Galeria Kaufhof-Schriftzug an der Filiale in Hannover
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Kanadischer Eigner unter Druck Kaufhof: Schon wieder ein neuer Eigentümer?

Stand: 07.09.2017, 10:18 Uhr

Die Spekulationen über die Zukunft der Kaufhof-Warenhäuser reißen nicht ab. Nach dem Pleite-Alarm im Juli, gibt es jetzt Gerüchte über einen erneuten Eigentümer-Wechsel.

Die Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company (HBC) wird von einem aktivistischen Investor bedrängt, sich von der deutschen Warenhauskette zu trennen. Dabei handelt es sich um die Investmentgesellschaft Land & Buildings (L&B), die über rund fünf Prozent der HBC-Aktien verfügt.

L&B-Gründer und Vorstandschef Jonathan Litt erklärte in der vergangenen Nacht einen "hoch qualifizierten" Käufer für die Kaufhof-Warenhäuser gefunden zu haben. Dieser habe ein "ernsthaftes Interesse" an Galeria Kaufhof. Um wen es dabei handelt und wie ernsthaft das vermeintliche Interesse ist, blieb zunächst im Dunkeln.

Kurs von HBC springt an

Die Ankündigung ließ den Kurs von Hudson's Bay an der kanadischen Börse um mehr als acht Prozent steigen. Land & Buildings fordert bereits seit längerem von HBC, sich von Immobilien und vom Europa-Geschäft um Kaufhof zu trennen.

Wer ist eigentlich Hudson's Bay?

Gegründet 1670, ist Hudson's Bay nach eigenen Angaben Nordamerikas ältestes Unternehmen. Der Konzern betreibt in den USA und Kanada mehr als 300 Warenhäuser und Fachgeschäfte. Zum Firmenimperium gehört auch die bekannte US-Warenhauskette Saks Fifth Avenue. Die Übernahme von Kaufhof ist ein erster Schritt auf den europäischen Markt.

HBC soll sich stattdessen auf seine Wurzeln besinnen und sich auf das Geschäft in Kanada fokussieren. Als Beispiel für nicht optimal genutzte Vermögenswerte nennt L&B das Flaggschiffhaus der zu HBC gehörenden Kette Saks Fifth Avenue in New York. Statt eines Warenhauses sollten in einer der besten Immobilienlagen der USA lieber Topläden und in den oberen Etagen Eigentumswohnungen Platz finden.

L&B droht

Falls das Management weiter den Plan verfolge, global das Warenhausgeschäft zu betreiben, empfiehlt L&B den Führungskräften einen Management-Buyout. Für den Fall, dass HBC keine der geforderten Maßnahmen ergreife, um die Firma aus den roten Zahlen zu führen und den Wert der Firma zu steigern, will L&B eine außerordentliche Aktionärsversammlung verlangen, um die sechs "nicht unabhängigen" der elf Board-Mitglieder abzuwählen. Bei ihnen handelt es sich vorwiegend um Vertreter der Großaktionäre um die New Yorker Familien Mack und Baker.

HBC erlitt im zweiten Quartal einen Verlust von 201 Millionen Kanadische Dollar (umgerechnet 136 Millionen Euro) nach 142 Millionen Kanadische Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum auf. Insidern zufolge schreibt auch Galeria Kaufhof seit dem Verkauf durch den Metro-Konzern an die Kanadier 2015 rote Zahlen.

Wie geht es weiter mit Kaufhof?

Ende Juli hatte der Kreditversicherer Euler Hermes für Aufregung gesorgt, weil er die Kreditlimits für Kaufhof-Lieferanten spürbar reduzierte. Damit wird es für Lieferanten riskanter, ihre Ware an die Handelskette zu liefern. Hudson Bay konnte die Befürchtungen jedoch zerstreuen und versicherte, dem Konzern stehe eine globale Kreditlinie in Höhe von 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung, die die Zusagen der Kreditversicherer ergänzten.

Dennoch kam sofort die Befürchtung auf, dem Warenhauskonzern könne ein ähnliches Schicksal drohen wie der einstigen Drogeriekette Schlecker oder dem Konkurrenten Karstadt.

lg