Eine Frau mit einer Karstadteinkaufstüte vor einer Kaufhoffiliale

Übernahmeangebot vorgelegt Karstadt-Eigentümer will Kaufhof

Stand: 01.11.2017, 19:54 Uhr

Kommt es zu einem neuen Anlauf hin zur deutschen Warenhaus AG? Der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa hat ein drei Milliarden Euro schweres Angebot zur Übernahme des Konkurrenten Kaufhof vorgelegt.

Die kanadische Kaufhof-Mutter Hudson's Bay Company (HBC) bestätigte, eine Offerte von Signa für ihre deutsche Tochter erhalten zu haben. Das Angebot sei aber unvollständig und unverbindlich. Es enthalte keine Anhaltspunkte für die Finanzierung. Das Management werde die Übernahmeofferte pflichtgemäß in angemessener Zeit prüfen.

Drei Milliarden Euro inklusive Schulden

Mehrere Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters zuvor gesagt, der Karstadt-Eigentümer biete drei Milliarden Euro, das Angebot sei durchfinanziert und umfasse auch die Schulden. Bis Mitte November werde eine Antwort von HBC erwartet. Signa wollte sich offiziell nicht äußern.

Hinter Signa steht der österreichische Investor Rene Benko, der 2015 die Karstadt-Warenhäuser übernommen hatte. Benko wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof kaufen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen. Dieser Plan scheiterte jedoch. Den Zuschlag für die damalige Metro-Tochter Kaufhof erhielt für 2,8 Milliarden Euro die kanadische  HBC.

Die HBC-Aktien legten nach der Nachricht um acht Prozent zu. Sie befinden sich seit Mitte 2015 auf Talfahrt. Auf Ein-Jahres-Sicht haben sie 28 Prozent eingebüßt.

HBC unter Druck

HBC steckt wie die unter Verlusten und rückläufigen Umsätzen leidende deutsche Tochter Kaufhof schon länger in der Krise. Die Kanadier kämpfen mit dem zunehmenden Wettbewerb durch Online-Händler wie Amazon. Mehrere Top-Manager mussten in den vergangenen Monaten ihren Hut nehmen. Der aktivistische Investor und HBC-Aktionär Land and Buildings forderte schon im Sommer, dass sich der Konzern von Immobilien und vom Europa-Geschäft um Kaufhof trennt. Zuletzt versuchte HBC einen Befreiungsschlag, indem der Konzern einen neuen Investor an Bord holte, für mehr als 700 Millionen Euro eine Immobilie in New York verkaufte und ein Bündnis mit dem Büroflächen-Anbieter WeWork schmiedete

Bisher hat HBC bei Kaufhof trotz neuer Marken und Modernisierungen keine Trendwende geschafft. Die deutsche Kaufhaus-Kette leidet weiter unter Umsatzschwund und Verlusten. Dennoch hatte HBC zuletzt noch betont, keine Verkaufsabsichten für Kaufhof zu haben. "Wir stehen zu HBC Europa. Wir haben kein Interesse und keine Pläne, unser Geschäft an irgendjemanden zu verkaufen - Punkt!", sagte HBC-Chef Richard Baker erst vergangene Woche zu Reuters.

Der ehemalige Kaufhof-Chef Lovro Mandac sagte, angesichts sinkender Kundenzahlen in deutschen Innenstädten könnte eine Zusammenlegung der beiden Warenhaus-Giganten Sinn machen. Gerüchte um ein mögliches Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof gibt es seit Jahren.

nb