Schweizer Fahne

Schweiz macht Ernst Kein Handel mehr mit Novartis & Co in der EU

Stand: 01.07.2019, 11:21 Uhr

Seit heute früh dürfen an den europäischen Börsen bestimmte Aktien großer Schweizer Unternehmen nicht mehr gehandelt werden. Umgekehrt dürfen EU-Händler bis auf Weiteres nicht mehr uneingeschränkt an der Börse in Zürich handeln. Was bedeutet das für Privatanleger?

International beliebte Schweizer Aktien von Nestlé, Roche oder Novartis dürfen seit heute nicht mehr an Börsen der EU gehandelt werden. Eine Ausnahme bilden Aktien mit einem Doppel-Listing, darunter Lafarge Holcim, ABB, Aryzta, BB Biotech und Cie Financiere Tradition.

Hintergrund ist ein neues Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und der Schweiz. Wegen innenpolitischer Widerstände hat Bern dem Vertrag noch nicht zugestimmt. Deshalb erkennt die EU seit diesem Montag die Schweizer Börsenregulierung nicht mehr als gleichwertig an. Damit können Händler aus der EU bis auf Weiteres nicht mehr uneingeschränkt an der Börse in Zürich handeln.

Einheitliche Regeln angestrebt

Umgekehrt ist es den großen Börsenplätzen in der EU untersagt, den Handel mit bestimmten Aktien von Schweizer Unternehmen anzubieten oder zu ermöglichen. Dabei sollte das neue Rahmenabkommen den gegenseitigen Marktzugang einheitlicher und effizienter machen.

Für die EU geht es vor allem darum, dass die Schweiz in bestimmten Bereichen EU-Regeländerungen übernimmt und sich an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs hält, soweit sich die Urteile auf Bereiche beziehen, die Teil von Abkommen sind. Gegner des Abkommens in der Schweiz kritisieren inakzeptable neue Auflagen. Die dortige Regierung hatte daher jüngst mitgeteilt, der Vertrag sei in seiner jetzigen Form nicht mehrheitsfähig.

Mehr Handel in Zürich?

Die EU schließt inhaltliche Nachverhandlungen indes aus und ist lediglich bereit, Zusatzerklärungen abzugeben, um Kritiker zu beruhigen.

In der Schweiz wird gehofft, dass das Handelsvolumen an der Börse in Zürich letztlich sogar wachsen könnte, wenn der Handel, der mit Schweizer Papieren in der EU nicht mehr möglich ist, in die Schweiz wandert. Rund 30 Prozent der Schweizer Börsenschwergewichte - darunter Nestlé, Roche und Novartis - werden im Ausland gehandelt.

Kaum Auswirkungen für Anleger

Für Privatanleger hat das Verbot kaum Auswirkungen. Sie können Schweizer Aktien über ihre depotführende Bank weiterhin kaufen und verkaufen. Der Handel läuft allerdings über die Bank selbst oder Broker wie Lang & Schwarz, die solche Aktiengeschäfte über ihr eigenes Buch abwickeln. Dadurch könnte sich der Handel für die Anleger etwas verteuern.

lg/dpa