Klaus Kaldemorgen

"Luft muss raus" Kaldemorgen warnt vor "Tech-Blase"

von Notker Blechner

Stand: 25.01.2018, 16:58 Uhr

Die atemberaubende Rally von Apple & Co an der Wall Street macht nicht allen Anlegern Freude. Manche Börsenprofis zeigen sich beunruhigt. Fondsmanager Klaus Kaldemorgen von der DWS fühlt sich an die Internetblase Ende der 1990er Jahre erinnert.

Die zunehmende Dominanz von US-Tech-Schwergewichten sieht Kaldemorgen mit Unbehagen. Inzwischen hätten Apple und Google zusammen eine größere Marktkapitalisierung als der gesamte Dax, warnte er auf dem Fondskongress in Mannheim. "Da geht mit einigen Investoren die Fantasie etwas durch."

Kaldemorgen erkennt in den USA bereits "Zeichen einer Blase". Defensive Werte hätten mittlerweile den größten Bewertungsabschlag gegenüber Wachstumswerten, sagte er. Dabei seien Hightech-Werte zunehmend starkem Wettbewerb ausgesetzt. Viele fordern eine stärkere Regulierung oder gar eine Zerschlagung von Konzernen.

Heftige Korrektur droht

Ihn erinnere das, was seit einigen Monaten passiere, an die Internetblase, die sich Ende der 1990er Jahre aufpumpte und dann platzte. "So etwas können wir dieses Jahr wieder sehen", warnte Kaldemorgen auf einer anderen Konferenz Anfang Januar in Frankfurt. Der erfahrene Fondsmanager, der zahlreiche Krisen seit den 1980er Jahren erlebt hat, befürchtet eine heftige Korrektur an den Märkten, die den Großteil der Kursgewinne der letzten Zeit ausradieren werde.

"Aus der Blase der digitalen Revolution muss die Luft rausgelassen werden", sagte Kaldemorgen. Zwar glaube er an die Digitalisierung als großen Wachstumstreiber. Aber die Erwartungen, die an bestimmte Unternehmen, gestellt würden, seien einfach zu hoch.

Viele Börsenprofis sind (noch) optimistisch

Nur wenige Börsenprofis teilen den Pessimismus des DWS-Fondsmanagers. Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck, sieht keine Parallelen zur Jahrtausendewende. "Viele der Unternehmen machten damals keine Gewinne und hatten mitunter nicht einmal ein Geschäftsmodell." Das sei heute anders.

Experten wie Mainfirst-Fondsmanager Olgerd Eichler glauben, dass die Börsen-Rally noch eine Weile weitergeht. "Die Notenbanken haben die Hosen voll. Sie wollen nicht, dass die Party vorbei ist", sagte er auf dem Fondskongress in Mannheim. Von Euphorie seien die Märkte noch weit entfernt. "Wir sind in der 60. oder 70. Minute eines Fußballspiels. Es sind noch 20 Minuten, warum soll man sich die entgehen lassen?"

1/11

Die Tekkies kommen Chartserie

<b>Netflix</b><br />Der Video-Streaming-Dienst hat ein prächtiges Jahr und ein ebenso gutes viertes Quartal hinter sich, da sind sich Analysten einig. Danach dürfte die Zahl der Abonnenten 2017 um rund 22 Millionen auf circa 115 Millionen gestiegen sein. Für das Schlussquartal rechnen die Experten mit einem Rekordzuwachs. Dass Netflix dabei immer profitabler arbeitet, haben bereits die Zahlen zum dritten Quartal gezeigt. Für Q4, über das Netflix nach US-Börsenschluss berichten wird, liegt die Konsensschätzung bei 0,41 Dollar Gewinn je Aktie.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Netflix
Der Video-Streaming-Dienst hat ein prächtiges Jahr und ein ebenso gutes viertes Quartal hinter sich, da sind sich Analysten einig. Danach dürfte die Zahl der Abonnenten 2017 um rund 22 Millionen auf circa 115 Millionen gestiegen sein. Für das Schlussquartal rechnen die Experten mit einem Rekordzuwachs. Dass Netflix dabei immer profitabler arbeitet, haben bereits die Zahlen zum dritten Quartal gezeigt. Für Q4, über das Netflix nach US-Börsenschluss berichten wird, liegt die Konsensschätzung bei 0,41 Dollar Gewinn je Aktie.

nb