Südzucker-Schriftzug steckt in einem Zuckerhäufchen

Reaktion auf Preisverfall Kahlschlag bei Südzucker

Stand: 26.02.2019, 09:21 Uhr

Der unter starkem Preisverfall leidende Südzucker-Konzern will fünf Werke schließen, zwei davon in Deutschland.

Die Standorte im südbrandenburgischen Brottewitz und in Warburg in Nordrhein-Westfalen sowie zwei Werke in Frankreich der dortigen Tochter Saint Louis Sucre und eine Fabrik in Polen würden geschlossen, teilte das Unternehmen nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates mit. Man wolle die Auswirkungen der starken Preisschwankungen an den globalen Märkten und in der EU auf das Segment Zucker verringern und das Unternehmen so sichern, begründete Europas größter Zuckerproduzent die Entscheidung.

Seit Ende der EU-Zuckermarktordnung 2017 muss der Konzern auf sinkende Zuckerpreise reagieren. Wegen des drastischen Rückgangs rechnet der Zuckerproduzent im Geschäftsjahr 2018/19 mit einem Umsatzeinbruch von 100 Millionen bis 200 Millionen Euro.

Mitarbeiter und Landwirte protestieren

Vor der Mannheimer Zentrale fanden sich etwa 350 Mitarbeiter und Landwirte ein, um gegen die drohende Schließung der Werke zu protestieren. Beschäftigte der bedrohten Zuckerfabriken werfen dem Südzucker-Vorstand vor, das Unternehmen handle voreilig und nehme sich nicht ausreichend Zeit zur Erarbeitung anderer Konzepte.

Die Mitarbeiter zeigten sich mit gelben Westen, Trillerpfeifen und Transparenten. Auf einem dieser Plakate hieß es etwa, "Werkschließungen sind die letzte, nicht die erste Alternative". Nach Angaben von Südzucker sind am Standort Brottewitz 90 Mitarbeiter beschäftigt. Im Südzucker-Werk Warburg arbeiten demnach 60 Beschäftigte.

Gewerkschaft kritisiert Schließungen als verfrüht

Franz-Josef Möllenberg, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Südzucker, mahnte die Konzernspitze zur Loyalität. "Die Agrarpolitik darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten und der Regionen ausgetragen werden", sagte er. Möllenberg, der früher Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) war, forderte die Einberufung eines Gremiums nach Vorbild der Kohlekommission.

Südzucker Zuckerrübenernte

Südzucker. | Bildquelle: Unternehmen

Eine solche Kommission könne Möglichkeiten prüfen, mit denen sich der Strukturwandel bewerkstelligen lasse. Mit Blick auf die geplante Schließung der beiden Werke sagte der frühere Gewerkschafter, dieser Schritt komme zu früh. "Wir brauchen mehr Zeit um alternative Konzepte zu entwickeln."

Kosten bis zu 220 Millionen Euro

Südzucker hatte den Umbau, bei dem bis zu 100 Millionen Euro jährlich eingespart werden sollen, im Januar angekündigt, Details aber damals offengelassen. Nun teilte der Konzern mit, die Restrukturierungsaufwendungen könnten insgesamt 180 bis 220 Millionen Euro betragen. Die finanziellen Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2018/19 seien noch nicht klar, hier könnten sich auch mögliche Abschreibungen auf übernommene Firmenwerte auswirken.

Die Anleger reagierten erleichtert auf die Ankündigung. Allerdings hält sich die Freude in Grenzen, hat die Aktie doch seit ihrem Hoch Anfang 2017 die Hälfte an Wert eingebüßt.

lg