Airbus A320

Immer mehr Bestellungen Knackt Airbus die 1.000er-Marke?

Stand: 19.12.2019, 14:47 Uhr

Während Boeing die Produktion seines einstigen Verkaufsschlagers 737 MAX einfrieren muss, kann sich Konkurrent Airbus vor Neubestellungen kaum retten. Dennoch könnte sich die Bundeswehr für ein US-Kampfflugzeug entscheiden.

Airbus-Vertriebschef Christian Scherer geht davon aus, dass die Zahl der Bestellungen in diesem Jahr an die 1.000er-Marke heranreichen könnte. Bis Ende November seien bereits 940 Neubestellungen eingegangen. Stornierungen sind in dieser Zahl noch nicht berücksichtigt.

Scherer äußerte sich zufrieden mit den Vertriebszahlen, obwohl die neuen Zollschranken dem Konzern Kopfzerbrechen bereiten. Airbus konnte trotz der von den USA erhobenen und angedrohten Zölle Verkaufserfolge bei US-Fluggesellschaften erzielen.

"Profitieren nicht von Boeing"

Vermutungen, der deutsch-französische Flugzeugbauer profitiere von den Problemen des Konkurrenten Boeing, dessen Modell 737 MAX noch immer am Boden bleiben muss, wies Scherer zurück. Vielmehr leide die ganze Branche darunter. "Wir sind eine Wachstumsindustrie. Wenn man da Mitspieler seine Rolle nicht erfüllt, ist das extrem destruktiv."

Derweil droht den deutschen Airbus-Standorten Ungemach, weil sich ausgerechnet die Bundeswehr für den amerikanischen Kampfjet F18 entscheiden könnte. Statt sich wie selbstverständlich für den deutsch-französischen Eurofighter zu entscheiden, hat die Bundesregierung ihre Entscheidung verschoben - und das bei einer aus dem Saarland stammenden Verteidigungsministerin.

Zukunft der gesamten militärischen Luftfahrtindustrie gefährdet

Betriebsratschef Thomas Pretzl läutete deshalb die Alarmglocke. Es gehe bei diesem Projekt nicht nur um Stellenabbau: "Die Zukunft der gesamten militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland entscheidet sich an der Frage, ob die Bundeswehr den Eurofighter oder die amerikanische F18 als Nachfolger für den Tornado kauft", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Die Bundesregierung - mit Abstand wichtigster Kunde im Rüstungsgeschäft von Airbus will im März eine Entscheidung treffen. Die Debatte über den Kauf des US-Fliegers F18 komme aus der Bundesluftwaffe und der CDU/CSU, sagte der Ingolstädter IG-Metall-Chef Bernhard Stiedl.

Eurofighter

Eurofighter. | Bildquelle: Imago

Dabei gefährde der Kauf der F18 Arbeitsplätze im Airbus-Werk Manching und darüber hinaus auch den Bau des von Deutschland und Frankreich gemeinsam geplanten Eurofighter-Nachfolger FCAS, weil Ingenieurskompetenzen in Deutschland wegbrechen würden. Auch beim Airbus-Hubschrauberbauer Eurocopter wanderten Ingenieursleistungen von Donauwörth nach Frankreich.

Wäre in keinem anderen Land der Erde möglich

Airbus Defence und Space beschäftigt in Manching bei Ingolstadt 5.000 Mitarbeiter, in Ottobrunn bei München, Friedrichshafen am Bodensee und Bremen je 2.000 Mitarbeiter und weitere 23.000 in Frankreich, Spanien und England. Betriebsratschef Pretzl sagte, mit einer Entscheidung für die F18 würde auch FCAS nicht gebaut werden, und dann sei der Standort Manching obsolet: "Wir wären dann nur noch eine Wartungsbude."

"Keine Regierung in keinem anderen Land der Erde würde ein fremdes Kampfflugzeug kaufen, wenn es ein eigenes hat."

lg