Heinz-Hermann Thiele
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Gelungenes Börsendebüt Knorr-Bremse-IPO macht die Thieles noch reicher

Stand: 12.10.2018, 18:19 Uhr

Der Mut des Bremsenherstellers Knorr und der beratenden Banken, trotz heftiger Marktturbulenzen am geplanten Börsengang festzuhalten, hat sich ausgezahlt: Der erste Kurs am Morgen lag knapp über dem Ausgabepreis.

Der erste Xetra-Kurs wurde mit 80,10 Euro angegeben, zehn Cent über dem Ausgabepreis von 80 Euro, der in etwa in der Mitte der Platzierungspanne von 72 bis 87 Euro gelegen hatte. Danach bauten die Papiere ihre Gewinne sogar aus und stiegen im Vergleich zum Ausgabepreis um zwei Prozent auf 81,87 Euro. Am Ende des Handelstages stand das Papier bei 81,64 Euro.

Das Unternehmen hatte die Zeichnungsfrist verkürzt, nachdem die Aktien um ein Vielfaches überzeichnet waren. Kurz nachdem die Bücher geschlossen wurden, gingen die Aktienmärkte in die Knie. Am heutigen Tag der Erstnotiz starten die Kurse zu einem Erholungsversuch, wovon auch Knorr profitiert.

Zweitgrößter Börsengang des Jahres

Bei insgesamt rund 48 Millionen platzierten Aktien beläuft sich Volumen des Börsengangs auf knapp 3,9 Milliarden Euro. Das war etwas weniger als beim bisher größten Börsengang in Frankfurt in diesem Jahr: Siemens Healthineers hatte im März 4,2 Milliarden Euro eingebracht. Insgesamt ist Knorr-Bremse nach den anfänglichen Kursgewinnen an der Börse rund 13 Milliarden Euro wert.

Der Löwenanteil an Aktien verbleibt in den Händen von Unternehmer Heinz Hermann Thiele. Er kontrollierte nach dem Börsengang indirekt 70 Prozent von Knorr Bremse. Dem Bremsenhersteller selbst fließt kein Geld aus dem Börsengang zu, der gesamte Erlös geht an den Verkäufer.

Kein Zug fährt ohne Knorr-Bremse

Unternehmszentrale Knorr-Bremse in München

Knorr-Bremse in München.

Vor gut zwei Jahren hatte der heute 77-Jährige den Aufsichtsratsvorsitz abgegeben und fungiert seitdem als Ehrenvorsitzender des Kontrollgremiums. Thiele hatte als Vorstandsvorsitzender in den 80er-Jahren das Unternehmen in einer Krise übernommen.

Knorr-Bremse stellt Bremsen für Züge und Lkws her, daneben hat das Unternehmen unter anderem auch Zugtüren, Heizungs- und Lüftungssysteme im Angebot. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Bremssysteme in Schienenfahrzeugen und bei Druckluftbremsen im Lkw. Knorr-Bremse hatte zur Jahresmitte knapp 29.000 Mitarbeiter, davon rund 80 Prozent außerhalb Deutschlands. Vergangenes Jahr erzielte der Konzern 6,2 Milliarden Euro Umsatz, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei gut 1,1 Milliarden Euro.

lg

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Die nächsten Börsenkandidaten IPO-Pipeline

Govecs Roller

Govecs
Der Elektroroller-Hersteller Govecs will mit seinem Börsengang bis zu 90 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion in Polen einsammeln. Das 2009 gegründete Unternehmen aus München legte die Preisspanne für die bis zu 7,5 Millionen Aktien umfassende Emission auf 10,00 bis 12,00 Euro fest. Govecs hat die Zeichnungsfrist für seinen geplanten Börsengang um sechs Wochen verlängert. Der Konzern hofft, damit mehr Investoren für seine Aktien zu begeistern. Anleger haben nun bis zum 8. November Zeit, die Papiere des Münchner Börsenkandidaten zu zeichnen, wie Govecs jüngst mitteilte. "Die Gesellschaft befindet sich aktuell in Verhandlungen mit Kunden und strategischen Partnern, welche bei Abschluss positive Auswirkungen auf das operative Geschäft haben könnten", begründete Firma den ungewöhnlichen Schritt.

Nach dem IPO sollen bis zu 62 Prozent der Anteile im Streubesitz sein. Bis zu 75 Millionen Euro sollen Govecs selbst zufließen, der Rest geht an den bisherigen Hauptaktionär DQuadrat, die Investmentfirma der Eigentümer-Familie des Baukonzerns Wolff & Müller aus Ludwigsburg.