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Wegen Übernahme in den USA Infineon besorgt sich 1,5 Milliarden

Stand: 18.06.2019, 08:45 Uhr

Für die größte Übernahme seiner Geschichte hat sich der Halbleiterhersteller Infineon in der Nacht bei Großinvestoren 1,55 Milliarden Euro besorgt. Dafür hat er 113 Millionen neue Aktien verkauft - allerdings mit einem deutlichen Abschlag. Und das eingenommene Geld reicht noch längst nicht.

Die neuen Papiere wurden zu je 13,70 Euro angeboten und in einem beschleunigten Verfahren bei institutionellen Investoren platziert. Das ist ein Abschlag von rund 4,6 Prozent zum Schlusskurs vom Montag. Entsprechend geschwächt notiert die Infineon-Aktie am Morgen auf der Handelsplattform Tradegate.

Vor Kosten und Provisionen nahm Infineon 1,55 Milliarden Euro ein. Mit dem Geld will Infineon einen Teil der Kredite vorzeitig ablösen, die das Unternehmen für die neun Milliarden schwere Übernahme des kalifornischen Chipherstellers Cypress Semiconductor aufgenommen hatte. Die Papiere waren stark gefragt. Bereits gut eine Stunde nach der Ankündigung schlossen die begleitenden Banken die Orderbücher.

Teuerste Übernahme in der Geschichte

Infineon-CEO Reinhard Ploss

Infineon-CEO Reinhard Ploss. | Bildquelle: picture alliance / Alexander Heinl/dpa

Infineon hatte angekündigt, den Zukauf zu einem Drittel mit Eigenkapital zu finanzieren - das wären drei Milliarden Euro. Die Hälfte davon hat er damit unter Dach und Fach. Finanzvorstand Sven Schneider hatte auch eine Pflichtwandelanleihe ins Spiel gebracht, die in den nächsten Monaten platziert werden könnte.

Cypress ist die bisher teuerste Übernahme in der Geschichte von Infineon. Vorstandschef Reinhard Ploss will Infineon mit dem Deal in die "Top 10 der Halbleiterhersteller weltweit" führen. Bei Chips für die Autoindustrie sieht er Infineon sogar auf dem Sprung an die Weltspitze. Infineon ist so sehr zu dem Kauf entschlossen, dass es bereits ist, einen Aufschlag von knapp der Hälfte auf den durchschnittlichen Cypress-Aktienkurs vor Ankündigung des Kaufs zu zahlen.

Skeptische Analysten und Aktionäre

Die Amerikaner produzieren Halbleiter unter anderem für selbstfahrende Autos, Infineon erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes mit der Autoindustrie, die im Umbruch steckt. Die Entwicklung selbstfahrender Autos birgt für den Konzern neue Chancen. Denn für diese Fahrzeuge wird eine komplexe Steuertechnik benötigt. Infineon hat mit Cypress aber auch andere Geschäfte im Blick: die Vernetzung und Steuerung von Haushaltstechnik wie Heizungen, Beleuchtung oder Kühlschränken.

Analysten und Aktionäre reagierten verhalten auf den Schritt, der in einer für Halbleiterunternehmen schwierigen Zeit erfolgt. So steht die Branche angesichts sich eintrübender Konjunkturperspektiven, der Flaute der Autoindustrie und des Zollstreits zwischen den USA und China unter Druck.

Über 40 Prozent an Wert verloren

Zudem hat Konzernchef Ploss Anfang Juni erklärt, dass er sich frisches Geld von bis zu 2,7 Milliarden Euro besorgen will. Damit dürfte eine weitere Kapitalerhöhung programmiert sein. Zudem wird Infineon Kredite aufnehmen müssen, um die Übernahme zu finanzieren.

Die Anleger sind sauer. Seit der Bekanntgabe des Deals haben Infineon-Papiere ihren Abwärtstrend fortgesetzt und mehr als zehn Prozent verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten notieren sie als einer der schwächsten Dax-Werte rund 42 Prozent im Minus.

lg/dpa/rtr