Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

Ausblick zweites Halbjahr Pro: Keine Angst vor Einbrüchen

Stand: 03.07.2018, 16:04 Uhr

Der Dax hat sich in der ersten Jahreshälfte deutlich schlechter geschlagen als die Wall Street. Doch gibt es kaum Gründe dafür, dass sich diese Underperformance in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt, meinen einige Experten.

Dass der Dax, wie noch Anfang des Jahres von sieben Bankhäusern erwartet, bis Ende Dezember die Marke von 14.000 Punkten knacken wird, glauben inzwischen zwar nur noch wenige. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte auch kein ähnlich scharfer Einbruch wie im Frühjahr zu erwarten, sondern eher eine Stabilisierung. Weil der Dax seit seinem Hoch im Januar bereits über 1.200 Punkte verloren hat, dürfte sich die Fallhöhe im zweiten Halbjahr verkleinern, glaubt etwa Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Für den relativen Optimismus der Experten gibt es verschiedene Gründe. So sollten die unverändert niedrigen Zinsen im Euroraum laut dem DZ-Bank-Chefanlagestratege Christian Kahler einen größeren Einbruch am Aktienmarkt verhindern. Überhaupt ist es nach Ansicht vieler Portfolio-Manager die nach wie vor ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die Aktien in ein attraktives Licht rücke.

Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Billig seien viele Aktien zwar nicht mehr, die Bewertungen passten aber dennoch zum weiterhin positiven Wachstumsumfeld. Die Konjunktur mag sich abgekühlt haben, so dass in diesem Jahr mit etwas weniger Wachstum zu rechnen sei, doch gebe es nach wie vor keine Anzeichen einer Rezession, versichern die Fachleute der Commerzbank.

Im Gegenteil, die Wirtschaft bleibe auf Wachstumskurs. Dadurch werde die Masse an politischen Risiken etwas abgefedert. So dürften in Deutschland sowie in der gesamten Eurozone weiter steigende Unternehmensgewinne - gepaart mit den niedrigen Zinsen - die Aktienmärkte stützen. Auch wenn der Gewinnanstieg etwas schwächer ausfallen dürfte als zunächst angenommen. Denn Anleihen seien nach wie vor keine Alternative, erklären die DZ Bank-Experten. Tatsächlich verharren die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen bei 0,30 Prozent - zu wenig, um auch nur die Inflationsrate ausgleichen zu können.

Robuste Kauflaune

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
10.929,43
Differenz relativ
+1,38%

Gestützt wird der deutsche Aktienmarkt nach Einschätzung der Schweizer Privatbank Julius Bär zudem von der anhaltend robusten Kauflaune der Verbraucher. Deutschland profitiere von einer überraschend starken Binnennachfrage, erklärt David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland bei Julius Bär. Daneben werde die hiesige Wirtschaft auch von dem boomenden Immobilienmarkt gestützt.

Auch die sich ausweitende Zinsdifferenz zwischen dem Euro- und Dollar-Raum dürfte dem Dax helfen, ist doch der Euro gegenüber dem Dollar wegen der unterschiedlichen Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks unter Druck geraten. Ein schwächerer Euro verbilligt die Exporte aus der EU und hilft somit den Unternehmen.

DWS ist eher optimistisch

Relativ optimistisch äußert sich auch die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Sie rechnet trotz der gegenwärtigen Spannungen zwischen den USA und China nicht mit einer Eskalation des Handelskonflikts und erwartet vor diesem Hintergrund auf Sicht der kommenden zwölf Monate eine weiter wachsende Weltwirtschaft.

Mit Blick auf die Aktienmärkte im zweiten Halbjahr glaubt Thomas Schüssler, Co-Leiter des globalen Aktiengeschäfts, dass die Börsen ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Zwar sei der Zenit des Gewinnwachstums, besonders in den Vereinigten Staaten, überschritten. Allerdings sollte die immer noch zu erwartende Zunahme der Gewinne um sieben bis acht Prozent ausreichen, die Kurse weiter zu beflügeln.

Auch Rohstoffe interessant

Zusätzliche Unterstützung komme in den Vereinigten Staaten wie in Europa von den zahlreichen Aktienrückkaufprogrammen vieler Unternehmen. Zu den Favoriten der DWS gehören US-Technologiewerte. "Diese Aktien haben die Börsen zuletzt getrieben und dieser Trend einer Outperformance sollte anhalten", so Schüssler. Denn es handele sich dabei nicht mehr um die Dotcoms des Jahres 2.000, sondern um globale Gewinner mit starken Cash Flows.

Auch sei in dieser späten Phase des Konjunkturzyklus der Rohstoffsektor interessant. So deuteten die Fundamentaldaten auf eine nachhaltige Erholung der Ölpreise hin, betont Christian Hille, Leiter Multi Asset bei der DWS. Darüber hinaus zeige die Historie, dass sich Rohstoffe in einem spätzyklischen Szenario mit steigenden Zinsen tendenziell besser als Aktien und Anleihen entwickeln würden.

Für Panikverkäufe am Aktienmarkt gibt es also aus Expertensicht keinen Grund. Zumal Ende des Jahres traditionell die beste Zeit für die Wertpapiere anbricht. Dieses statistisch überproportionale Ansteigen der Aktienindizes in den letzten Monaten des Jahres wird als Jahresendrally bezeichnet. Als zaghafter Beginn des Aufwärtstrends wird dabei der Oktober angesehen, der als Nachfolger des statistisch schwächsten Monats des Jahres September oft starke Kurseinbrüche wettmacht. Mit November und Dezember folgen dann statistisch meist starke Monate.

Ob es auch in diesem Jahr zu diesem Phänomen kommen wird, weiß derzeit noch niemand. Doch erscheinen alles in allem die Vorzeichen für die Aktienmärkte im zweiten Halbjahr gar nicht so schlecht, wie es die vielen geopolitischen Risiken suggerieren.

lg