Kodak Zentrale

Aktie bricht ein Kodaks Neustart in Gefahr

Stand: 10.08.2020, 09:12 Uhr

Vor wenigen Wochen hatte das geplante Comeback des Fotopioniers in der Medizintechnik für einen irren Kurssprung gesorgt. Nun sackt die Aktie ab. Die US-Regierung hat den nötigen Millionen-Kredit für Kodak vorerst auf Eis gelegt.

Ende Juli sah es noch ganz danach aus, dass Eastman Kodak zu neuem Leben erweckt wird - als Pharmazulieferer. Künftig sollte der einstige Fotopionier, der inzwischen digitalen Druck anbietet, Inhaltsstoffe für Medikamente produzieren. So winkte Kodak im Rahmen des "Defence Production Act" ein 765 Millionen Dollar schwerer Kredit aus Staatsmitteln. In diesem Gesetzesprogramm wurden zuletzt Unternehmen dazu verpflichtet, während der Coronavirus-Pandemie medizinischen Bedarf herzustellen - mit dem Ziel, knappe Produkte zum Kampf gegen den Virus schneller verfügbar zu machen. US-Präsident Donald Trump präsentierte den Kredit für Kodak bei einer Pressekonferenz als einen "Durchbruch in den Bemühungen, Pharmaproduktion in die USA zurückzubringen". Trump griff für den Kredit auf den Defence Production Act aus den 50er Jahren zu, der dem Präsidenten Vollmachten gibt, die Herstellung wichtiger Güter zu organisieren.

Investitionsagentur will Vorwürfe klären

Nun jedoch ist fraglich, ob Kodak den Millionenkredit überhaupt bekommt. Vorerst hat die US-Regierung ihn auf Eis gelegt. Die Investitionsagentur DFC teilte am Wochenende mit, dass erst alle Vorwürfe von Fehlverhalten rund um den Deal ausgeräumt werden müssten, bis die Mittel vergeben werden.

Kurz vor Bekanntgabe der Kreditpläne hatte es einen deutlich regeren Handel mit Kodak-Aktien als gewohnt gegeben, der Kurs zog kräftig an. Einige lokale Medien waren von Kodak vorab informiert worden und veröffentlichten nach Verwirrung über Sperrfristen zu früh Tweets und Artikel, die schnell wieder gelöscht wurden. US-Senatorin Elizabeth Warren forderte eine Untersuchung der Geschäfte vor Bekanntgabe der Kreditpläne durch die Börsenaufsicht SEC. Nach Information des "Wall Street Journal" schaut sich die Behörde den Sachverhalt an. Kodak kündigte am Freitag eine eigene Untersuchung der Abläufe an.

Aktie stürzt um 37 Prozent ab

Die Kodak-Aktie sackt zu Wochenbeginn an der Frankfurter Börse um 37 Prozent auf rund acht Euro ab. Der Titel war im Zuge der Spekulationen um ein Revival des Foto-Pioniers bis auf fast 60 Dollar nach oben geschossen, bevor er zuletzt auf 15 Dollar wieder abstürzte. Als einige Tage nach Unterzeichnung der Absichtserklärung klar wurde, wie viele Konditionen Kodak für den Kredit erfüllen muss, ging die Aktie jedoch auf rasante Talfahrt. Zuvor war der Kodak-Kurs jahrelang bei um die zwei Dollar gependelt.

Während zunächst der Eindruck entstand, dass der Deal stehe, ging aus der Absichtserklärung unter anderem hervor, dass Kodak das Geld mit seinen Werten absichern müsste und das Prüfverfahren für die Kreditvergabe noch läuft. Die DFC (International Development Finance Corporation) machte zunächst keine Angaben dazu, welche Vorwürfe genau ihre Entscheidung auslösten.

nb