Interview

LPKF will Durststrecke überwinden "Kein generelles Wachstumsproblem"

Stand: 12.08.2015, 13:26 Uhr

Vorstandschef Ingo Bretthauer verheißt dem Laser-Spezialisten aus dem TecDax die Rückkehr auf Wachstumspfade. LPKF werde auch im schwächelnden LDS-Geschäft wieder wachsen und habe eine Reihe aussichtsreicher Produkte in der Pipeline.

boerse.ARD.de: Herr Bretthauer, das LDS-Geschäft bei LPKF hat die Halbjahresbilanz stark belastet. Warum ist der Markt hier weiterhin geschwächt?

Ingo Bretthauer: Wir sind hier ein bisschen Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden. In den vergangenen Jahren haben wir ja wegen der guten Verkaufserfolge sechs Mal unsere Prognose für den Bereich angehoben. Inzwischen sind die Kapazitäten auf Kundenseite einfach deutlich gestiegen. Und damit hat die Nachfrage zuletzt nachgelassen. Festhalten sollte man aber, dass wir in zwei von drei Segmenten konzernweit wachsen. Wir haben es hier also eher mit einem singulären Produktthema zu tun, nicht mit einem generellen Wachstumsproblem.

boerse.ARD.de: Dennoch bleibt die Sparte ein Kerngeschäft für LPKF?

Bretthauer: Ganz sicher, das LDS-Geschäft wird auch wieder wachsen, auch wenn wir das explosionsartige Wachstum der vergangenen Jahre wohl nicht mehr sehen werden. Neue Antennentechniken im Handy-Bereich, die für die Nutzung höherer Bandbreiten erforderlich sind, könnten hier schnell zu einer besseren Nachfrage führen. Konkrete Aussagen zum Ausblick wollen wir dazu aber erst im November machen.

boerse.ARD.de: Aber Sie versuchen auch in anderen Produktbereichen neues Wachstum zu schaffen. Welche sind das?

Bretthauer: Wir haben beispielsweise eine Technologie entwickelt, mit der in der Chipindustrie mit dem Laser winzige hochpräzise Löcher in hauchdünne Glasscheiben "gebohrt" werden können. Diese TGV-Technologie haben wir bereits ersten Kunden vorgestellt. Ab 2016 soll zudem ein digitales Druckverfahren in den Markt gebracht werden, mit dem metallische Pasten sehr flexibel und präzise verdruckt werden können.

boerse.ARD.de: Im laufenden Jahr wird es für LPKF auch darum gehen, Kosten zu senken, um noch eine schwarze Null beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) zu erreichen. Welche Maßnahmen haben Sie hier ergriffen?

Bretthauer: Im Personalbereich haben wir in diesem Jahr Gehaltserhöhungen ausgesetzt, und – sozial verträglich – im letzten Quartal 16 Stellen abgebaut. Zudem bauen wir zurzeit Überstunden und Urlaub ab. Auch bei Sachkosten sparen wir, zum Beispiel bei Messeauftritten. Die Einsparungen betreffen allerdings nicht Bereiche, die Umsätze beeinträchtigen könnten, also etwa neue Produktentwicklungen.

boerse.ARD.de: Im Halbjahr ist das Ebit deutlich negativ ausgefallen, ist die "schwarze Null" mit den Kosteneinsparungen erreichbar?

Bretthauer: Das wird vor allem ein Umsatzthema sein. Wir haben ja eine Umsatzspanne von 90 bis 110 Millionen Euro angegeben. Bei rund 100 Millionen Euro haben wir den Break-Even-Point veranschlagt. Wir werden natürlich alles tun, um ein positives Ergebnis zu erreichen. Am Ende hängt dies aber mit der Erlös-Situation und damit eben auch mit der Entwicklung im LDS-Geschäft zusammen.

Das Gespräch führte Andreas Braun