Aktie des Nahrungsmittelriesen um mehr als 28 Prozent ab. Damit bricht der Börsenwert des US-Konzerns um rund zwölf Milliarden Dollar ein. Seit den Hoch von 2017 hat er sich damit fast gedrittelt. Betroffen davon ist nicht zuletzt Investment-Legende Warren Buffett, Großaktionär des Konzerns. Der Multimilliardär hält mehr als 325 Millionen Aktien von Kraft Heinz – das Ketchup-Imperium ist die sechstgrößte Position im Portfolio von Buffetts Investmentvehikel Berkshire Hathaway.

Abschreibung von 16 Milliarden Dollar

Kraft Heinz erlitt 2018 einen überraschend hohen Verlust von 10,3 Milliarden Dollar (9,1 Milliarden Euro), nachdem es im Jahr zuvor noch einen Gewinn von knapp elf Milliarden Dollar gegeben hatte. Schuld daran ist eine 16 Milliarden US-Dollar hohe Abschreibung auf den Wert vieler Marken.

Kunden meiden Fastfood

Der Konzern musste nun vor allem den Wert der Marken Kraft und Oscar Meyer, einem Fleisch- und Wursthersteller, berichtigen. Abschreibungen auf Marken werden dann fällig, wenn der in der Bilanz aufgeführte Wert zum Beispiel wegen eines veränderten Konsumverhaltens nicht mehr so hoch geschätzt wird und deshalb korrigiert werden muss. Diese sogenannten Abschreibungen auf immaterielle Wertgegenstände beliefen sich bei Kraft Heinz im vergangenen Jahr auf knapp 8,7 Milliarden Dollar.

Problem mit dem Tiefgefrorenen

Weitere fast 7,3 Milliarden kamen durch Wertberichtigungen auf den geschätzten Wert von Unternehmenssparten dazu. Hier waren vor allem das Tiefgefrier- und Kühlgeschäft in den Vereinigten Staaten sowie das Geschäft in Kanada betroffen.

Abschreibungen sind erst einmal Buchungen in der Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung, führen aber nicht zu Zahlungen. Da der Verlust aber in der Bilanz gegen das Eigenkapital gerechnet wird, verschlechtern sie die finanzielle Lage eines Konzerns.

Um Kapital im Haus zu halten, kürzt Kraft Heinz deshalb die vierteljährliche Dividende von zuletzt 62,5 Cent auf 40 Cent. Damit will der Konzern finanziell flexibel bleiben, um zum Beispiel mögliche Verluste beim geplanten Verkauf von weiteren Randsparten auffangen zu können.

Marketing und Investitionen kosten viel Geld

Kraft Heinz rechnet im laufenden Geschäftsjahr wegen der höheren Ausgaben für Marketing sowie Investitionen in Innovationen und E-Commerce mit einem weiteren Rückgang des operativen Ergebnisses. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kalkuliert der Konzern derzeit mit zwischen 6,3 und 6,5 Milliarden Dollar. 2018 sank der Wert um neun Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Dollar.

Konzernchef Bernardo Hees verwies auf unerwartet hohe Kosten und überraschend niedrige Einsparungen. Auch der Nettoumsatz lag mit 6,89 Milliarden Dollar unter den Expertenprognosen.

SEC ermittelt wegen Buchhaltungspraktiken

Zudem wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht die Bilanzierungspraxis untersucht. Konkret geht es um die Buchhaltungspraktiken in der Beschaffungsabteilung. Der 2015 fusionierte Nahrungsmittelkonzern teilte mit, dass er eine interne Untersuchung in dieser Angelegenheit abgeschlossen hat, die zu einer separaten Belastung von 25 Millionen Dollar im abgelaufenen Quartal führte.

Kraft Heinz mit Sitz in Chicago ist nach eigenen Angaben der fünftgrößte Lebensmittel- und Getränkehersteller der Welt. Das Unternehmen beinhaltet neben Kraft und Heinz Marken wie Capri-Sun oder Philadelphia.

nb