Deutsche Bank und Commerzbank-Gebäude

Spekulationen über Bankenfusion Kommt bald die Deuba-Cobank?

Stand: 13.12.2018, 10:37 Uhr

Die neu aufgeflammte Fusionsfantasie zwischen Deutscher Bank und Commerzbank hat den geschundenen Papieren etwas Auftrieb gegeben. Doch wie wahrscheinlich ist das Szenario eines Bankenzusammenschlusses wirklich?

Neu entfacht wurde die eigentlich bereits archivierte Debatte über eine Fusion der beiden führenden deutschen Banken durch einen Artikel im Wochenmagazin Fokus. Wer ihn liest, wird jedoch wenig Neues zu dem Thema finden. Spekulationen über angebliche Bestrebungen der Bundesregierung, Deutsche Bank und Commerzbank zu einem Institut zu verschmelzen, gibt es schon seit vielen Monaten. Eine Bestätigung dafür hat es heute weder aus dem Finanzministerium noch aus dem Kanzleramt gegeben.

Es wäre auch überraschend, wenn Berlin plötzlich Industriepolitik "à la française" betreiben würde, eine in Deutschland weitgehend unbekannte Tradition, die darin besteht dass im Finanzministerium entschieden wird, wer mit wem zusammengehen darf oder sollte. Zudem handelt es sich bei einem der beiden Häuser, der Deutschen Bank, um ein zu Hundertprozent privatwirtschaftliches Unternehmen, an dem der Bund nicht beteiligt ist, und folglich auch keine Entscheidungsbefugnis besitzt.

Gedankenspiele der Regierung

Um die rechtlichen Voraussetzungen für eine aktive Rolle der Regierung zu schaffen, könnte der Bund dem "Focus“ zufolge zeitlich befristet auf etwa fünf Jahre bei der Deutschen Bank einsteigen und als größter Aktionär beider Häuser die Verschmelzung über einen Aktientausch vorantreiben. An der Commerzbank hält der Bund bereits gut 15 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
7,09
Differenz relativ
-0,63%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
5,30
Differenz relativ
-1,01%

Ein zweites Szenario sehe vor, dass sich die Deutsche Bank von Investoren wie etwa heimischen Industriekonzernen und möglicherweise vom Bund Geld für die Übernahme der Commerzbank besorgt. Zudem sei im Finanzministerium auch die Gründung einer Holding diskutiert worden, in die Deutsche Bank und Commerzbank statt eines Aktientauschs ihre Papiere einbringen und darüber verschmolzen werden könnten.

Erst Hausaufgaben machen

Das eigentliche Ziel einer solchen Aktion wäre es offenbar, eine feindliche Übernahme einer der beiden Banken durch einen ausländischen Konkurrenten zu verhindern. Im September hatte Finanzminister Olaf Scholz gesagt, dass Deutschland eine starke Bank brauche, um Exporte zu fördern - was die Fusionsdebatte anheizte. Dabei dürfte sich das Interesse eines Investors an einer Übernahme der beiden Häuser in Grenzen halten, angesichts sinkender Erträge, hoher Kosten und schwacher Renditen.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat wiederholt erklärt, eine Fusion sei in den nächsten zwölf bis 18 Monaten kein Thema. Zunächst müsse die Bank ihre eigenen Hausaufgaben machen. Bereits im September hatte Deutschlands größtes Geldinstitut Medienberichte über eine Fusion mit der UBS oder der Commerzbank als "fiktive Spekulation" zurückgewiesen.

"Fiktionen der Presse"

Finanzvorstand James von Moltke wies die Berichte heute als "Fiktionen der Presse" zurück. Er erklärte: "Ich muss sagen, dass wir in diesen Tagen immer wieder erstaunt sind, was durch die redaktionellen Filter geht und in die Presse gelangt". Ein Hintertürchen ließ sich von Moltke allerdings noch offen. Er erklärte, dass zunächst die Profitabilität der Bank gesteigert werden müsse. "Wenn das geschehen ist, können wir über andere Dinge reden", so der Finanzvorstand gegenüber ntv.

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Dass die Bank ihre Hausaufgaben noch nicht erledigt hat, zeigen die Nachrichten aus der vergangenen Woche. Durch die Verwicklung in den Danske-Skandal und eine Geldwäsche-Razzia im Zusammenhang mit den "Panama-Papers“-Enthüllungen fiel die Aktie auf ein neues Rekordtief.

Wertvernichter

Tatsächlich haben Anleger mit keiner anderen großen Bank-Aktie so viel Geld verloren wie mit jener der Deutschen Bank. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast die Hälfte an Wert eingebüßt. Damit ist Deutschlands Branchenprimus im internationalen Vergleich zu einem Zwerg geschrumpft. So ist die britische HSBC nahezu zehnmal so viel wert, die New Yorker Investmentbank JPMorgan beinahe 20mal so viel.

Daran dürfte eine Fusion mit der Commerzbank nur wenig ändern. "Wenn sich zwei kranke Banken zusammen tun, wird daraus noch lange kein gesundes Instutut", sagte Analyst Dieter Hein dem "Focus". Prinzipiell sei er nicht gegen einen Zusammenschluss. Für ihn komme es aber auf das Wie an. Zunächst müsste jede der zwei Banken für sich saniert werden. Danach könnte solch ein Schritt "sicherlich sinnvoll" sein.

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Die Skandale der Deutschen Bank Galerie: Von Peanuts, Fettnäpfen und dubiosen Deals

Hilmar Kopper 1994 auf der

"Peanuts" - schlappe 50 Millionen Mark
Der Ausspruch ist fast schon legendär:. "Wir reden hier eigentlich von Peanuts." Das Zitat stammt vom damaligen Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper. Als der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider pleite ging, gab es offene Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Millionen Mark , die die Deutsche Bank bezahlten wolle. Die Summe sei kein Problem für seine Bank. Im Prinzip richtig, für seine Bank waren es Peanuts im Vergleich zu den fünf Milliarden, die seine Bank durch den Betrug verloren hatte. Doch nicht nur für die Handwerker, die wegen solcher „Kleinigkeiten“ ihren Betrieb schließen mussten, war das daneben.
Für das Ansehen der Bank keine Glanzleistung. „Peanuts“ wurde 1994 zum „Unwort des Jahres gewählt."

lg