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Zweitgrößter Börsengang des Jahres? Knorr-IPO kaum noch zu bremsen

Stand: 31.07.2018, 15:06 Uhr

Noch herrscht am deutschen IPO-Markt sommerliche Flaute. Bald aber könnte sich wieder was tun. Der Bremsenhersteller Knorr-Bremse bereitet Insidern zufolge den zweitgrößten Börsengang des Jahres hierzulande vor.

Schon in den ersten zwei August-Wochen seien Analysten zu Treffen mit dem Management des weltgrößten Herstellers von Zug- und Lkw-Bremsen eingeladen worden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Analysten nutzen die vertraulichen Treffen mit dem Management, um aus den Informationen den Wert des Unternehmens zu errechnen. Die endgültige Entscheidung will Mehrheitseigentümer Heinz Hermann Thiele nach den bayerischen Schulferien treffen, die am 10. September enden. Rund vier Wochen später könnte die Knorr-Bremse-Aktie dann an der Frankfurter Börse notiert sein.

Voraussichtlich vier Milliarden Euro Erlöse

Der Börsengang von Knorr könnte vier Milliarden Euro einbringen. Damit wäre der Bremsenhersteller das zweitgrößte IPO in Deutschland nach der 4,2 Milliarden Euro schweren Neuemission von Siemens Healthineers im Frühjahr. Laut Insidern könnte Knorr-Bremse beim Börsengang mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet werden. Rund ein Viertel der Aktien soll platziert werden.

Ein Indiz für den nahenden Börsengang könnte auch die kürzlich ausgeschüttete Sonderdividende sein. Für das vergangene Jahr hatten sich Thiele und seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff 850 Millionen Euro Dividende ausschütten lassen, davon 500 Millionen als Sonderausschüttung. Die Familie würde auch die Erlöse aus dem IPO einstreichen.

Wofür braucht Thiele das Geld?

Dabei bräuchte Thiele eigentlich das Geld gar nicht. Nach Angaben von Forbes ist der 77-jährige Multimilliardär mit einem Privatvermögen von 16 Milliarden Dollar der siebtreichste Deutsche.

Heinz-Hermann Thiele

Heinz-Hermann Thiele. | Bildquelle: Imago

Thiele will mit dem Börsengang seine Nachfolge regeln. Gespräche über einen Verkauf von Knorr-Bremse an Konkurrenten wie ZF Friedrichshafen, Conti und Bosch waren Insidern zufolge im Sande verlaufen. Auch eine Aufspaltung von Knorr-Bremse mit einem Verkauf des Zug-Geschäfts wurde verworfen.

Knorr-Bremse hatte bereits im vergangenen Jahr die Deutsche Bank, JPMorgan und Morgan Stanley mandatiert, um den Börsengang zu organisieren. Für den Verkauf der Aktien wurden inzwischen auch UniCredit, Commerzbank, UBS und Berenberg an Bord geholt.

Von Berlin nach München

Das Unternehmen hat eine lange Tradition. Knorr-Bremse wurde 1905 in Boxhagen-Rummelsburg bei Berlin gegründet und entwickelte sich zwischen den Weltkriegen zum größten Bremsen-Bau-Unternehmen Europas. In den 60er Jahren wurde ein Teil des Konzerns nach München verlagert. 1985 übernahm Thiele den Konzern.

2017 stieg der Umsatz um 13,5 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Der Gewinn erhöhte sich um 5,5 Prozent auf 580 Millionen Euro. In diesem Jahr peilt der Vorstand mindestens 6,4 Milliarden Euro an Erlösen und eine etwas höhere Gewinnmarge ein.

Der Konzern beschäftigt weltweit rund 28.000 Mitarbeiter, davon alleine 5.700 in Deutschland. Sie sind nicht tarifgebunden und arbeiten 42 Stunden die Woche. Anderswo gilt meist die 35-Stunden-Woche.

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Die nächsten Börsenkandidaten IPO-Pipeline

Govecs Roller

Govecs
Der Elektroroller-Hersteller Govecs will mit seinem Börsengang bis zu 90 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion in Polen einsammeln. Das 2009 gegründete Unternehmen aus München legte die Preisspanne für die bis zu 7,5 Millionen Aktien umfassende Emission auf 10,00 bis 12,00 Euro fest. Govecs hat die Zeichnungsfrist für seinen geplanten Börsengang um sechs Wochen verlängert. Der Konzern hofft, damit mehr Investoren für seine Aktien zu begeistern. Anleger haben nun bis zum 8. November Zeit, die Papiere des Münchner Börsenkandidaten zu zeichnen, wie Govecs jüngst mitteilte. "Die Gesellschaft befindet sich aktuell in Verhandlungen mit Kunden und strategischen Partnern, welche bei Abschluss positive Auswirkungen auf das operative Geschäft haben könnten", begründete Firma den ungewöhnlichen Schritt.

Nach dem IPO sollen bis zu 62 Prozent der Anteile im Streubesitz sein. Bis zu 75 Millionen Euro sollen Govecs selbst zufließen, der Rest geht an den bisherigen Hauptaktionär DQuadrat, die Investmentfirma der Eigentümer-Familie des Baukonzerns Wolff & Müller aus Ludwigsburg.

nb

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Das sind die deutschen Champions Studie des Beratungsunternehmens Accenture

<strong>Dürr</strong><br/>Zu den Unternehmen die in den vergangenen drei Jahren beim Umsatzwachstum den Durchschnitt der eigenen Branche übertroffen haben und zugleich höhere Gewinne als der jeweilige Branchendurchschnitt eingefahren haben, gehört der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr. Zwar ging es mit der im MDax enthaltenen Aktie in den vergangenen Monaten kräftig bergab, doch das hält Analyst Jasko Terzic vom Bankhaus Metzler für übertrieben. Er hat deshalb die Aktie  von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 47 auf 45 Euro gesenkt. Die Bewertung der Papiere sei attraktiv, Gewinnrisiken mehr als angemessen eingepreist, zumal sich die Nachrichtenlage aus dem Automobilbereich wieder bessere - bislang der größte Sorgenfaktor des Unternehmens.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Dürr
Zu den Unternehmen die in den vergangenen drei Jahren beim Umsatzwachstum den Durchschnitt der eigenen Branche übertroffen haben und zugleich höhere Gewinne als der jeweilige Branchendurchschnitt eingefahren haben, gehört der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr. Zwar ging es mit der im MDax enthaltenen Aktie in den vergangenen Monaten kräftig bergab, doch das hält Analyst Jasko Terzic vom Bankhaus Metzler für übertrieben. Er hat deshalb die Aktie von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 47 auf 45 Euro gesenkt. Die Bewertung der Papiere sei attraktiv, Gewinnrisiken mehr als angemessen eingepreist, zumal sich die Nachrichtenlage aus dem Automobilbereich wieder bessere - bislang der größte Sorgenfaktor des Unternehmens.