Aufgebrochene, rissige Erde im Norden von Kenia - Auswirkungen des Klimawandels

BIZ-Studie Klimawandel könnte nächste Finanzkrise auslösen

von Notker Blechner

Stand: 22.01.2020, 14:43 Uhr

Jetzt schlägt auch die Zentralbank der Zentralbanken Alarm in Sachen Klima. Die BIZ warnt vor möglichen katastrophalen Folgen des Klimawandels und fordert die Notenbanken auf, Maßnahmen zu ergreifen.

Bisher fürchtete sich die Finanzwelt vor dem "schwarzen Schwan", also einem unvorhergesehenen Ereignis wie zum Beispiel die Lehman-Pleite, die zur Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 führte. Nun dürfte sie auch künftig vor dem "grünen Schwan" zittern. Der Klimawandel, insbesondere die Zunahme und Intensität extremer Wetterereignisse könnte nicht vorhersehbare Konsequenzen und unumkehrbare finanzielle Verluste auslösen, heißt es in der Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der französischen Zentralbank.

Grüner Schwan

Grüner Schwan. | Bildquelle: colourbox.de

Ein solcher "grüner Schwan" würde womöglich die Notenbanken zwingen, als "Klimaretter der letzten Instanz" Bestände an abgewerteten Geldanlagen zu übernehmen, um das Finanzsystem zu bewahren, schreiben die Autoren der Studie.

Vorsicht "grüner Schwan"!

Anders als beim "schwarzen Schwan" sei es beim "grünen Schwan" relativ sicher, dass Klimarisiken in Zukunft eintreten. Unklar sei nur das genaue Ausmaß.

Noch dramatischer ausgedrückt: "Der Klimawandel könnte die Ursache für die nächste systemische Finanzkrise sein", warnt die BIZ. Sollte die Erderwärmung irreversible Niveaus überschreiten, könnte es zu katastrophalen Auswirkungen kommen, die die Schätzung der finanziellen Schäden unmöglich mache.

Francois Villeroy de Galhau

Francois Villeroy de Galhau. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Wir alle verlieren den Kampf gegen den Klimawandel", erklärte Francois Villeroy de Galhau fast schon resignierend. Die Banque de France und die BIZ appellieren an die Notenbanken, stärker mit anderen gesellschaftlichen Institutionen und der Privatwirtschaft zu kooperieren. Die Notenbanken sollten auch mehr fiskalisches Engagement beim ökologischen Umbau einfordern.

Klimarisiken bei Kredit-Regeln berücksichtigen

Villeroy de Galhau, Frankreichs oberster Währungshüter, machte sich für eine Berücksichtigung von Klimarisiken bei den Kredit-Regeln der EZB stark. Villeroy de Galhau zufolge sollte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Vorschriften für zulässige Sicherheiten überarbeiten, denen Geschäftsbanken für Zentralbank-Kredite unterliegen. Zudem sollten aus seiner Sicht der Klimawandel und damit verbundene Risiken in allen Konjunktur-Prognosen der Euro-Notenbank berücksichtigt werden.

 Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Eine "grüne Geldpolitik", wonach die EZB im Rahmen ihrer Wertpapier-Kaufprogramme vor allem "grüne" Anleihen erwerben sollte, lehnen allerdings BIZ und Banque de France ab. Das könne zu verzerrenden Effekten führen, sagte BIZ-Vize Luiz Pereira da Silva. Die Zentralbanken könnten aber immerhin prüfen, inwieweit sie überschüssige Währungsreserven in Green Bonds investieren.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich unlängst gegen Vorschläge aus, die EZB solle bei ihren Anleihenkäufen umweltpolitische Ziele verfolgen. Die Käufe müssten sich nach dem Grundsatz der Marktneutralität richten. Eine Geldpolitik, die unweltpolitische Ziele anstrebe, läuft aus seiner Sicht Gefahr, sich zu übernehmen.

Ähnlich kritisch äußert sich die BaFin. Ihr Chef Felix Hufeld warnte kürzlich davor, bei Finanzprodukten mit einem ökologischen Hintergrund die dahinter stehenden Risiken auszublenden. "Wer eine Investitionseuphorie entfacht, die blind macht für Risiken, wer grüne Investitionen und Kredite losgelöst von ihren Risiken pauschal privilegiert, etwa mit einem Bonus bei der Kapitalunterlegung, wer diesen Weg beschreitet, der wählt den Weg in die nächste Krise - und schadet der Nachhaltigkeit." Hier seien internationale Standards wichtig. "Was nachhaltig ist und was nicht, legen wir nicht in einem deutschen Soloauftritt verbindlich fest."

Debatte um grüne Geldpolitik

Christine Lagarde

Christine Lagarde . | Bildquelle: boerse.ARD.de

Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigt sich offen für ein stärkeres grünes Engagement der Notenbank. "Klimawandel und Umweltschutz sollten für jede Institution im Mittelpunkt stehen", sagte "Madame Euro" bei ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament Manche Marktbeobachter interpretieren die Aussagen dahingehend, dass die EZB künftig verstärkt Green Bonds kaufen wird. Als Vorreiter einer grünen Geldpolitik gilt der scheidende britische Notenbankchef Mark Carney.

Romain Boscher, globaler Aktienstratege von Fidelity, rechnet in absehbarer Zeit mit "Green QE", also einer grünen Variante des umstrittenen Anleihenkaufprogramms. Die EZB suche nach Alternativen, um im Rahmen ihrer ultralockeren Geldpolitik neue solide Anleihen zu kaufen. Da sei "Green QE" ein willkommener Vorwand, meint er.