Heinz Hermann Thiele

Knorr-Bremse-Anteil verkauft Was plant Thiele mit der Lufthansa?

Stand: 19.06.2020, 12:50 Uhr

Der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele besorgt sich vor der außerordentlichen Hauptversammlung zum Staatseinstieg in der kommenden Woche frisches Geld. Damit sollen Thieles andere private Investments unterstützt werden. Was bedeutet das für die Lufthansa?

Die vom Milliardär Heinz-Hermann Thiele kontrollierte KB Holding hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, acht Millionen Aktien von Knorr-Bremse zu verkaufen. Der Ertrag der Transaktion solle der Unterstützung der anderen privaten Investments von Thiele dienen, hieß es in der Mitteilung.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am späten Donnerstagabend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente gemeldet, dass der Preis für die verkauften Papiere bei 91 Euro je Anteilschein liege. Der Erlös für Thiele beträgt damit mehr als 700 Millionen Euro. Der Schlusskurs der Knorr-Bremse-Aktie im Xetra-Hauptgeschäft lag bei 95,31 Euro.

Der Rettungsplan gefällt Thiele nicht

Am Dienstagabend war bekannt geworden, dass der bekannte Milliardär seinen Anteil an der Lufthansa kräftig auf 15 Prozent aufgestockt hatte. Tiehle forderte anschließend, den Lufthansa-Rettungsplan nochmals nachzuverhandeln. Er kritisierte, Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe nicht intensiv genug mit dem Staat verhandelt. Der Konzern hatte daraufhin vor einem Scheitern des staatlichen Rettungspakets gewarnt.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung sei nicht ausgeschlossen, sollten die Aktionäre nicht zustimmen, hieß es. Die Fluggesellschaft befürchtet, dass Thiele angesichts der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptsammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

Der neun Milliarden Euro umfassende Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Olaf Scholz: Eigentum verpflichtet - der Aktionär Thiele möchte den Finanzminister sprechen. | Bildquelle: imago images / Reiner Zensen

Im Gegenzug für die Hilfe muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben. Spohr will den Anteilseignern zudem ein Sparkonzept präsentieren. Es drohen Stellenabbau und herbe Einschnitte.

Heinz-Hermann will mit Olaf reden

Nun wird darüber spekuliert, ob Thiele das frische Geld dazu nutzen könnte, seine Position bei der Lufthansa noch einmal auszuweiten.Einem Zeitungsbericht zufolge sucht er das Gespräch mit der Bundesregierung. Es werde nach einem Termin gesucht, an dem Thiele mit Finanzminister Olaf Scholz zusammentreffen könne, berichtete das "Handelsblatt" am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise. Das Treffen solle möglichst noch diese Woche stattfinden.

Die Bundesregierung will sich nicht zu möglichen Gesprächen über die Lufthansa-Rettung mit Großinvestor Heinz Hermann Thiele äußern. Man äußere sich in solchen Verfahren grundsätzlich über einzelne Schritte nicht, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Daher könne man etwaige Gespräche weder bestätigen, noch dementieren oder diese kommentieren.

Unterdessen fordern Flugbegleiter und Piloten die Unterstützung aller Lufthansa-Aktionäre zum Rettungspaket für die angeschlagene Airline. Die Kabinen-Gewerkschaft UFO und die Vereinigung Cockpit (VC) appellierten am Freitag jeweils an die Anteilseigner, bei der Hauptversammlung am 25. Juni für die staatlichen Hilfen von bis zu neun Milliarden Euro zu stimmen.