Vollgelaufene Boote im Hafen von Rockport, Texas als Folge des Tropensturms
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Versicherer und Ölpreis im Visier Keine Angst vor Harvey

Stand: 28.08.2017, 15:25 Uhr

Der Hurrikan Harvey und nachfolgende Regenmassen haben in Texas große Schäden angerichtet. Noch ist das ganze Ausmaß nicht abzusehen, doch die Anleger von Versicherern und Ölfirmen reagieren zunächst gelassen.

Die Aktien der weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück und Swiss Re verlieren am Morgen 0,8 Prozent und damit nur wenig mehr als der Gesamtmarkt. Hannover Rück, die weltweite Nummer drei, verliert 1,5 Prozent. Die Papiere der Erstversicherer wie der Allianz oder Axa bewegen sich mit dem Markt, reagieren somit kaum auf die Katastrophenmeldungen aus Texas.

Tatsächlich ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen. Zwar hat der Sturm nachgelassen, doch dürfte ein unablässig fallender Starkregen zu Überschwmmungen führen. In der Region um Houston sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor den Wassermassen.

Geringere Schäden als Katrina

Dennoch geben einige Experten bereits Entwarnung. Die Schäden durch "Harvey" dürften nach Einschätzung der Hannover Rück deutlich unter denen von Hurrikan "Katrina" vor zwölf Jahren liegen. Die Kosten seien "weit entfernt" von den Größenordnungen von "Katrina" oder "Sandy" im Jahr 2012, sagte eine Sprecherin des Rückversicherers am Montag. "Katrina" hatte die Branche knapp 80 Milliarden Dollar gekostet, "Sandy" 36 Milliarden Dollar. Ein Brancheninsider, der nicht namentlich genannt werden wollte, erwartet durch "Harvey", der am Wochenende in Texas schwere Verwüstungen angerichtet hatte, Schäden in Höhe von rund drei Milliarden Euro.

Dem "Wall Street Journal" zufolge stehen die Versicherer finanziell so gut da, dass sie der Wirbelsturm nicht allzu schwer treffen dürfte. Die Experten vom Analysedienst CoreLogic rechnen mit versicherten Immobilienschäden in einem Volumen von ein bis zwei Milliarden Dollar. Der Wirbelsturm "Ike" aus dem Jahr 2008 habe die Versicherer 11 Milliarden Dollar gekostet.

Analysten belassen Versicherer unverändert

Die Deutsche Bank hat ihre Einstufungen für die Versicherer, darunter die Münchener Rück, unverändert gelassen. Mit der Kategorie 4 sei der Wirbelsturm zunächst etwas stärker als erwartet aufs Festland getroffen, schrieb Analyst Frank Kopfinger. Es deute sich aber an, dass die überwiegende Mehrheit der Schäden von Überschwemmungen stammen werde.

Diese würden generell nicht vom Privatsektor, sondern einem staatlichen Versicherungsprogramm getragen. Ähnlich hatte sich zuvor auch die französische Investmentbank Exane BNP Paribas geäußert.

Ölpreise kaum betroffen

Die Ölpreise haben sich uneinheitlich gezeigt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 52,56 US-Dollar. Das waren 15 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel hingegen um 17 Cent auf 47,46 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,65
Differenz relativ
-5,47%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,71
Differenz relativ
-5,46%

Deutlicher sind die Auswirkungen für die Autofahrer. An den Zapfsäulen in den USA kletterten die Benzinpreise um sieben Prozent auf1,7799 Dollar je Gallone (3,8 Liter) - so hoch wie zuletzt vor zwei Jahren. Wegen "Harvey" mussten zahlreiche Raffinerien an der Golfküste der USA ihren Betrieb einstellen. Schätzungen zufolge liegen derzeit Kapazitäten von mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag still. Dies entspricht etwa einem Drittel der Raffinerie-Leistung in den Bundesstaaten Texas und Louisiana. Die Schäden an den Anlagen könnten erheblich sein und ihre Behebung länger dauern, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda.

Fördergebiete ins Landesinnere verlegt

Nach Einschätzung des Experten Mark Pervan vom australischen Analysehaus AME Group hat der Wirbelsturm aber nicht mehr so starke Auswirkungen auf die Ölpreise wie Hurrikane in den vergangenen Jahren. In den USA habe sich der Schwerpunkt der Ölförderung zuletzt zunehmend auf das Landesinnere verlagert. Die Fördergebiete am Golf von Mexiko haben daher für die Ölproduktion des Landes an Bedeutung verloren.

lg