Wintermode von Moncler
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Übernahmefantasie im Modesektor Zieht sich Kering jetzt auch noch Moncler an?

Stand: 05.12.2019, 15:49 Uhr

In der Luxusbranche ist kein Platz mehr für Eitelkeiten. Immer mehr Edelmarken geraten ins Übernahmevisier. Nachdem Tiffany von LVMH geschluckt wurde, könnte nun auch der Luxusjacken-Anbieter Moncler französisch werden. Doch die Italiener wehren sich.

Moncler spielte Spekulationen über eine Übernahme durch die Gucci-Mutter Kering herunter. Die beiden Unternehmen sprächen zwar manchmal miteinander, es sei aber kein Deal in Arbeit, sagte Moncler-Vorstandschef Remo Ruffini am Nachmittag.

Dementi von Herrn Ruffini

Er pflege zwar von Zeit zu Zeit Kontakt mit Investoren und anderen Unternehmen aus der Branche, auch mit Kering, um strategische Chancen auszuloten und ein erfolgreiche Entwicklung von Moncler voranzutreiben. Derzeit würden aber keine konkreten Pläne verfolgt, sagte Ruffini, der Moncler 2003 gekauft hatte. Kering wollte sich nicht dazu äußern.

Laut einem Medienbericht hat der französische Luxuskonzern Kering die Fühler nach Moncler ausgestreckt. Es seien erste Gespräche über eine mögliche Übernahme geführt worden, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwochabend unter Berufung auf Insider. Ob es zu einem Zusammenschluss komme, sei aber noch nicht sicher.

Mode-Aktien heiß begehrt

Moncler-Aktien sprangen am Donnerstag um mehr als zwölf Prozent auf ein Rekordhoch von 43,61 Euro. In ihrem Windschatten gewannen die Titel der italienischen Modefirmen Salvatore Ferragamo und Tod's jeweils mehr als vier Prozent. Die Übernahmefantasie erfasste auch deutsche Modetitel. Die Papiere von Hugo Boss zogen um gut drei Prozent an und gehörten zu den Top-MDax-Gewinnern.

Die Aktien von Kering stiegen ebenfalls. Die Analysten bewerten den möglichen Deal positiv. Der italienische Modehersteller würde gut zum französischen Luxusgüter-Konglomerat passen, meint das Analysehaus Kepler Cheuvreux. Es belässt die Kering-Aktien auf "Buy" mit einem Kursziel von 600 Euro. Auch die Experten von Bernstein Research stufen Kering weiter auf "Outperform" mit einem Kursziel von 540 Euro. Ein Kauf des sehr gut dastehenden italienischen Modeunternehmens würde die starke Abhängigkeit des französischen Luxusgüterkonzerns von seiner Kernmarke Gucci verringern, schrieb Analyst Luca Solca in einer Studie. Allerdings würde sich dadurch nichts an den ungelösten Kering-Problemen im "harten" Luxusgütersegment mit Uhren und Schmuck ändern.

Moncler würde Kering gut stehen

Sollte der Moncler-Deal zustande kommen, würde Kering eine Marke dazu bekommen, deren Wachstum im letzten Jahrzehnt enorm war und selbst im boomenden Luxussektor herausragte. Die Italiener sind vor allem für ihre dicken und hochpreisigen Winterjacken bekannt, bieten aber auch Schwimmbekleidung und Schuhe an.

Hinter dem Unternehmen mit französischen Wurzeln steht Remo Ruffini, der Moncler im Jahr 2003 kaufte und zu einer der angesagtesten Luxusmarken umbaute. Die Italiener sind überall dort vertreten, wo die Reichen gerne einkaufen - etwa auf dem Rodeo Drive in Beverly Hills, in den französischen Alpen in Chamonix oder auch mit vielen Läden in China, wo die Kunden stark an Luxuswaren interessiert sind und das Wachstum der Branche antreiben. Moncler hat in diesem Jahr fast 50 Prozent an Wert gewonnen und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 11 Milliarden Euro.

LVMH bringt Übernahmekarussell in Schwung

Der Moncler-Zukauf würde Kering helfen, mit seinem großen Rivalen LVMH Schritt zu halten. Erst vor wenigen Tagen hatte der Kering-Konkurrent die Übernahme des US-Juweliers Tiffany unter Dach und Fach gebracht. Mit einem Preis von 16,2 Milliarden US-Dollar wäre dies der teuerste Deal aller Zeiten im Luxussegment.

Die Rivalität zwischen LVMH-Chef Bernard Arnault und Francois Pinault, Vater von Kering-Chef Francois-Henri und gleichzeitig den Konzern kontrollierender Anteilseigner, hat die Transformation des Luxussektors in den letzten Jahrzehnten angetrieben. Die beiden französischen Großkonzerne hatten sich dabei ein Wettrennen im Zukauf von Marken geliefert und ihr Portfolio stetig erweitert.

LVMH ist der weltgrößte Luxusgüterkonzern. Kering rangiert laut Deloitte nur auf Platz vier im Ranking der Luxusriesen – gemessen an den Verkäufen.

nb

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Das Luxusimperium von Kering Von Gucci bis Ulysse Nardin

Gucci-Shop in Hongkong

Gucci
Die wichtigste Marke für Kering ist Gucci. Der 2004 übernommene italienische Modehersteller macht über die Hälfte des Konzernumsatzes und das Gros der Gewinne des französischen Luxusgüterkonzerns aus. Alleine im ersten Halbjahr scheffelte Gucci ein Betriebsergebnis von fast 1,9 Milliarden Euro - rund 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings hat sich das Umsatzwachstum zuletzt etwas abgeschwächt. Das bremste kurzzeitig den Höhenflug der Kering-Aktie. Neben Luxusmode bietet Gucci edle Handtaschen, teure Parfums, Schmuck, Luxusuhren und Designer-Brillen.